Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

nach einigen Minuten- dieselbe sich wiederholte. Niemals versuchte der Knabe irgend- 
Wle durch den Druck seiner Hände oder durch Anziehen der Beine die Schmerzen zu 
ändern, im Gegentheil hielt er die Extremitäten stets vom Bauche fern, sowie er auch 
J e de Berührung des Bauches meinerseits ängstlich fürchtete. So machte die ganze 
Erscheinung den Eindruck, als ob die Peristaltik des Darmes energisch kämpfte gegen 
ein unüberwindliches Hinderniss, nach vergeblichem Bemühen von Neuem Kräfte 
sammelnd zu neuem, immer vergeblichem Kampfe. Aber dennoch, es sprach sonst 
keine Erscheinung für die Annahme eines absoluten Verschlusses des Darmrohrs. 
Eer Knabe hatte täglich seihe Ausleerungen gehabt, mitunter diarrhoisch, meist aber 
geformt. Auch bei meinem ersten Besuch zeigte mir die Mutter die Faeces, geformte, 
üormal aussehende Ballen, vielleicht von etwas kleinerem Caliber, als man bei einem 
fünfjährigen Knaben erwarten sollte. Die Untersuchung des Rectum mit dem Finger 
er gab nirgend eine Einschnürung des Rohrs. 
Während dieses Zustandes fieberte der Knabe nicht unbedeutend, 39,8° zeigte 
das in den After eingelegte Thermometer, die Pulsfrequenz betrug 140 p. m., die 
Respiration 41. Dabei hustete der Knabe ein wenig, es war hinten beiderseits einiges 
Schleimrasseln zu hören, nirgend bestand Verdichtung des Lungenparenchyms. Der 
Appetit fehlte dem Knaben seit Beginn seiner schweren Erkrankung fast gänzlich, die 
Zunge war weisslich belegt. Erbrochen hatte der Knabe nicht. 
Nach diesen Symptomen war es gerechtfertigt, eine, wenn nicht absolute, doch 
hochgradige Obliteration des Darmlumens anzunehmen. Das einzige, was dagegen 
sprechen konnte, war der Umstand, dass seit Eintritt der schwereren Krankheitserschei- 
üungen immer noch Faeces entleert waren, indessen diese konnten aus dem unter der 
(oiuthmasslich) obliterirten Stelle gelegenen Darmabschnitt stammen und eben noch von 
Vor der Zeit eingeführter Nahrung herrühren. Gegen das quälendste Symptom der 
Krankheit, die stürmischen Darmcontractionen, wurden kleine Dosen Extr. opii gege 
ben, jedoch um ihre verstopfende Wirkung zu vermeiden, schon am nächsten Tage 
ftfit Morphium-Tropfen vertauscht. Durch diese hatte der Knabe etwas Linderung, er 
konnte Y2 Stunde ruhig schlafen, dann aber trat die Qual stets von neuem ein. 
Zweifelhaft wurde nun die Beschaffenheit des Leidens in den nächsten Tagen. 
Eie Ergebnisse der Percussion änderten sich der Natur der Saehe nach mannigfaltig, 
üisonderheit war das oben erwähnte grosse Gebiet von gleicher .Schallhöhe, welches 
füglich auf den Magen bezogen werden durfte, bald nicht mehr in gleicherweise nach 
weisbar. Auffallend war aber besonders folgendes: an der vorerwähnten weicheren 
Stelle des Bauches, der Nabelgegend, wölbte sich schon am zweiten Tage, am 23.Febr., 
e ® Tumor hervor von Hühnereigrösse, derselbe war besonders druckempfindlich und 
gab gedämpften Schall. Stuhlgang war wieder erfolgt, aber diarrhoisch, stärkeres Er 
brechen erfolgte am 25. Abends und während der Nacht, worauf etwas Erleichterung 
eingetreten sein sollte. Das Erbrochene soll nach Angabe der Eltern nicht fäculent
	        

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