Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Aggregat von Fachschulen; sonst wäre oder würde mit der Zeit die V ereinigung der 
verschiedenen Fakultäten an Einem Ort etwas lediglich Zufälliges, durch materielle, wissen 
schaftlich wenigstens nichts mehr besagende Gründe Bestimmtes, das dann schliesslich 
gewiss auch aufhören würde, weil ihm die begriffliche Basis fehlte. Damit aber würde 
das geistige Hauptbollwerk Deutschlands, die Stärke seiner Bildung statt nur 
Technik und Routine, eingerissen. 
An diese Gefahr innerer geistiger oder wissenschaftlicher Zersplitterung zu 
denken und vor ihr zu warnen, liegt durch den Kontrast gerade am heutigen Tage 
nahe, wo wir das Geburtsfest unseres erhabenen Kaisers feiern. Indem er treffenden 
Blicks die besten „Fakultäten“ und Kräfte als die obersten Diener des Staats heraus 
zufinden und in harmonischem Zusammenwirken treuen Sinnes zu erhalten wusste, 
ist es ihm gelungen, die Sehnsucht von Jahrhunderten zu verwirklichen und die deutschen 
Stämme zur Universitas des neuen Reichs zusammenzufassen, damit sie hier nach Aussen 
geschützt und geborgen in edlem Wetteifer den Beruf unseres Volks erfüllen, statt 
in unfruchtbarerem Sonderleben je ihre Wege zu gehen. Nunmehr aber hat er es als 
seine Königspflicht erkannt, auf heimischem Boden zu arbeiten und zu kämpfen, dass 
Alle in seinem Reich ohne fremden Zwang sich menschlich-bürgerlich regen und be 
wegen können. Was der grosse Friedrich im vorigen aufgeklärteren Jahrhundert leichter 
Batte, als Maxime seiner Regierung zu verkündigen, die humane Toleranz, das soll 
jetzt in schwierigerer Zeit zum festen Staatsgesetz gemacht und kräftig durchgeführt 
Werden. Vom Krankenlager in diesem Winter, nach welchem alle guten Deutschen 
üfit banger Sorge schauten, hat sich der greise Monarch wieder frisch zur Arbeit, der 
Hohenzollern Königsehre, erhoben. Möge Gott ihn uns noch lange erhalten ! Aus vollem 
Herzen fordere ich Sie auf, einzustimmen in den Ruf: Seine Majestät, unser geliebter 
Kaiser und König Wilhelm 1. lebe hoch!
	        

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