Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

an den übermässig grossen Schwierigkeiten den hinteren Correspondenzpunkt zwischen den Massen 
der Gesässmuskeln auf dem Kreuz- oder Steissbein zu markiren. 
Mir ist unmöglich gewesen die von Professor Bartels begonnenen Messungen des Abstandes 
des freien Randes der 12, Rippe von dem ihm in der Richtung der Längsaxe des Körpers zu 
nächst gelegenen Punkte der crista ossis ilei im Stehen und im Liegen fortzusetzeri. Denn es 
gelang mir nicht bei meinen Versuchspersonen den freien Rand der 12. Rippe mit der nöthigen 
Genauigkeit zu markiren um ihren Abstand vom Darmbeinkamme auch nur mit einiger Sicher 
heit bestimmen zu können. Professor Bartels fand aber bei mageren Individuen jedesmal, dass 
die 12. Rippe im Liegen vom Darmbeinkamme weiter entfernt ist als in aufrechter Stellung. 
Auf welche Weise nun die Verschiebung der vorderen und der hinteren Brustwand gegen 
einander bei den erwähnten Veränderungen der Körperstellung zu Stande kommt, kann nich; 
zweifelhaft sein. Es ist einleuchtend, dass dieselbe die Folge einer stärkeren Streckung sein muss, 
Welche die Wirbelsäule in der horizontalen Körperlage erfährt. Hierfür spricht einmal schon die 
oben erwähnte Beobachtung, dass auch bei aufrechter Körperhaltung durch willkürlich vorgenommene 
stärkere Streckung bis zum völligen Verschwinden der natürlichen Krümmung des Rückens nach 
Hinten eine Verschiebung im gleichem Sinne bewirkt werden kann. Ferner hat Horner in seiner 
Arbeit »lieber die Krümmung der Wirbelsäule im aufrechten Stehen« (Zürich 1854) S. 2.2 u. ff. 
Untersuchungen über die verschiedene Krümmung der Wirbelsäule im Liegen und Stehen mit- 
getheilt, welche zeigen, dass die Einwirkung der Schwere auf die Wirbelsäule beim Stehen keine 
Unbedeutende ist. Durch Messungen, welche nach verschiedenen Methoden vorgenommen wurden, 
Ze igte er, dass ein am Brusttheile der Wirbelsäule markirter Punkt sich von einem anderen am 
Kreuzbein gelegenen im Liegen weiter entfernt als im Stehen und zwar um 20—30 Mm., dass 
folglich die Wirbelsäule im Liegen stärker gestreckt wird als beim ungezwungenen Stehen. 
Bekannt ist auch, dass die elastischen Zwischenwirbelscheiben in aufrechter Haltung des 
Körpers zusammengedrückt werden. Der Verlust an Höhe, welchen der Rumpf durch Compression 
sämmtlicher Wirbelsynchondrosen erleidet, soll nach Messungen von Hyrtl und anderen bis zu 
ei nem Zoll betragen können. 
Ich selbst bestimmte bei einer geringen Anzahl meiner Versuchspersonen die Entfernung 
der vertebra prominens vom küssende des Körpers im Stehen und Liegen durch directe Messung, 
ast jedesmas fand ich die Entfernung im Liegen grösser, einmal gar um 4,5 Cm. 
Es ist anzunehmen, dass die Folge der stärkeren Streckung der Wirbelsäule eine geringe 
rehung der Rippenköpfchen in ihren Gelenken ist, wodurch die vordere Brustwand in der Richtung 
nach Abwärts vor der Wirbelsäule verschoben wird. Allerdings kann diese Ansicht nicht durch 
. as Ergebniss directer Messung des Abstandes des proc. ensiformis vom Fussende des Körpers 
‘ m Liegen und Stehen bewiesen werden. Doch, denke ich, spricht für die Richtigkeit dieser An- 
Sl cht der Umstand, dass der hintere Correspondenzpunkt des Schwerdtknorpels im Liegen fast 
'narner bedeutend tiefer sich befindet als im Stehen. Auch die unten erwähnte Abnahme des 
sternovertebralen Durchmessers im Liegen setzt eine Abwärtsdrehung der Rippen voraus. End- 
•ofi konnte Profess. Bartels, an einzelnen exquisit mageren Individuen eine Abnahme des Abstandes 
es proc. ensif. von der Symphyse durch Messung nachweisen. Bei wohlgenährten Individuen 
Wieitelt die Wölbung des Bauches diese Messung. Durch eine derartige Verschiebung der Rippen 
aber wird die Stellung des Thorax der Exspirationsstellung desselben zubewegt. 
Ein weiterer wichtiger Factor, welcher zu Gunsten dieser Thoraxstellung im Liegen spricht 
ls t die Verkürzuug des sagittalen Thoraxdurchmessers, welche in der Rückenlage durch Messungen 
aachgewiesen werden konnte. Allerdings zeigte, sich nicht in jedem Falle eine messbare Abnahme, 
a , r doch in der grösseren Mehrzahl derselben. Es fand sich nämlich unter den 70 Fällen 45 mal 
e *ae bis zu 1 Cm. betragende Verkleinerung des* sagittalen Durchmessers im Liegen, dagegen 
Umal eine Zunahme und 10 mal Gleichheit im Stehen und Liegen.
	        

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