Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

gang im Pericardium Vorgelegen hätte, möglicherweise die Diagnose aus dem Resultate der Percussion 
bei verschiedener Körperlage des Kranken schon am Krankenbette, hätte gestellt werden können. 
Immerhin ist ein solcher Fall von nicht geringem Interesse, weil er zeigt, wie es unter Umständen 
unmöglich sein kann, nach den gewöhnlichen Regeln selbst grössere perikarditische Exsudate am 
Kranken zu erkennen. 
Der oben angeführte Fall von Krebs des Mittelfellraumes betraf einen 23 jährigen Land 
mann L. L. aus W., welcher als Gardist seiner 3jährigen Militärpflicht genügt und im Monate vor 
seiner Aufnahme znr Reserve entlassen war. In den letzten Monaten seiner Dienstzeit bemerkte 
er eine Abnahme der Kräfte und eine, selbst bei unbedeutender Anstrengung auftretende Ermüdung, 
während er im Uebrigen sich wohl fühlte. Bald nach seiner Entlassung zur Reserve verschlimmerte 
sich sein Zustand, er klagte über grosse Schwäche, leichte Ermüdung, und dass zuweilen am 
Morgen beim Erwachen das Gesicht geschwollen sei; und da vor 8 Tagen eine schmerzlose An 
schwellung am Halse hinzutrat, entschloss sich der Kranke am 14. October zur Aufnahme in’s Spital. 
Die Gesichtsfarbe des grossen, kräftig gebauten Mannes war äusserst blass, die Lippen 
leicht cyanotisch gefärbt und am Halse ragte die muthmasslich vergrösserte Schilddrüse als eine 
Geschwulst von weicher Konsistenz zu beiden Seiten der Trachea gleich stark hervor. Der Brust 
korb gut gebaut, war vorne links etwas stärker gewölbt, als rechts, und machte mit seiner rechten 
Hälfte bei tiefer Respiration ergiebigere Excursionen, als links. Die Herzbewegungen an keiner 
Stelle sichtbar, der Spitzenstoss an normaler Stelle schwach fühlbar, und die Töne an dieser Stelle 
äusserst leise, aber rein. Die physikalische Untersuchung des Thorax ergab Folgendes: Mit Aus 
nahme der Supraclaviculargrube und der äusseren Hälfte der Infraclaviculargrube, an welchen Theilen 
der Percussionsschall hell und wenig tympanitisch klingt, giebt die linke Brusthälfte vorne überall 
einen völlig leeren Schall, so dass es unmöglich ist, die Grenzen der Herzdämpfung durch die 
Percussion genau zu bestimmen. Jene Dämpfungsfigur wird durch eine Linie begrenzt, welche von 
der Mitte der Clavicula etwas nach aussen von der Mammillarlin’e in leicht gekrümmter Richtung 
nach abwärts bis zum oberen Rande der 6. Rippe verläuft und hier nach rechts gegen den processus 
xiphoides sich wendet. Unterhalb dieser Linie beginnt der tympanitische Schall des Magens. Die 
Begrenzung der Dämpfung nach rechts bildet eine Linie, welche in der Nähe der rechten Paraster 
nallinie nach abwärts bis zur 6. Rippe sich erstreckt. Die übrigen Theile des Thorax gaben überall 
hellen Lungenschall, und Hessen auch durch die Auscultation keine Abweichung von der Norm 
erkennen, während über der ganzen gedämpften Parthie bei gewöhnlicher Respiration kaum eine Spur 
von Athmungsgeräusch, und bei forcirter Athmung ein fernes hauchendes Exspirationsgeräusch 
gehört wird. Es besteht ein ziemlich bedeutender Grad von Dyspnoe; der Puls ist beschleunigt• 
die Temperatur nur 38,o°Cels, 
Aus der Form der Dämpfungsfigur wurde anfangs auf das Vorhandensein eines peripleu- 
ritischen Abscesses geschlossen, allein der weitere Verlauf, in welchem eine Erscheinung ausblieb 
wie sie nach längerem Bestehen eines solchen in der Regel auftritt, nämlich das Auftreten einer 
deutlichen Fluctuation in einem oder in mehreren Intercostalräumen, führte zu der Vermuthung, dass 
es sich um einen Tumor im Mediastinalraum handle. Der weitere Verlauf der Krankheit war nun 
in Kürze der, dass von Zeit zu Zeit die Grösse des Dämpfungsgebietes abnahm, um nach einigen 
Tagen die frühere Grenze wieder einzunehmen, ferner auch die Stärke der Dyspnoe grosse Schwan 
kungen zeigte, dass die Kräfte des Kranken mehr und mehr schwanden, so dass der letale Ausgan- 
unvermeidlich erschien. Die Temperatur schwankte zwischen 37,4 und 38,0 bis 39,0 »C Bald
	        

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