Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

consonantischen Auslaute zweier Silben, entweder sie allein (skotbending) innerhalb des 
1. Yerses oder auch die Torausgehenden Vocale (aöalhending) innerhalb des 2. Diese 
drei Kriterien des dröttkvsett: Silbenzahl, Stabreim, Silbenreim, stehen theilweise an sich, 
theilweise durch ihre gleichzeitige Anwendung zum nordischen fornyröalag, wie zur ge- 
sammten niederdeutschen (ags. und alts.) und hochdeutschen Versweise des früheren Mittel 
alters in einem solchen Gegensatz, dass es zweifelhaft erscheinen möchte, in wie weit das 
altnord, dröttkvsett als ein rein germanisches Metrum gelten dürfe. Wenn jenes rein äusser- 
liche Moment der Yersmessung nach einer bestimmten Anzahl von Silben (die in den 
Nebenarten des dröttkvsett von 6 zu 8 vermehrt oder zu 5 vermindert werden kann) der 
germanischen Dichtung ebenso fremd ist, als — abgesehen von mhd. Anklängen — der 
innere Silbenreim (od. Assonanz), so ist die Anwendung des Stabreims eine dem dröttkvaett 
und der germanischen Dichtung zwar gemeinsame, doch in beiden wiederum insofern wesent 
lich verschiedne, als er in der letztem überall an die Hebungen geknüpft und durch sie 
bedingt ist, in jenem aber, dessen Yers des Wechsels von Hebung und Senkung entbehrt 
und einer jeden seiner 6 Silben ganz gleichen Accentwerth zugesteht, als ein durchaus 
äusserlicher, zu dem Werth und der Bedeutung der Wörter völlig beziehungsloser Schmuck 
erscheint. 
Hiermit stimmt nur gegenüber der freieren und loseren Stellung der Stäbe im fornyröalag 
ihre viel festere und regelmässigere im dröttkvsett. 
Der Hauptstab im dröttkvsett steht ebenso regelmässig am Anfänge des 2. Yerses, dem 
niemals wie im fornyröalag eine Anakruse vorausgeht, als der Nebenstäbe im 1. Yers 
stets zwei sein müssen, nicht wie im fornyröalag nur einer zu sein braucht; nur die 
Stellung der Nebenstäbe ist willkürlich, indem sie auf jede der ersten 5 Silben fallen 
können (nie auf die 6., die stets Flexions- oder Ableitungssilbe ist), der zweite Nebenstab 
möglichst auf die 5,, die zugleich die viörhending enthält, der erste dagegen auf eine der 
vorausgehenden, gewöhnlich auf die 1. und 3., wie diess bei der weit überwiegenden Mehr 
zahl der zweisilbigen Wörter nicht wohl anders möglich ist, doch sehr häufig auch auf die 
2. oder 4. (die wir allerdings als Senkungen aufzufassen gewohnt sind), so — um uns 
hier nur auf Isld. zu beschränken — auf die 2. in: 3 5 4 5 5 1 7 5 14 1 14 5 14 7 16 5 16 7 , auf 
die 4. in: 4 1 6 5 7 7 8 5 9 7 10 3 18 5 25 5 ; vgl: die in metrischer Beziehung so sorgfältigen 
Gedichte, wie Snorres Hättatal (Strophe 1—67), Einars Yellekla, Eysteins Geisli, die alle 
Beleg dafür bieten. 
Es tritt hiernach bei der Anwendung des Stabreims im dröttkvsett dasselbe Moment 
des blossen Klang - Schmucks und dieselbe Beziehungslosigkeit zum Inhalte des Yerses 
hervor, wie in der des innern Silbenreims, die hinlänglich dadurch charakterisirt wird, dass 
der Keim auf die Ableitungssilbe fallen kann, wie z. B. in Isld. 13 8 : erfingja - gingu, 
ebenso in Korm. 114, str. 2 2 : beiöendr viö styr kendir, in Grett 8 6 : jmekkrandr en 
hyggjandi, ebd. 23 17 : vin'g ek ä hals ä kjüklingum, ebd. 12 25 33 4 u. a.; natürlich, dass 
auch er, wie der Stabreim, auf jede der vorderen 5 Silben fällt, auch auf die 2. (Isld. 
1« 2' 2 6 2 8 3 5 4 6 usw usw) und auf die 4. (Isld. 16 3 ), Gleichwohl. darf nicht verkannt 
werden, dass die viörhending d. i: Keim, der vorletzten (5.) Silbe, wie sie maassgebend 
ist für die trumhending d. i: vorausgehenden Keim, sei es am Anfänge des Verses (odd- 
hending) oder in der Mitte (hluthending), in demselben Grade günstig für die Stellung 
eines bedeutsamen Wortes erscheint und demgemäss verwendet wird; so z. B. in Isld. bei
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.