Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

li/S sind die Ursachen eines Verschlusses des Darmlumens in so grosser Mannigfaltigkeit 
beobachtet worden und jede einzelne Art und Weise erklärt sich mechanisch in den 
allermeisten Fällen so leicht aus der anatomischen Anordnung der in Betracht 
kommenden Theile, dass man glauben könnte, abgesehen von geringeren Eigenthüm- 
Uchkeiten, die jeden Fall Vor anderen auszeichnen, würde kaum etwas mehr zur 
Beobachtung kommen, was nicht in ganz ähnlicher Art schon früher gesehen wäre. 
Bildungsstörungen, Einklemmungen in Bruchsäcken und hinter strangförmigen Adhä 
sionen, Invaginationen und Verlegungen des Darmcanals durch Narben oder Neubil 
dungen, alles ist in unzähligen Modificationen dagewesen — um so mehr muss es 
daher auffallen, auf dem Sectionstische eine Ursache zu finden, die, ganz unähnlich 
jenen oben genannten, einzig dazustehen scheint. Wiederum sind es Einklemmungen 
v on Darmschlingen durch ein strangförmiges, frei durch das Cavum Peritonali ver 
laufendes Gebilde und in der Folge tiefgreifende entzündliche Veränderungen, wie in 
unendlich vielen anderen Fällen auch, aber jener Strang ist nichts anderes, als das 
%. teres hepatis, das in seiner ganzen Länge abgetrennt von lig. Suspensorium hepatis 
straff gespannt vom Nabel zur porta hepatis hinzieht. Hinter diesem haben Darm 
schlingen sich zu verschiedenen Zeiten gefangen, eine reactive umschriebene Peritonitis 
hat zu Verwachsungen der Schlingen geführt und in der Folge zu schweren Schädi 
gungen. Man sieht, auch in diesem Falle sind die Folgen ähnlich denen nach anderen 
Einklemmungen, aber die Besonderheit liegt im ursächlichen Moment und dieses letztere 
w ar bei der Section durchaus überraschend, da intra vitam bei der mit voller Sicher 
heit auf hochgradige Verengerung des Darmlumens gestellten Diagnose nur irgend 
aine der bekannten Ursachen zu vermuthen war. 
Es sei mir gestattet, zunächst kurz die Krankengeschichte mitzutheilen: 
Adolf P., 5 Jahre alt, soll seit seiner frühesten Kindheit an einem lauten 
Bollern im Leibe und auch mehreremale, aber nur vorübergehend und in geringerer 
Weise an Schmerzen gelitten haben. Der Stuhlgang ist dabei oft diarrhoisch, aber 
nie auf längere Zeit aussetzend gewesen. Die Eltern lieben zu betonen, dass die vier 
Geschwister des Knaben ein ganz ähnliches Üebel gehabt haben. Alle Kinder haben 
einen aufgetriebenen Bauch und lang dauernde Verdauungsstörungen, ausserdem der 
Adolf und das jüngste Mädchen einen Nabelbruch gehabt, der aber später sich zurück-
	        

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