Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Der Friede Gottes sei mit uns Allen. Amen. 
Ev. Matth. XXV., 21. Ei Du trornmer und getreuer 
Knecht, Du bist über wenigem getreu gewesen, ich 
will Dich über viel setzen, gehe ein zu Deines 
Herrn Freude.“ 
Wenn wir unsre heutige Trauerandacht um diesen Ausspruch unseres Erlösers 
sammeln, meine Theuren, und es wagen dies Wort auf unsern lieben Entschlafenen anzu 
wenden, so kommt es uns selbstverständlich nicht in den Sinn, dem Majestätsrecht Gottes 
vorgreifen zu wollen, der allein selig sprechen kann. Wir wollen, wenn wir jenen Spruch 
auf die Lippen nehmen, zunächst nur dem Eindruck Worte leihen, den das irdische Leben 
des Dahingeschiedenen bei uns zurückgelassen hat — und doch nicht unserm Eindruck 
allein, sondern auch der zuversichtlichen Hoffnung, die uns beseelt, Gott der Herr werde 
den theuren Entschlafenen nicht anders in der Ewigkeit begrüssen, als dem Wort 
gemäss: Du frommer und getreuer Knecht, Du bist über wenigem treu gewesen, ich 
will Dich über viel setzen, gehe ein zu Deines Herrn Freude. 
Woher kommt es doch, dass der Todesfall der uns heute hier zusammengerufen 
hat, nicht nur die nächsten Angehörigen des lieben Verstorbenen, sondern weite Kreise 
der Gemeinde so schmerzlich berührt? Was auf Erden einem Leben Schmuck und 
Glanz verleiht, dem Lebenslauf, der nun geendet, ist es so gut wie ganz versagt gewesen; 
auch nicht der Sonnenglanz des Glücks hat ihm besonders hell geleuchtet, im Gegentheil, 
dies Leben hat Zeiten gekannt, wo es um nur die unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse 
zu erwerben, einen harten Kampf zu bestehen hatte, und als bessere Zeiten kamen, 
an bescheidenen Verhältnissen hat sich der theure Heimgegangene stets genügen lassen, 
auf seinem uns Allen noch so lebendig vor Augen stehenden Antlitz stand es geschrieben, 
Wie von Gottes Finger: Schlicht und recht, das behüte mich. Heber wenigem 
hatte ihn hier der Herr gesetzt. Was diesem Leben in seiner Knechtsgestalt 
seinen Glanz verlieh, lag darin allein begründet, dass man von ihm sagen durfte. 
Das ist ein frommer und getreuer Knecht. Ein frommer Knecht —, Denen, die nur 
mm
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.