Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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diese Ideeen dem anschauenden Bewusstsein durch eine eben nur seiner Kunst eigen- 
thümliche Verwendung der an sich rationalen Begriffe verdeutlicht, glaubt Schopen 
hauer in der Musik selbst eine Idee der Weit erkennen zu müssen, da derjenige, 
welcher sie gänzlich in Begriffen verdeutlichen könnte, sich zugleich eine die Welt 
erklärende Philosophie vorgeführt haben würde. — Die aus der Erkenntnis der 
Relationen hervorgegangene Idee will Schopenhauer noch nicht als Wesen des Dinges 
an sich angesehen wissen, sondern erst als die Offenbarung des objectiven Characters 
der Din^e, also immer nur nach ihrer Erscheinung „Und selbst diesen Character“ 
(fährt Schopenhauer fort) „würden wir nicht verstehen, wenn uns nicht das innere 
Wesen der Dinge, wenigstens undeutlich und im Gefühl, anderweitig bekannt wäre. 
Dieses Wesen selbst nämlich kann nicht aus den Ideeen und überhaupt nicht durch 
irgend eine blosse objective Erkenntniss verstanden werden, daher es ewig ein Ge- 
heimniss bleiben würde, wenn wir nicht von einer ganz anderen Seite den Zugang 
dazu hätten. Nur insofern jenes Erkennende zugleich Individuum und dadurch Theil 
der Natur ist, steht ihm der Zugang zum Innern der Natur offen, in seinem eigenen 
Selbstbewusstsein, als wo dasselbe sich am unmittelbarsten und alsdann als Wille sich 
kund<debt.“ Sonach hätte unser Gesammtbewusstsein zwei Seiten: theils nämlich sei 
dieses ein Bewusstsein vom eigenen Selbst (der Wille) theils ein Bewusstsein von 
anderen Dingen, und als solches zunächst anschauende Erkenntniss der Aussenwelt, 
Auffassung der Objecte^ Mit dieser hat die musikalische Conception nichts gemein, 
welche vielmehr in der dem Inneren zugekehrten Seite des Bewusstseins ihren Ur 
sprung findet. Wie aber die Niederhaltung dieser letzteren zum Vortheil des Ein 
tritts vom rein erkennenden Subject in seine Functionen (d. h. die Auffassung der 
Ideeen) oder mit anderen Worten: zum Vortheil der Reinheit des nach aussen 
wendeten anschauenden Bewusstseins unerlässlich ist, so wird das diesem an 
schauenden Erkennen unerfassliche Wesen des Dinges an sich dem nach innen ge 
wendeten Bewusstsein aufgehen, sobald dieses zu der Fähigkeit gelangte, dort hell 
zu sehen, wo unser wachendes, dem Tage zugekehrtes Bewusstsein nur den nächtigen 
Grund unserer Willensaffecte dunkel empfindet. Aus dieser Nacht aber dringt auch 
<,lie Interjection, der Schrei, der Ton als unmittelbare Aeusserung des Willens in die 
wirklich wache Wahrnehmung, neben der (im Wachen wie im Traume) als sichtbar 
sich darstellenden Lichtwelt die Existenz noch einer besonderen Schallwelt documen- 
tirend. Wie nun die als Object doch nicht ausser uns liegende Traumwelt von einer 
nach innen gerichteten Function des Gehirns (dem „Traumorgan“) unserm Bewusst 
sein zur Erkenntniss gebracht wird, so tritt auch die nur mittels des Gehörs wahr 
nehmbare Schallwelt durch eine besondere Gehirnthätigkeit in unser Bewusstsein, und 
zwar deshalb sofort unvergleichlich verständlich, weil sie durch das Gehör vermöge der 
Klangwirkung uns ganz das Nämliche mittheilt, was wir aus tiefstem Innern selbst 
ihr zurufen. Das Object des vernommenen Tons fällt unmittelbar mit dem Subject 
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