Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

der Flüssigkeit war bei einer gestimmten Temperatur festgestellt, so dass bei späterer Füllung die 
Beobachtung der Temperatur genügte um die Quantität zu berechnen. Bei I5 U Zimmerwärme 
reichte die Kalorimeterflüssigkeit bis zum ersten Fünftel des Thermometerrohrs. Da nun das so 
construirte Galvano-Thermometer direkt zur Ablesung der Temperatur verwandt werden sollte, 
so wurde es mit einem sehr gut gearbeiteten Quecksilber-Thermometer von Küchler empirisch 
getheilt, wodurch ich eine Normalreihe bei einem bestimmten Volum des Alkohols erreichte, 
auf welchen die späteren Ablesungen in Millimeter des Massstabes reducirt wurden. Drei Faktoren 
bestimmen den unregelmässigen Gang des Galvano-Thermometers, erstens das ungleiche Caliber 
des Rohrs, zweitens die nicht proportionale Ausdehnung des Alkohols und drittens das nach 
jeder Füllung nicht absolut genaue Quantum Alkohol. Bevor des Thermometerrohr mit dem 
Gefäss verschmolzen war, hatte ich dasselbe durch einen Quecksilberfaden in der bekannten Weise aus- 
kalibrirt, die hierdurch erlangten Werthe, verglichen mit der später bestimmten Reihe für die 
Ausdehnung des Alkohols zeigten mir, dass die beiden zuletzt genannten Faktoren verschwindend 
klein waren, folglich die einmalige Eichung für alle Versuche massgebend war, umsomehr, da nur 
geringe Temperaturdifferenzen verwandt wurden. 
Zur Messung der Stromstärke wurde ein Wiedemann’sches Spiegel - Galvanometer für 
grössere Stromstärken eingerichtet, indem die Drahtspule einerseits abgenommen und dafür ein 
dicker Draht mit nur zwei Windungen eingesetzt wurde. Scalle und Fernrohr waren ungefähr 
zwei Meter vom Spiegel entfernt und in dieser Stellung ergab jedes Centimeter durch den Spiegel 
gesehen in einem eingeschalteten Voltameter 0, 3 4 7 cc - Knallgas in der Minute, es zeigte sich 
auch hierbei, dass bei einer geringen Winkeldrehung des Magnetspiegel die Stromstärken den 
Ablenkungen einfach proportional waren. 
Im weiteren Verlauf der Vorarbeiten ergab sich für mich bei der genauen Feststellung 
der Widerstände der Versuchsspiralen eine besondere Schwierigkeit. Nach vielen vergeblichen 
Versuchen mit einem Wheatstone’schen Rheostat von mittelmässig dickem Draht und in Erman 
gelung anderer passender Apparate begann ich selbst den Bau eines zweckdienlichen Apparates 
und zwar ist er im Princip derselbe geworden wie das bekannte Poggendorff’sche Rheochord. 
Letzterer Apparat wird besonders .empfohlen für kleine und genaue Widerstandsmessungen, jedoch 
leidet er an dem sehr unbequemen Uebel, dass die Seitenplatten des verschiebbaren Quecksilber 
kastens, durch welchen die nach einem darunterliegenden Maassstab geeichten Widerstandsdrähte 
hindurchgehen, nach öfterem Verschieben bald so sehr ausgeschlissen sind, dass das in dem Kasten 
befindliche Quecksilber auszufliessen beginnt. Ich spannte desshalb zwei Platindrähte in einem ein 
Meter langen Glasrohr aus, stellte dasselbe aufrecht an einem Stativ und verband das untere Ende 
des '/ 2 Zoll weiten Rohres mit einem Kautschukschlauch, der mit Hanf umsponnen war. Neben 
dem Stativ brachte ich darauf ein mit Quecksilber gefülltes Gefäss an, welches mit dem Kaut 
schukschlauch verbunden wurde und am Stativ durch ein Gegengewicht auf und ab verschoben 
werden konnte, so dass, wenn das Gefäss oben angelangt war, das Rheostatenrohr mit den Platin 
drähten vollständig mit Quecksilber angefüllt war. Dieser nun so einfache Apparat wurde nun 
nach einem Siemens’schen Etalon auf einem am Stativ befestigten Maassstab geeicht und zwar 
von oben herunter, an welchem Ende die Platindrähte mit Klemmschrauben versehen waren. 
Dieser Apparat lässt in seiner Bequemlichkeit und Sicherheit nichts zu wünschen übrig und ist ' 
meiner Meinung nach dem Poggendbrff’schen Rheochord vorzuziehen. Nach diesen viel Zeit erfor 
dernden Vorarbeiten begann ich endlich die Hauptversuche. Zur Stromerzeugung benutzte ich 
zwei bis' sechs "rosse Daniell’sche Elemente mit sehr schwacher Säure, die einerseits durch kurze 
Verbindungsdrähte mit dem Galvano-Thermometer, anderseits mit dem Spiegel-Galvanometer ver 
bunden waren. Zwischen diesen beiden Apparaten brachte ich eine Unterbrechung an, vermittelst 
Quecksilbernäpfe, um bequem und genau nach dem Gange eines hörbaren Sekundenpendels die 
Schliessung bewerkstelligen zu können. Gewöhnlich liess ich den Strom ein bis zwei Minuten 
durch den Apparat gehen und beobachtete dann bei starken Strömen von zwei zu zwei, bei
	        

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