Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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wächst, in der Art, dass sie zu Anfang des dritten Monats die regiones hypogastricae 
erreicht, so ist wohl anzunehmen, dass durch diesen Wachsthumsprocess die in die 
Unterfläche der Leber sich einsenkende vena umbil. geradezu von der Bauchwand 
abgedrängt wird und so die über ihr hinziehende Lage des Bauchfells zu einer 
Falte erhebt. Dabei kann immerhin eine selbständige Wucherung des Bauchfells an 
dieser Stelle statthaben, wie sie nach Kölliker’s Meinung überall an der Oberfläche 
der wuchernden Organe statthaben soll. Speciellere Angaben, welche die Richtigkeit 
der Annahme eines solchen Bildungsmechanismus bestätigen könnten, habe ich nicht 
finden können, aber jedenfalls liegt es nahe, die Bildung des lig. susp. hep. zum 
grossen Theil als die Folge eines Abgedrängtwerdens der vena umbil. aufzufassen. 
In unserem Falle ist nun das lig. susp. selbst da wie in jedem anderem Falle 
und wenn unsere Absicht über dessen Bildung Anspruch auf Wahrscheinlichkeit hat, 
so mag auch eben das Vorhandensein des lig. susp. sprechen dafür, dass ein ganz 
normaler Bildungsgang dagewesen sei, dass das lig. teres durchaus ursprünglich in 
normaler Verbindung mit dem lig. susp. gestanden habe. 
Eine genauere Untersuchung des anatomischen Präparates lässt nun auch keinen 
Zweifel mehr, dass nach der Fertigbildung der Theile eine mechanische Zerreissung 
stattgefunden habe: der Rand des lig. susp. ist zerfetzt, am lig. teres findet sich in 
seiner ganzen Länge ein schmaler Saum, der die gleiche zerfetzte Beschaffenheit zeigt 
und überdiess besteht der Verbindungsstrang zwischen beiden. Endlich ergiebt die 
mikroskopische Untersuchung einen peritonealen Ueberzug des lig. teres: sehr zahl 
reiche elastische Fasern und, was wichtiger ist, characteristische Endothelzellen, wenn 
auch nicht mehr in zusammenhängendem Stratum. 
Haben wir also festgestelt, dass es sich nicht um einen Bildungsfehler, sondern 
um eine Zerreissung handelt, so fragt es sich zunächst weiter, wie denn diese geschehen 
sein kann. Wenn wir versuchen, diese Frage zu lösen, so müssen wir uns zunächst den 
Mechanismus dieser Zerreissuug vergegenwärtigen. Das lig. teres liegt normaler Weise 
vom Nabel aufwärts der vorderen Bauchwand hart an, erst in der Nähe des Leber 
randes entfernt sie sich von ihr und verläuft in der fossa pro vena umbilicali an der 
Unterfläche der Leber bis zur porta hepatis. Nach den Zeichnungen der Sagittal- 
durchschnitte im Braune’schen topographisch-anatomischen Atlas bilden die vordere 
Bauchwand und die untere Leberfläche (und somit annähernd des lig. teres hepatis) 
einen Winkel von 60° beim (21 jährigen) Manne, von 45° beim (25 jährigen) Weibe. 
Die Schenkel dieses Winkels, nämlich die vordere Bauchwand bis zum Nabel herab 
einerseits, die untere Leberfläche bis zur porta hepatis andererseits, verhalten sich 
ungefähr zueinander wie 4 : 3 beim Manne, wie 3,4 : 3 beim Weibe. Eine Gerade, 
gezogen vom Nabel zur porta hepatis bildet daher die Grundlinie eines nur wenig 
ungleichschenkligen Dreiecks, so dass ein Loth, von dem oben genannten Winkel aus 
auf die Grundlinie gefällt letztere in ein längeres vorderes und ein kürzeres hinteres
	        

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