Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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dessen Anfang nach dem gewöhnlichen Drapa-maass nicht schon innerhalb jener ein 
getreten sein müsste. Die längsten der uns bekannten drapur sind: Lilja, eine Marxu- 
dräpa, von 100 Str. und die beiden Guömundardrapur, die ältere (I) von 60 Str., die 
jüngere (II) von 80 Str. 5 in Lilja beginnen aber die stef mit der 26. Str., in Guörn. I. 
mit der 20. Str., in Gu5m. II. mit der 23. Str, 
Wir dürfen annehmen, dass Isld. ein sehr langes Gedicht war, indem es dem 
Dichter nach dem Obigen (s. 14 u. 9) ebensowenig an Stoff fehlen konnte, als dem Schreiber 
im Cod. AM. an Raum, da ihm von der ursprünglich aus 8 Blättern bestehenden Lage, 
auf deren 6. Blatte die 26V4 Strophen der Isld. aufgezeichnet sind, noch 2 volle 
Blätter zur Verfügung standen. Wenn hiernach bei etwa grösserem Umfange, als 
dem der genannten Gedd., auch ein späteres Eintreten der stef wohl denkbar wäre, 
möchten wir jedoch deren Anwendung in Isld. überhaupt für höchst unwahrscheinlich 
halten. Trotz ihres unläugbar dräpa-artigen Charakters in der sprachlichen Form ent 
spricht ihre registerartige Aufzählung von einer ganzen Reihe verschiedener Personen 
zu wenig dem sonstigen, sich auf eine einzige Person concentrirenden Inhalte der 
Drapa’s, als dass wir sie mindestens in dieser Beziehung nicht eher einer jxula, als 
einer drapa vergleichen möchten; die Gliederung durch stef, wie sie der symmetrische 
Bau der drapa erheischt, würde für jene nur eine Schranke gewesen sein 
Das Metrum der Isld, ist gewöhnliches dröttkvaett (s: Anrn, auf s. 23); die 
wenigen Abweichungen von der strengnormalen Form sind theils die üblichen Licenzen, 
theils mögen sie der Ueberlieferung angehören. 
Die Silbenzahl beträgt einmal nur fünf, in 37 Fällen aber sieben, in einem 
acht (s: Hatt. § 84, SE I, 608 3 —610 12 ). 
Die Fünfzahl in 19 8 glaubte ich ändern zu müssen und schrieb daher öfäum 
statt des contrah. öfam der Mbr, wie haum statt ham in Fas 1, 492 2 . 
Die Syllabse hypermetrae, vorwiegend im 1. und 3. Verse und nicht nur ge 
stattet, sondern auch zur Belebung des Metrum absichtlich angewendet, sind entweder: 
ek (ego), oder: er (relat. und est), oder: Flexions- und Ableitungssilben, nebst dem 
negativen Suffix — at. Die beiden ersteren kommen, wie z. B. bei Ttygg ek’ oder ‘jxann er’ 
kaum in Betracht, da diese oft auch als einsilbiges hykk oder jxanns überliefert werden 
(s: Gisl, frmp. 231.236); dieselbe Enklisis würde auch für die übrigen Fälle mehr 
oder minder gelten dürfen. So findet sich in Isld. ek in: biö ek l 5 , mun ek 2 1 , 
hygg ek 7 2 10 3 , fra ek 6 5 V ll 1 12 7 13 5 19 1 21 1 23 1 25 7 ; er (est) in: satt er 17 1 ; 
er (relat.) in: sa er 18 3 22 1 22 5 , f>ann er 4 1 23 3 j)ä er 2 s 4 7 7 5 8 1 9 1 15 7 16 5 , hinn 
er 24® (wie in SE I, 422 10 , 428 10 , dagegen als 1. und 2. Silbe in ll 7 und I4 3 ). 
Flexions- und Ableitungssilben nebst -at (5 1 ) bilden die Ueberzahl in: l 1 l 8 5 1 10 1 
11 13 13® 17® 18 5 -22 8 ; unter diesen Fällen konnte statt firir oder fyrir, praxp. in l 1 
und 14 7 auch fyr stehen, während es in 15« die 3. und 4. Silbe bildet; die vollere
	        

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