Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

grössere Universität zu folgen. Er klagte wol, dass ihm hier jede und jede Aner 
kennung fehle. 
Aber es kam für ihn als Lehrer ein Umschlag. Im Sommersemester 1872, 
als die Hörsäle aller deutschen Hochschulen sich wieder füllten , fanden sich eine 
grössere Zahl wirklich immatrikulirter Zuhörer für seine Vorlesungen. Dieselbe wuchs 
mehr und mehr und er hatte zulezt verhältnissmässig sehr gut besuchte Privatcollegia. 
Die frei gehaltenen Uebungen wurden in ein historisches Seminar umgewandelt und 
fortan wuchs Usingers Wirksamkeit von Semester zu Semester. Er hatte schliesslich 16 
Mitglieder des Seminars, freilich eine fast zu grosse Zahl bei nüchterner Erwägung. Die 
Vorlesungen, welche Usinger in Kiel hielt, waren 1) grössere: Geschichte des Mittel 
alters, Uebersicht der Geschichte Deutschlands, Geschichte Deutschlands vom 13. bis 
16. Jahrhundert, Geschichte Europas im Zeitalter der Reformation, Geschichte Europas 
vom Frieden von Basel bis 1815, Allgemeine Verfassungsgeschichte der Staten 
Europas; 2) kleinere: über die Quellen der deutschen Geschichte, Geschichte und 
Wesen der deutschen Geschichtschreibung, Geschichte der heutigen politischen Geo 
graphie in Europa, Geschichte der politischen Geographie Deutschlands, Geschichte 
Deutschlands unter den Staufern, Europäische Geschichte im 18. Jahrhundert, Zustand 
Europas vor der französischen Revolution, Geschichte der französischen Revolution, 
Geschichte der englischen Verfassung. In dem Seminar verführ er etwas anders als 
in Greifswald. Statt dass dort immer zwei Studenten sich auf die Erklärung der be 
treffenden Abschnitte vorzubereiten hatten, musten hier alle in gleicher Weise an 
der Uebersetzung und Verhandlung sich betheiligen. Durchgenommen wurden sowol 
Kroniken als Rechtsbücher, z. B. Abschnitte der lex saiica. Aufgaben veitheilte er 
nicht die Reihe herum, sondern auf freiwilliges nachsuchen. So entstunden mehrere 
grössere Arbeiten, die dann im Seminar genau durchgesprochen wurden. Am erfreu 
lichsten war es für Usinger, dass sein Plan, zur Fortsetzung der Quellensammlung 
des historischen Vereins eine Reihe kleinerer lateinischer und deutscher schleswig 
holsteinischer Geschichtswerke aus dem 12. bis 16. Jahrhundert selbst oder durch 
seine Schüler zu bearbeiten, in guterWeise zur Ausführung gelangte. Er selbst über 
nahm dafür das officium S. Canuti ducis und die Visio Godeschalci; Dr. Nicol. Beek 
mehrere Denkmäler des Klosters Neumünster (die versus de Vicelino, die epistola 
Sidonis de translatione Vicelini. Versus de venerando Vicelino. Ordo prepositorum 
nostri monastern. de inclito Adolpho comite Holzatie), Stud. Kohlmann Cismarsche 
Quellen (Historia de duce Henrico. Series abbatum Cismariensium. Registrum reliquiarum 
et indulgenciarum. Necrologium Cismariense); Gymnasiallehrer F. Reuter die Annales 
Hamburgenses; Lehrer Dr. Wesemann in Segeberg, der einst Usinger von Greifswald 
nach Kiel gefolgt war, Annales danicae. Es wird dieser erste Band ein bleibendes 
Andenken für Usingers Wirken in Kiel sein, sein stetes Verdienst um die nordalb- 
ingische Geschichte.
	        

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