Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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war keine Spur einer Verletzung. Indessen wir brauchen dieses kaum sehr zu betonen, 
denn es handelt sich eben nur um einen Riss hart neben dem lig. teres, der wahr 
scheinlich nicht durch den zuletzt besprochenen Mechanismus zu Stande kommt, 
Nach allem diesem also ist zu vermuthen, dass eine (indirecte) Gewalt einge 
wirkt habe auf das lig. suspens. der Art, dass bei Anspannung des lig. teres gleich 
zeitig die obere Insertion des lig. suspens. am Diaphragma hinaufgedrängt worden ist. 
Experimente an Leichen führten zu folgenden Resultaten: Das lig. teres liess sich 
mit geringer Mühe gerade ausspannen, dabei gab das lig. suspens leicht dem Zuge 
nach und zerriss auch dann nicht, wenn die obere Insertion des letzteren durch einen 
Druck von unten her in die Höhe gehoben war. Auf diese Weise liess sich also 
schlechterdings keine Zerreissung zu Stande bringen. Sehr leicht aber gelang es, einen 
ganz ähnlich wie im vorliegenden Falle hart neben dem lig. teres verlaufenden Riss 
zu erzeugen, wenn bei Fixirung der oberen Insertion das lig. teres selbst in seiner 
Mitte erfasst und herabgezogen wurde. Verhältnissmässig am schwersten gelang diess 
noch bei einem einjährigen Kinde, während sich das Gewebe äusserst mürbe zeigte 
bei einer 71jährigen Frau und einem 39jährigen Phthisiker, was sich leicht erklärt aus 
der atrophischen Beschaffenheit des Bauchfells sowohl bei einem altersschwachen, wie 
bei einem durch Krankheit herabgekommenen Individuum. 
An einer tiefer gelegenen Stelle des Bauches also muss die Gewalt eingewirkt 
haben. Nun giebt uns die Verwachsung von Darmschlingen mit der Bauchwand unter 
halb des Nabels für diese Frage einen willkommenen Fingerzeig. Ein Trauma, an 
dieser Stelle einwirkend, kann voraussichtlich schon von bedeutender Stärke sein, 
ohne etwas anderes zur unmittelbaren Folge zu haben, als eine umschriebene Perito 
nitis. Diese führt ganz gewöhnlich zu Verwachsungen und eine solche finden wir 
hier. Dass nun dieses Trauma, welches wir einstweilen als geschehen anzunehrnen uns 
erlauben, im vorliegenden Falle auch eine Ruptur im lig. suspens. bewirkt habe, ist 
nach unserer obigen theoretischen Betrachtung und den Resultaten der Experimente 
nicht unwahrscheinlich. Sehen wir noch einmal die mechanischen Bedingungen an. 
Die Zerrung am lig, teres ergiebt sich unschwer aus der anatomischen Anordnung 
der 1 heile und ein gleichzeitiges Hinaufgedrängtwerden der Leber und somit der 
oberen Insertion des lig. susp. am Diaphragma ist durchaus nicht zu bezweifeln, da 
die äusserst elastischen lufthaltigen Darmschlingen ^ den an umschriebener Stelle 
empfangenen Druck nach allen Seiten gleichmässig zu übertragen vermögen auf die 
ganze Wandung des Bauchraumes, also auch auf die untere Lederfläche. Dabei kann 
aber doch das lig. teres in seiner Eigenschaft als dünner Strang von oben her zwischen 
die von unten andrängenden Darmschlingen herabsteigen und so aus der fossa pro 
vena umbilicali heraus und von der Bauchwand abgezerrt werden, dann das an dem 
dünnen Strange von Seiten der Darmschlingen wirkende Kraftmoment muss unver 
gleichlich viel geringer sein, als das gegen die breite untere Leberfläche wirkende.
	        

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