Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Endpunkte der sagittalen Durchmesser von Querschnitten, welche man sich auf der Höhe des 
Schwertknorpels durch den menschlichen Körper gelegt denken kann, bei aufrechter Körper 
stellung und bei völlig horizontaler Rückenlage nicht zusammenfallen, dass vielmehr der Endpunkt 
am Rücken beim Liegen in der Regel dem Fussende des Körpers beträchtlich näher gefunden, 
wird als bei aufrechter Stellung. 
Später verhinderten dringliche Arbeiten eine längere Fortsetzung dieser Messungen. Nach 
Professor Bartels' Vorgang habe ich zu diesen Untersuchungen jugendliche Personen männlichen 
und weiblichen Geschlechtes benutzt, welche gesunde Brust- und Unterleibsorgane und einen wohl 
gestalteten Körperbau hatten. Alle befanden sich im Alter “von 16 bis 35 Jahren. 
Um die Schwierigkeiten und Ungenauigkeiten möglichst zu vermeiden, welche bekanntlich 
immer mit Körpermessungen verbunden sind, construirte und gebrauchte Professor Bartels bei 
einem Theile seiner Messungen ein Art von Rahmen. Dieses Instrument besteht aus zwei je ein 
Meter langen graden Stäben aus polirtem Ahornholz, ähnlich den Maassstäben der Tuchhändler, 
2 Cm im quadratischen Querschnitt und an ihren Enden durch zwei Querstäbe von 30 Cm Länge 
mittelst Charnieren wie zwei Parellelliniale verbunden. Dieser Rahmen wurde den ganz entkleideten 
Versuchspersonen erst in aufrechter Körperstellung in der Weise angelegt, dass der eine Stab vorn 
mit seinem oberen Rande genau an die Basis des Schwerdtknorpels, der andere hinten an die 
Wirbelsäule gelegt wurde. Mittelst Linial und Wasserwaage wurde dafür gesorgt, dass die oberen 
Flächen der beiden Stäbe in dieselbe horizontale Ebene gebracht wurden. Die Messpunkte wur 
den hierauf vorn und hinten auf der Haut mit Blaustift markirt und nach Entfernung des Rahmens 
der sagittale Durchmesser des Brustkorbes auf der bezeichneten Höhe sogleich mittelst Tastercircels 
gemessen. Da bemerkt wurde, dass sich die Haut besonders hinten an der Wirbelsäule bei Ver 
änderungen der Körperstellung über ihrer festen Unterlage verschiebt, wodurch leicht Irrthümer 
entstehen könnten, so ermittelte man durch Zählung, welchem Dornfortsatz der hintere Messpunkt 
entsprach und zwar dem oberen Rande desselben oder der Mitte oder dem unteren Ende. 
Zur Feststellung der entsprechenden Punkte in horizontaler Rückenlage wurde die Ver 
suchsperson hierauf ganz ausgestreckt über zwei bis auf etwa zwei Decimeter Entfernung an ein 
ander gerückte, gleich hohe Tische dergestalt gelegt, dass derjenige Punkt der Rückenfläche, 
welcher im aufrechten Stehen der Höhe des Schwerdtknorpels entsprach, über dem Zwischenräume 
zwischen den Tischen zu liegen kam. Jetzt wurde wieder der vorhin beschriebene Rahmen auf 
der Höhe der Basis des Schwerdtknorpels an den Thorax gelegt und durch Lothung die senk 
rechte Richtung des unteren zu dem oberen Stabe hergestellt. Ein unter dem Tische postirter 
Assistent markirte den auf die beschriebene Weise gefundenen Correspondenzpunkt. Mittelst des 
Tastercircels wurde dann auch jetzt in der horizontalen Rückenlage der sagittale Thoraxdurch 
messer gemessen. Während dann endlich die Versuchsperson sich langsam aufrichtete, presste 
der unter dem Tische pöstirte Assistent den Fingernagel gegen den betreffenden Punct an der 
Wirbelsäule und fixirte denselben auf diese Weise. Später bediente sich Professor Bartels eines 
Tastercircels, an dem eine drehbare Lothung befestigt war, so dass das Instrument in allen Stel 
lungen gebraucht werden kann. Hierdurch wurden Rahmen, Linial und Wasserwaage überflüssig) 
und die Vornahme der Messungen viel leichter und schneller ausführbar, ohne dass ihre Genauig 
keit eingebüsst hätte. Dieses Instrumentes habe ich mich ausschliesslich bei meinen Arbeiten 
bedient. Dass diese Methode der Messung durchaus keine vollkommene sein kann, ist klar. Die 
dazu verwendeten Instrumente sind recht primitiver Natur und lassen eine genauere Bestimmung 
auf einzelne Millimeter nicht zu; ihre Anwendung ohne genügende und geschickte Hülfe macht 
Schwierigkeiten, welche im Interesse des Resultates durchaus vermieden werden müssen. Aber 
auch bei der geschickesten Assistenz sind manche Fehlerquellen kaum zu vermeiden. So z. B. 
wird fast immer an der einen oder andern Stelle die Haut etwas mehr oder weniger eingedrückt, 
wodurch Fehler von einigen Millimetern wohl entstehen können. Ebenfalls beeinträchtigten die
	        

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