Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Studien, die andern 1 ) aus Tagesfragen hervorgegangen waren. Er mahnte zur Be 
schränkung auf ein grösseres Werk, das er sich selbst schuldig sei. Usinger trat 
freilich lebhaft für die kleinen rasch hingeworfen'en Aufsätze ein. „Der Wert derselben, 
schrieb er, liegt wesentlich mit in der Beziehung zu meiner Individualität, wie sie 
sich unter entsagen und arbeiten, leiden und raschen Erfolgen gebildet hat. In Greifs 
wald liess ich es mir bis zur völligen Ueberarbeitung sauer werden: als köstlicher 
Lohn fiel mir eine segensreiche Lehrthätigkeit zu, die mein Selbstgefühl stärkte und 
vor Arbeit mich nie zurückschrecken liess. Hier in Kiel, wo ich sonst so gern bin, 
quäle ich mich nun schon vier Jahre ab, um auch nur eine einigermassen befrie 
digende Lehrthätigkeit zu erhalten. Da sind mir denn solche Abhandlungen 
oft wie ein Lausch, in dem ich frei meine Kräfte gebrauchen kann, mag darnach 
kommen, was da will. Es ist bezeichnend genug, ich habe regelmässig die Ablieferung 
schon zugesagt, wenn ich kaum die Feder angesetzt habe. Dann schreibe ich munter 
darauf los: ich lebe und geniesse.“ 
Mit der wachsenden Befriedigung in dem Lehramte schwand auch das Be- 
dürfniss zu diesen üebungen seiner geistigen Kräfte, und die Arbeit an der Geschichte 
der deutschen Stämme ward von ihm festgehalten. Am Anfang seines lezten Sommers 
hofre er, dass der erste Band nun bald druckfertig werde. 
Aus diesen Studien zur sächsischen und zur ältesten deutschen |Geschichte 
entsprangen die im II. Bande der Zeitschrift des historischen Vereins gedruckten Ab 
handlungen „Uebersicht der territorialen und statsrechtlichen Entwickelung Nord- 
albingiens“ und „Warmer und Wagrier.“ 
In Göttingen und in Greifswald hatte Usinger sich lebhaft an dem politischen 
Vereinsleben betheiligt, in Kiel geschah es nur wenig. Der Grund lag in einer ver 
mittelnden Stellung, die er zwischen den Parteien, die seit 1S66 im Vordergründe 
stunden, zu gewinnen suchte und die keine erfolgreiche war, wie er selbst einsah. 
Bei den Wahlen zur kirchlichen Gemeindevertretung war er einer der liberalen 
Candidaten und ward auch gewählt. Er liess sich später auch in die Gesellschaft 
freiwilliger Armenfreunde aufnehmen. 
Sein geselliges Leben ward von Jahr zu Jahr lebhafter und es war zu be* 
wundern, wie er selbst in kränkelnden Zeiten diesem Verkehr nicht gerne entsagte. 
Es kamen wiederholt ernstliche Angriffe auf seine Lebenskraft; ausser im 
Winter 1868/69 namentlich irn Februar 1871. Den lezten Winter machte er leidlich 
J) Deutschland in der französischen Zeit (Preuss. Jahrbücher XXVI). Der politische Zustand Frankreichs 
(Ebd. XXVII), Die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Eine historische Skizze. Berlin 1870. In 
dieselbe Zeit gehört auch die Mittheilung „Eine Sibylle des Mittelalters in den deutschen Forschungen X. 621 631, 
wozu ebd. XI- 147 —150 ein Nachtrag folgte.
	        

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