Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

7 
.Cll/U V 1 ,.\AI \ . 
scheinbar eine £auptfchulb serf)cmben iff. 2luf ber anbern ©eite haben wir bas SRefultat gewonnen, 
ba fi wo eb ftdg> um Stufhebung einer bisher gültigen fiauptfchulb hantelt, obigeö fPrtnjtp, ber geroön* 
Ntfwtt Sinnahme entgegen, nicht anpwenben ifi. 
§ 4, <2nbli(^) erforbert unfere grage, noch bab Verhältnis jwifchen Vürgen unb ©chulbner ju 
^trachten in SWücfftc^t auf bie Seiffung, welche ben materiellen Inhalt ihrer Obligationen abgibt. Söenn 
ter -Bürge feine Verpflichtung gegen ben ©laubiger übernimmt, tritt er in ber SRegel auch in ein obli* 
Satorifcheb Verhältnis jum Schuldner. £)a£ er nämlich jenem pdf) obligirt, »erurfacht ihm fietb -Jlachteil, 
ro egen beffen er meiftenb an diesem ftch wirb erholen fönnen. ©tetb, fage ich, beim fchon bie lieber* 
Kahme ber Verbinblichfeit allein muff alb Nachteil angefehen werben; eb entfieht fofort ein felbftftänbigeb 
Sntereffe beb Vürgen, nämlich baff er nicht erfl jalen unb ben ©chulbner auf ©chablobhaltung belangen 
wüffe. 19 ) Daffelbe fann er bem Cefsteren gegenüber in ber Siegel nicht geltenb machen, 20 ) wol aber 
S?gen ben ©läubiger burch bab beneficium excussionis. — Söurbe er aber gar jur ?etftung an ben 
tagenden ©läubiger »erurteilt, ober hat er ihm gejalt, materielle ©chäbigung alfo erfaren ober in 
Katwr Slubjtcht, bann ifi bie Sfiögltchfeit rücfgretfen ju fönnen für ihn noch weit wichtiger. Slun fteht 
l hm aber Ufegrefj nicht immer, nämlich in folgenben gälten nicht gu: 
1. SBenn er birect ober inbirect barauf »erachtete, j. V. ftch »erbürgte, um eine Vebingung ober 
einen Vergleich ju erfüllen, ober Vürge für eigene ©chulb ifi, 21 ) ober gegen beb ©chulbnerb aubbrücf* 
licheö Verbot intercebirte, 22 ) ober animo donandi, u. f. w. üDa bab lejjte Vetfptel alb bab nächff* 
üegenbe häufig in ben Quellen erwänt wirb, hat man barauf bie oberflächliche ^Behauptung grünten 
Sollen, baS wer animo donandi ftch verbürge sott allen Sinrcben beb ©chulbnerb aubgefchloffen, ja 
fegar 23 ) ganj allein aubgefchloffen fei. Dief? ift irrig. 2)ie hierher gehörigen ©teilen 24 ) fprechen beb* 
halb unb nur bebhalb bieferart Vürgen gewtffe ginreben beb ©chulbnerb ab, weil er, wie fte flar 
fagen, kein Rückgriffsrecht habe; bie animo donandi gefdjehettbe Vürgfchaft ift bebhalb eine blofie 
^empliftcation (fo.rte in 1.32 cit.!) beb fehlenden Siegrefeb, fo baff für fte gilt, wab für jeden anbern 
r egre§lofen Vürgen. 2öo alfo tiefe Voraubfejjung beb fehlenden Slücfgriprechteö überhaupt gleichgültig 
ifi, wo bab oben befprochene Slceefftonbprtnctp Perlest iff, fann wer animo donandi intercebirte ebenfogut 
'oie ein jeber andere Vürge ben betr. fchulbnertfchen Vefreütngbgrunb geltenb machen. 28 ) 
2. 2)ab Siücfgrtffbrecht beb an unb für ftch baju berechtigten Vürgen wirb aubgefchloffen, wenn 
ter ©läubiger ihm die ©chulb erlieg, nicht in ber SIbftcht ihm fpeciell mit berfelben ein ©efdjenf ju 
Aachen, fonbern einfach auf ihre Beitreibung verzichtend. 
3. Slücfgrtjf beb Vürgen ift endlich unjuläfftg, wenn er ben ©läubiger befriedigte, aber ohne 
dass diess im Interesse des Schuldners war. ©olcheb iff auf »erfcf)iebene SBeife möglich: 
a) gntweber fann jegltcheb 3ntereffe an ber Vefriebigung beb ©läubigerb beim ©chulbner über* 
haupt mangeln aub einem juristischen ©runbe. — b) Ober eb fann ber Vürge bebhalb jur Ceiftung 
Sonöttgt gewefen fein, weil er in Folge eigenen Verschuldens in bem gegen ihn angeftrengten fProcefj 
oom SFlichter »erurteilt worben iff. 26 ) — c) gnbltth bebhalb, weil er etwaige factische Verteibtgungb* 
19) 1. 15 pr. D. de fid. 46, 1. 
20) ©ine 2liWnabme f. unten § 16. 
21) 9SgI. 1. 5 pr. D. de lib. leg. 34, 3. 
22) SSgl. 1. 6 § 2, I. 40 D. mand. 17, 1. 
23) mie (äiebenbaar, ©ortealobl. 1, 867, ©. 31 s »ttt. 
24) !. 32 D. de pact. 2, 14; 1. 9 § 3 D de SCto Mac. 14, 6; 1. 5 pr. D. de Hb. leg. 34, 3, 
25) gtäberes in Ibfcbnitt 1. 
26) 23gL 1. 67 D. de fid. 46, 1.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.