Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

6 
gall iß nämlich bie Söirffamfeit beS bürgfcßaftlicßen Vertrages bedingt burcß bie nacßßtrige Sntßeßung 
einer gültigen fjauptoerbinblicßfeit unb erst von dieser Zeit der Entstehung an existirte auch die 
fidejussio. Unter biefen ©eßcßtSpunft fällt j. S3, regelmäßig bie Stipulation rem pupilli salvam fore. 
Daffelbe galt »om Gonftitut 15 ) unb felbßoerßänblicß aueß oom SJlanbat. — ©onß aber gilt alfo 
fcßlecßtßin bie Siegel, baß bei (Eingebung ber ©ürgfcßaft eine fßauptfcßulb eriftiren muffe. Dieß genügt 
aber aueß. Dagegen pflegt man gemeintglich ben ©egriff ber SlccefßonSqualität »fei weiter jtt faffc« 
unb nießt nur bezüglich beS GntßeßenS, fonbern aueß beS BefteßenS ber ©ürgfcßaft eine gültige £aupt* 
feßulb als notwenbige dauernde ©orauSfeßung ju behaupten, fowol für bie römifeße gibejufßo wie bie 
heutige ©ürgfcßaft. gegenüber btefer früher unbeßrittenen unb faß als unbeßreitbar angefeßenen 
nung ßat ©irtanner 16 ) in meißerßafter ©Seife bie ©eßauptung bureßgefürt, baß ber »ollßänbige Unter* 
gang ber £auptobligation feineSwegS feßon fcßlecßtßin ben ©Scgfall ber gültig eingegangenen gibejufßo» 
ßabe bewirfen müjfen, oielmeßr ßabe ber gall eintreten fönnen, baß ber Untergang ber |)auptfcßulb nur 
bie Werfen beS ScßulbnerS unb feine perfßnlicße ©erpßicßtung berürte, ber fidejussor alfo »erßaftet 
blieb. Dieß gelte gegenwärtig für unfere ©ürgfcßaft als gortfeßung ber gibejufßon überhaupt. & 
präcifirt bie grage treßenb baßin, baß eS ßcß für ben ©läubtger barum ßanbelt, ob bie ©ürgfcßaft tßn 
ßcßerßellen folle nur gegen bie factifcßen, ober ob aueß gegen bie juriftifeßen Greigntße, welcße oßne feine 
©tßulb feine ©efriebtgung »ereiteln fbunten, gnnere ©rünbe fpreeßen, wie er bann naeßmeift, nießt 
gegen, fonbern für feine Slnnaßme: „gm Slllgemeinen rechtfertigt ßcß nur bann baS ©rlbfcßen einer 
Obligation, wenn ber gweef erreicht iß, um bejfen ©Sillen ße erißirt. Die ©ürgfcßaft ßat jum gwed 
Sicherung einer gorberung, ... alfo nur, wenn eS btefer Sicherung nießt raeßr bebarf, iß ber ©runt> 
für bie ©rißenj ber ©ürgfcßaft weggefallen. Slber eS befteßt gerabe barin eine wefentlicße Sicherung, 
baß bie gorberung bem ©läubiger nießt bureß rein jurißifeße Greigniße oßne feine ©efriebigung entjogen 
merbe; .. eS leucßtet freiließ oon felbß ein, .. baß in ber Siegel mit ber Aufhebung ber £auptfcßulb 
auch bie ©ürgfcßaft erlöfeßen wirb, weil aueß ißr Bwecf erreicht fein wirb." gnbem wir unS einer 
genauen ©Siebergabe feiner eingeßenoeren ©eweisfürung natürlich enthalten, befeßränfen wir uns barauf, 
baS Slefultat ber ©irtannerfeßen SluSeinanberfeßung ju acceptiren, 1T ) SNöglicßfeit einer forteriftirenben 
gibejufßonSfcßulb troß Unterganges ber £auptfcßulb. — Stuf anberem SiSege als ©irtanner gelangen wir 
bann ju bem (gleichen) Slefultat, baß biefer Saß jeßt für bie ©ürgfcßaft überhaupt gelte; benn nießt 
feßn wir ja wie er in berfelben nur eine mobißeirte gortfeßung ber gibejufßo. GS iß nämlicß bejüglicß 
beS GonßitutS bie guläfßgfeit ber fraglichen Siegel unbeftritten, 18 ) unb naeß ber Statur ber Sacße fonnte 
ße ebenfalls beim Ptanbat »orfommen, baS »on allen baS locferfte ©erßältniß jwifeßen Scßulbner unb 
Bürgen begrünbete. Unfer Saß geßort alfo ber gibejufßon, bem Gonßitut unb bem »tanbat an, unb 
fann beSßalb mit gug ju bem flern gerechnet werben, auf ben unfere jeßige ©ürgfcßaft jurüefgeßt. 
gn bem angegebenen befeßränften Sinn werben wir alfo non einer etnwirfenbett SlcceffionSqualität 
ber ©ürgfcßaftSobligation reben, welcße unS ba baS Slicßtige an bie £anb geben wirb, wo überhaupt nur 
15) S3gl. ©trt. a. a. D. ©. 105 ff. 
16) a. a. D. ©. 79 ff., 495 ff. 
17) Docß »erbten! Grrtoanung, bag bie ßiegner beS ©frtanner’fcßen ©aße« aüefammt bem ihrigen nia)‘ 
au8nabm«Iofe ©eltung »inbietren, »eil bie praltifcße Stntoenbung unb bie ©efeße biefe« nicht julaffen, »ie fte et«' 
gegeben muffen; fo mitunter, »enn ber ©cßulbner Steffitution erlangte, ober bureß «Kaioritätsbefcßluß ber ©laubige 1 
feine Scßulb t>i« ju einem gewiffen Settage »erntetet »urbe; f. über biefe Salle unten. SBir halten beJbalb troß 
ber ©inwenbungen »on SSDinbf^eib, ^anbect. II, 873 § 477 Sinnt. 20 unb in8befonbere »on ©intents a. a. £>• 
§ 129 Sinnt. 39 ©irtanner’« IBebauptung für richtig; f. auch ^afenbalg a. a, £>. ©. 632 ff., 804 ff. 
18) ©. I. 18 § 1 D. de pec. const. 13, 5.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.