Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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den meisten der Namen, deren Trägern die betreff. Strophe gewidmet ist (vgl. 3 4 4 4 5 2 
6 2 8 8 usw usw), doch auch für andre, durch den Inhalt in der Strophe hervorragende 
Wörter, z. B. 4 8 : moröi, 6 5 : hsera, 9 2 : dyrum, 9 5 : ellri, 9 8 : hugstöri, ll 8 : dauöum, 20 5 und 
20 8 : sseröa und vegna, 23°: einum u. a. 
Das dröttkvsett ist aber sehr alt. Wenn auch auf Island für die kunstvollere dräpa, wie 
die improvisirte lausavlsa mindestens drei Jahrhunderte hindurch das weitaus üblichste 
Metrum, ist es keineswegs erst hier entstanden, sondern bereits die norwegischen Dichter 
des 9. u. 10. Jahrhund. Jjjööolfr or Hvini, Eyvindr skaldaspillir, Jmrbjörn hornklofi, ja sogar 
Brage gamle, der dem 8. Jahrhundert angehören soll, haben darin gedichtet. Zeigen auch 
ihre Yerse, namentlich in den Silbenreimen, mancherlei Unregelmässigkeiten, die den 
spätem Dichtern als hättaföll gelten und deren sie sich nur selten schuldig machen, erscheint 
doch ihr dröttkvsett bereits in einem Grade ausgebildet, dass auch sie es bereits als ein 
fertiges und schon vor ihnen geübtes von ihren Vorfahren erhalten haben müssen. 
Doch wie weit es auch zurückreiche, muss es immer noch jünger als fornyröalag sein, 
das selbst abgesehen von seiner Einfachheit durch seinen germanischen Charakter und 
durch seine germanische Gemeinsamkeit auch im Norden als das unzweifelhaft älteste 
Metrum zu gelten hat. Je weniger auf Grund dieses Altersunterschiedes eine Ableitung 
des drottkvsett aus dem fornyröalag beanstandet werden könnte, um so mehr widerspricht 
ihr die in der ungermanischen Messung des Verses und der gleichzeitigen Anwendung des 
germanischen Stabreims begründete innere Verschiedenheit beider Metra. Demnach möchten 
wir vermuthen, dass jene Silbenmessung im drottkvsett von nicht-germanischer Seite in den 
Norden gedrungen, hier aber nur dadurch sich heimisch zu machen vermocht, dass sie sich 
mit der conditio sine qua non einer jeden nordischen Versart: dem Stabreim, wenn auch 
in einer dessen eigentlicher Bestimmung fremden Weise, verbunden habe; erst später, 
müssen wir annehmen, gesellte sich dem Schmuck des Stabreims der weitere des Silben 
reimes hinzu, der selbst wiederum nicht minder als jene Silbenzählung als ungermanisch 
betrachtet werden muss. Im Hinblick auf den so regen und nachhaltigen Verkehr, der von 
Seiten des Nordens seit dem Beginne des 8. Jahrhund, (c. 730) mit den bereits ehristiani- 
sirten Ländern des Südens statt fand, wird man es kaum unwahrscheinlich finden, dass 
auf demselben Wege, auf dem die nordische Sprache lateinische Wörter wie das ‘tabula’, 
‘draco’, ‘cista’, ‘calix’ u. a. in Völuspä und andern Eddaliedern erhielt, nordische Vers- 
kunst die lateinische Silbenmessung und die lateinischen Heime und Assonanzen der 
kirchlichen Lyrik erhalten und dass sie das eine wie das andre in Verbindung mit dem 
heimischen Stabreime allmälich zu der eigentümlichen Versform des drottkvsett gestaltet 
habe. (Die der ahd., ags., alts. Alliterationspoesie völlig fremde, in der altn. Dichtung 
dagegen gleich dem Stabreim durchgehends eingehaltne strophische Gliederung — 
sollte sie nicht desselben Ursprungs sein?) 
Die früheren Entwicklungsstufen des dröttkvsett (1. ohne Silbenreim, 2. nur mit halbem 
oder nur mit ganzem Beim) werden uns auch veranschaulicht, doch kaum durch alte ächte 
Gedichte und wären es nur einige Fragmente derselben, sondern durch Dichtungen des 
13. Jahrhunderts und aus noch späterer Zeit, bei denen es nicht immer leicht zu ent 
scheiden sein möchte, ob ihre Dichter alte, für uns verlorne Originale nachahmen, oder 
sich nur der ihnen zu mühsamen und schwierigen Anwendung doppelten Silbenreims 
entziehen wollten. So exemplificirt Snorre in seinem Hattatal durch je eine Strophe die 
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