Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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hat er als persönliche Verhältnisse betrachtet, die den Menschen mit dem Menschen 
verbinden, das Gemüth drückte seiner Dienstleistung den heiligen Stempel auf. Ich 
darf die Männer denen er zu dienen hatte, kühnlich fragen, ob der Entschlafene ihnen 
nicht mehr gewesen, als nur ein Knecht; ich weiss, sie werden mir alle antworten: 
unsern Herzen stand er nahe durch seine Treue. Ich darf jeden Schüler unsrer 
Hochschule, mit welchem sein Beruf ihn zusammenführte, kühnlich fragen, ob er nicht 
in einem persönlichen Verhältniss zu uns gestanden; ich weiss sie werden mir alle 
antworten: Ja, er war für uns nicht nur ein Diener unserer Hochschule, er war uns 
ein treuer Freund durch seine zarte Schonung und seine lebenslängliche Theilnahme. 
Ja wohl, ein frommer und getreuer Knecht, und darum so schlicht sein Leben war, 
dennoch wird sein Tod als ein persönlicher Verlust empfunden in weiten Kreisen, und 
eben darum für ihn doch nicht als ein Verlust, sondern als Gewinn. 
Von wenig her zu vielem hin, hier über w e n ig un d d o r t üb er viel gesetzt, 
das ist sein Gang aus diesem Leben in die Ewigkeit. Von einem Christen sagen wir 
nicht nur: er ist gestorben, wir sagen mehr: er ist vollendet. Washier ein Menschen 
leben zeigt von Glauben und von Heiligung, es ist nur Stückwerk auch bei dem besten 
Leben; hier ist Kampf und Unruh, Anfechtung und Versuchung, Arbeit im Schweiss 
des Angesichts, kein Feierabend - droben allein ist Vollendung und selige Ruh. 
Darum ist es nicht finster über diesem Sarg, über ihm leuchten die Osterflammen 
voll Verheissung des ewigen Lebens; so gern wir unsern theuren Todten noch hier 
behalten hätten, wir können doch nicht anders, als in Gottes Namen sprechen: Geh’ 
ein zu Deines Herrn Freude. 
Wollten wir aber dem Heimgegangenen in unsern Herzen ein bleibend Denkmal 
setzen, so muss sich uns die Wahrheit tief einprägen in unser Gewissen: Was einem 
Leben Werth verleiht, ist nicht was nach Aussen glänzt und schimmert , sondern die 
Treue, die aus lebendigem Glauben an unsern Gott und Heiland geboren sich in allen 
Verhältnissen des Lebens bewährt bis an’s Ende. Der Herr, der zum Gerichte kommt, 
wird nicht fragen: Bist Du reich gewesen, hast Du hoch gestanden? sondern: Warst 
Du treu? Gebe Gott, dass wir in der Ewigkeit dereinst willkommen geheissen werden 
mit dem Gruss: Du frommer und getreuer Knecht, Du bist über wenigem getreu 
gewesen. Ich will Dich über viel setzen, gehe ein zu Deines Herrn Freude. Amen.
	        

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