Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Der Zug aber, durch das Trauma unmittelbar ausgeübt am lig. teres zieht auch dieses 
a Uein kräftig nach unten. 
Wir werden also nur weiterhin zu erklären haben, wie doch diese zweite Folge 
des Trauma längere Zeit verborgen bleiben, erst später zu einem ziemlich unklaren 
Krankheitsbilde führen und schliesslich ein überraschender Leichenbefund werden konnte. 
Indessen nach dem Wie? interessirt uns zunächst die Frage, wann die Zer- 
Gissung geschehen sein mag. Die Frage ist schwierig und durchaus nicht mit Sicher 
heit zu beantworten, da die Eltern von einem Trauma nichts zu berichten wissen 
und überhaupt die Anamnese gar keinen Anhalt bietet. Wann können sich die ver 
schiedenen Bedingungen zusammen gefunden haben, etwa schon im intrauterinen 
Leben oder während der Geburt oder erst im späteren Leben? 
Was das intrauterine Leben betrifft, so können wir wohl, wenn wir uns nicht 
ln werthlosen Hypothesen ergehen wollen, von vorn herein die Annahme ausschliessen, 
dass hier bei der äusserst geschützten Lage des Fötus im Fruchtwasser Schädlich 
keiten von solcher Bedeutung eingewirkt hätten, ohne zugleich andere schwere Schä 
digungen sowohl der Mutter als der Frucht mit sich zu bringen. Ueberdiess würde 
■Wahrscheinlich, wenn wir die intrauterine Zerreissung einmal annehmen wollen, die 
Sache selbst schon das Leben der Frucht gefährdet haben. Die vena umbilicalis hat 
Von ihrem ersten Entstehen an bis zur Geburt eine äusserst wichtige Function und 
diese Wichtigkeit nimmt zu bis zur Geburt hin. Wäre nun die Gewalteinwirkung 
längere Zeit vor der Geburt erfolgt, so würde dadurch die vena umbilicalis entweder 
selbst zerrissen, oder doch durch die Abtrennung vom lig. suspens. in einer Weise 
verletzt worden sein, welche die Circulation des Blutes in ihr sclrwer beeinträchtigt 
hätte. Eine Störung des fötalen Kreislaufs an dieser Stelle aber wäre nur allzuleich^ 
tödtlich geworden. Das Kind ist aber ausgetragen, nach Angabe der Mutter recht- 
zeitig geboren worden und es ist diess mindestens ein Beweis, dass keine erhebliche 
Störung des fötalen Kreislaufs dagewesen ist. 
Ganz anders verhält es sich mit der Geburt. Einen so grossen Wechsel in 
sämmtlichen Lebensbedingungen, wie ihn der kindliche Organismus bei der Geburt 
erfährt, erfährt der Mensch niemals wieder. Zahlreiche äussere Gewalten, sowohl von 
Seiten der mütterlichen Geburtswege, wie von Seiten der Hebeammen oder des Arztes, 
wirken auf den zarten Körper des Kindes ein, ohne dass man berechtigt wäre, in 
normal verlaufenden Geburten von unnöthigen Schädigungen des Kindes zu sprechen. 
Lei Geburten aber, die irgendwie Kunsthülfe erfordern, können leicht diese oder jene 
Manipulationen von Seiten der Hebeamme u. s. w. dauernde Schädigungen zur Folge 
haben. Wenn nun auch unseres Wissens eine Ruptur, wie die bei unserem Knaben, 
überhaupt niemals, also auch nicht als unter der Geburt entstanden, bekannt geworden 
18 L so schien es doch nicht überflüssig, hierauf bezügliche Fragen an die Eltern und 
die Hebeamme zu stellen. Indessen diese ergaben negative Resultate. Die Mutter
	        

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