Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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genitivische Form von Compp., wie hrafna-vln (I s ) und unda-gagl (10 1 ) konnte auch 
mit der einfachen wechseln: hrafn-vin und und-gagl (s: Zach, Ztschr. III, 238 unten) 
Hiatus findet sich in 16 2 : flausta einkar hraustum. 
Der Stabreim ist durchgängig gewmhrt; der Anlaut von jarl in 1572 16 7 / s 18 3 /i 
reimt vocalisch mit u, ei, a ö, 6 und man empfindet es hier wie in allen betreffenden 
Fällen nur als einen Uebelstand eines Lautzeichens zu entbehren, das den Leser die 
Verbindung ia weder zweisilbig mit vocalischem i lesen lässt (wie sie gelesen werden 
muss z, B. in einem Dröttkvmtt-verse Hästeins [Isl. I, 164 20 ]: dagverks siä merki), 
noch einsilbig mit consonantischem j (wie in einem Verse Hallfreds mit skothending 
[SE I, 322 14 ]: |>vf hygg fleyjanda frsejan oder Gisl. 120 19 : saum-freyjan nser deyja). 
Im Silbenreime zeigen sich einige Freiheiten, denen man doch auch anderwärts 
begegnet. So findet sich achtmal aöalhending, wo skothending stehen sollte (vgl: 
retthent in Hätt. § 117, SE I, 654), in: I s 3 5 4 5 4 7 6 3 17 7 19 5 20 1 . 
Der gegentheilige Fall von skothending statt aöalhending würde in 13®: hvöturn 
— skatna und in 24 8 : borös — fjöröa eintreten, wenn nicht statt des hvötum der Mbr: 
hvaturn (s: obens. 15), und statt des etymologisch zwar richtigeren fjöröa nach K. Gfslasons 
Ausweis in (Aarbög, 1866, 285): fjöröa mit einem durch Position gekürzten o zu lesen 
w äre. In einem Falle fehlt die hending gänzlich, in 16 5 : |)ä er Häkonar htefis (SvEg. 
statt des überlieferten höfuös); ebenso fehlt sie z, B. in SE I, 250 19 418 11 430 7 u. ö. 
Die dreifache skothending in 22 s : sen raun var j)ess sönar möchte wohl zu den 
battaföll gehören. 
Noch sei erwähnt der durch zwei Wörter gebildeten Reime: j)ä rauö zu: 
breyra 13 3 , sä reö zu: hlyra 17 5 , j)ä vä zu: hävan (häfan Mbr); ferner des liöhent 
(Hätt, § 116 u. 128, SE I, 652 u. 666) in: — snerru | snarr — 19 3 /4 u. in: — 
baröa j herö- -- 6 3 /i, in: — hold- | hjald- — 26V2; endlich des theilweisen iörmmlt 
(Hätt. § 122, SE I, 660) in: — gunni | Gunns — ll 3 /4. 
Anmerkung. Dröttkvaett oder drottkvseör hättr sind die allein richtigen Bezeichnungen 
des Metrum; dröttkvaeÖi, der heutzutage gangbarste Ausdruck, ist nirgends bezeugt, doch 
auch dröttkvseöa (schw, Femin.), das ich in meinem Glossar aus SE I, 676 21 und 684 21 
folgern zu dürfen glaubte, scheint unsicher, da das Wort an beiden Stellen adjectivische 
Fassung theils gestattet, theils fordert. K. Gislason, om skjald. s. 307, erklärt sich gegen 
beide letztere Ausdrücke. 
Zweifelhaft ist die Bedeutung; dass das Wort ‘probably’ auf den König und seinen 
Hof (drött) hinweise, in dessen Gegenwart die in ihm gefertigten Gedichte vorgetragen 
wurden, lautet auch noch die neueste Erklärung (G. Vigfüsson, Diet.). 
Noch zweifelhafter erscheint das Metrum selbst, worüber hier ein paar Bemerkungen 
gestattet seien. 
Die Dröttkvaett-strophe besteht bekanntlich aus 8 Versen oder 4 Verspaaren; jeder Vers 
enthält 6 Silben (hverju visuoröi fylgja VI samstöfur SE I, 596 10 ), jedes Verspaar ist durch 
zweifachen Reim gebunden, durch Stabreim (stafaskipti) und durch innern Silbenreim 
(hending); in jenem sind es die Anlaute von Worten, welche reimen, in diesem die
	        

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