Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Gemeinsam ihnen allen ist, was von jedem freien Manne in damaliger Zeit 
gefordert ward, bei jenen jedoch in besonders erhöhtem Grade vorhanden war: 
Kampftüchtigkeit und Kampfbereitschaft; sie unterscheiden sich aber, je nachdem 
diese bei ihnen stets verbundnen Eigenschaften nach der individuellen Sinnesart der 
Einzelnen einen bald mehr, bald minder rauhen und strengen Character tragen, oder 
bei den Einen in dieser, bei den Andern in jener Form sich geltend machen, oder 
endlich je nachdem sie es allein sind, durch die sich der Genannte Ruf erwirbt, oder 
sie noch von andern nicht minder auszeichnenden Begabungen, sei es des Geistes oder 
des Körpers, begleitet werden. 
Während Einige, ohne gerade sehr streitbaren Sinnes zu sein, dennoch es für 
Schimpf und Schande gehalten hätten, einem Kampfe auszuweichen, den ihnen, wie dem 
sonst milden Siöu-Hallr u. A., Pflichten der Freundschaft oder Verwandschaft aufer 
legten, oder die durch schwere Beleidigung gereizt, wie Jmrsteinn Siöu-Hallsson, oder 
aber durch die heilige Pflicht der Blutrache sich genöthigt sehen, wie Bjarne, Jmrkell 
und Jmrbjörn, den Kampf aufzusuchen und bis zum Tode zu bestehen, — sind doch 
die bei weitem meisten von ihnen von so lebendigem Drang, von solcher Lust an 
Streit und Kampf erfüllt, dass sie in der Befriedigung derselben geradezu einen Beruf 
finden, sei es für das ganze Leben, wie die Holmgänger Berse und Starre, oder doch 
für eine ganze Reihe von Jahren, in denen sie sich der Kriegsfahrt norwegischer 
oder englischer Fürsten anschliessen oder selbständig an der Spitze einer Gefolgschaft 
Vikingsfahrten unternehmen. Wenn unter diesen, wie überhaupt unter allen den 
Genannten, sofern es sich um jene Kampftüchtigkeit und Kampfbereitschaft handelt, 
keiner dem ritterlichen Gunnarr von Hliöarendi vergleichbar erscheint, gründet sich 
wiederum bei einigen von ihnen der erworbene Ruhm nicht sowohl auf ihre im 
Waffenkampf ausgeführten Heldenthaten, als vielmehr entweder auf ihre ganz unge 
wöhnliche Körperkraft, wie bei Grettir und Finnbogi, Ormr Störolfsson und Jmralfr, 
oder auf ihre Skaldenkunst, -wie bei Glümr, Egill, Hallfreör, Bjarne skäld, |)orleifr, 
Kormakr. 
Noch viele andre den Genannten meistens ebenbürtige Kämpen treten in den 
Saga’s auf und die Nichterwähnung einiger der berühmtesten unter ihnen müsste 
Wunder nehmen, wenn die Islendingadrapa nicht blos ein Fragment wäre und man 
sonach nicht annehmen dürfte, dass die Vermissten in dem verlornen Theile des 
Gedichts besprochen worden. 
Wer jedoch und wie viele von ihnen darin Aufnahme gefunden, scheint um 
so weniger bestimmbar, als sich aus den erhaltenen Strophen kaum ersehen lässt, 
von welchem Principe sich der Dichter in der Aufeinanderfolge der darin Genannten 
leiten liess. Jedenfalls war es weder ein topographisches, noch chronologisches: dem 
Osten Islands gehören durch Geburt oder Wohnstätte die in Str. 3 — 8 und 22—23 
genannten, dem Norden: 12 — 14. 17. 18. 21. 25. 27., dem Westen: 9. 10. 11.
	        

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