Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Im Winter 18 69 /7o las Usinger Allgemeine Verfassungsgeschiehte der Staten 
Europas. Die vielen Studien dafür regten in ihm den Wunsch an, dieselben für die 
Oeffentlichkeit zu verwerten, zumal seine Lehrthätigkeit damals nur gering war. So 
begann er im Frühjahr 1870 rasch eine Deutsche Verfassungsgeschiehte zu 
schreiben. „Mein Plan ist ein ganz anderer als der Ihrige, schrieb er darüber an 
Waitz. Während ich mehr Rücksicht auf die wirtschaftlichen oder ich will lieber 
sagen die allgemeinen Verhältnisse des Lebens nehme, musten in einem Werke, das 
auf etwa 50—60 Bogen berechnet wird, eine Menge Einzelheiten wegfallen. Selbständig 
in der Auffassung wird das Buch von der ersten Zeile an. In der Forschung dagegen 
haben Sie zu meinem grossen Bedauern so gründlich bis zu den Karolingern vorge 
sorgt, dass mir nur wenig zu thun übrig bleibt. Dieses geschieht gröstentheils in 
Excursen, z. B. über princeps civitatis; germ. 2. 26. u. a. Vom deutschen Reiche an 
wird auch meine Forschung eine durchaus selbständige und für Sie wie ich hoffe eine 
weit bessere Vorarbeit wie Dönniges sein.“ 
Mit dem Sommer 1870 trat aber dieses Werk zurück. Spuren desselben sind 
der Vortrag „Das Königthum der Ottonen und Salier“ den Usinger zu Königsgeburts 
tag den 22. März 1870 in der Aula der Universität als Festredner hielt, und die 
Abhandlnng über Tacit, germ. cap. 2 in den Forschungen zur deutschen Geschichte 
XI. 595—616 (1871). 
Zurückgedrängt ward die Verfassungsgeschiehte durch den Plan einer Ge 
schichte Sachsens, der sich aus einem eingehenden Gespräch mit Waitz in dem 
Herbst 1870 entwickelte. Im November 1870 machte er seinem hochverehrten Lehrer 
und treuen Ratgeber die erste Mittheilung davon; den 13. Dec. schrieb er, er sei gut 
in den Zug gekommen; den 17. Januar 1871 er sei rüstig mit der Geschichte Sachsens 
beschäftigt, mit den älteren ethnographischen Verhältnissen sei er jetzt so ziemlich 
fertig. Das widerrief er freilich den 23. Juli, nachdem er die Schwierigkeiten der 
selben gründlicher erkannt hatte; indessen schrieb er doch, dass die Geschichte 
Sachsens vorwärts schreite, wenn auch langsamer als er gedacht. Im Winter darauf 
jedoch erfüllt ihn ein anderes Werk. „Die Neigung mich mit allgemein deutscher Ge 
schichte zu beschäftigen, ist doch bei mir ganz überwiegend und hat daher auch 
allmählich den älteren Plan erweitert. Ich arbeite an einer Geschichte der 
deutschen Stämme. Der erste Band wird die Anfänge derselben enthalten und 
etwa bis auf Karl d. Gr. gehn,“ schrieb er den 23. Februar 1872 an Waitz. Er 
hofte den Druck schon Ende des Sommers beginnen zu lassen. 
Der treue Berater war mit dieser Umgestaltung der Geschichte Sachsens wenig 
einverstanden und erhub auch seine Stimme gegen die Zersplitterung der Zeit durch 
kleinere Aufsätze, von denen der eine „Das deutsche Statsgebiet bis gegen Ende 
des XI. Jahrhunderts (Sybels Historische Zeitschrift XXVII. 374 — 441) aus jenen
	        

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