Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Öffnung zu finden. Der Knabe hatte nach der Operation entschieden etwas Erleich 
terung bekommen, aber von Bedeutung war sie nicht. Eigenthümlich war nun dabei, 
dass die Eröffnung des Darms so gut wie gar keinen Einfluss hatte auf die Darment 
leerung per anum. Dann ganz wie bisher erfolgten täglich diarrhoische Stühle und 
einmal wieder auch ein geformter. Der Indicangehalt des Harns zeugte aber doch 
Von einer weit weniger behinderten Fortschaffung des Darminhalts, denn bis zum Tode 
War die Blaufärbung eine sehr geringe. — Immer mehr nun waren die Kräfte des 
Knaben verfallen, bis er am 24. März, Morgens 8 Uhr, von seinen Leiden erlöst 
Wurde, nach Schilderung des Vaters dadurch, dass er beim Trinken sich verschluckt 
hatte und so erstickt war. 
Die klinische Diagnose war gestellt auf „Adhaesion und temporärer Verschluss 
einer Darmschlinge.“ 
Section 26 h. p. m. Das Sectionsprotokoll (Prof. Heller) lautet in extenso 
folgendermassen. 
Leichendiagnose: 
Kothfistel; zahlreiche Verwachsungen, Stricturen und fistulöse Communicatio- 
nen von Dünndarmschlingen unter einander; starke Dilatation und Hyper 
trophie des Dünndarms. 
Ruptur des ligamentum Suspensorium der Leber. 
Darmgeschwüre (Dünn- und Dickdarm). 
Schwellung und Verkäsung mehrerer Mesenterialdrüsen. 
Residuen von Perihepatitis und Pleuritis. 
Bronchiactasien. 
Lobuläre pneumonische Heerde. 
Allgemeine Anaemie. 
Oxyuris vermicularis. 
Sehr abgemagerter Knabe, Haut sehr bleich, schlaff, mit ganz geringen blassen 
Todtenflecken, keine Starre. Unterhautgewebe fettarm. Muskeln schwach entwickelt. 
Etwas unterhalb und nach aussen vom Nabel findet sich eine ca. 3 Ctm. lange und 
1 Ctm. breite Geschwürsfläche mit missfarbigen Rändern und Basis; von derselben 
aus führen Gänge in eine zwischen den Bauchdecken und den angelötheten Dünn 
darmschlingen liegenden, etwas missfarbigen Jaucheheerd, welcher wiederum durch 
vielfach geknickte Fistelgänge in die daselbst angewnchsenen Darmschlingen führt. 
Bauch. 
Beim Eröffnen der Bauchhöhle zeigt sich lig. Suspensorium von dem lig. teres 
getrennt, und parallel mit der untereren Leberfläche ein dünner Bindegewebsstrang 
sie verbindend; das lig. teres verläuft isolirt in seiner ganzen Ausdehnung bis in die 
Nähe des Nabels. Es werden durch dasselbe die Dünndarmschlingen in zwei ungleich
	        

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