Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Poggend. 
Ann. 
Bd. LIX. 
S. 203. 
während des Versuchs entweichende Wärme zu berücksichtigen, eine schon von Rumford ange 
gebene Methode 1 , welche der vorigen immerhin vorzuziehen ist. Hiernach kühlte er die als 
Kalorimeter dienende Flasche vor dem Versuch um einige Grade unter die Temperatur der Um 
gebung ab, schloss darauf die Kette und beobachtete nun an einem Chronometer die Zeiten, zu 
welchem das in den Apparat angekittete Thermometer successive um einen Grad gestiegen war. 
Liess er nun, natürlich bei constanter Stromstärke, die Temperatur um ebenso viele Grade über 
die Temperatur der Umgebung steigen, mit steter Beobachtung der Zeiten, so hatte er eine Reihe 
von Zeit- und Graddifferenzen, die auf die Einheit reducirt denselben Werth geben sollten; denn 
unter der Voraussetzung, dass sowohl der Apparat wie die Umgebung gleich schnell die Wärme 
abgeben, müsste der Apparat im Zustand unter der Temperatur der Umgebung ebenso viel 
Wärme gewinnen wie er später verliert. Da die Thermometerkugel in der Mitte des Apparates 
neben der Spirale angebracht war, so kommt es darauf an, dass in jedem Augenblick der Be 
obachtung eine möglichst gleichmässige Temperatur von dem Kalorimeter angezeigt wird, desshalb 
gebrauchte Lenz die Vorsicht, den Apparat stets in Bewegung zu halten. Vergleichende Beob 
achtungen, die ich mit meinem später zu beschreibenden Galvano-Thermometer anstellte, zeigten 
jedoch, dass nach der Lenz’schen Methode für dieselben Zeiten und unter gleichen sonstigen Be 
dingungen stets höhere Temperaturen erreicht wurden, so dass ich vermuthe, da die Resultate 
jenes sorgfältigen Beobachters unter sich eine fast vollkommene Uebereinstimmung zeigen, die 
Temperaturen haben sich von den dazu gehörenden Zeiten um einen constanten Faktor verschoben. 
Zur bequemen Darlegung des Joule’schen Gesetzes in Vorlesungen benutzte Poggendorff 
eine kleine Stöpselflasche durch deren Boden vermittelst eines fehlerfreien Korks die nöthigen 
Zuleitungsdräthe zur Versuchsspirale gelangten, statt des Stöpsels war in die Oefifnung eine ther 
mometerartige Glasröhre eingerieben, so dass die Volumvergrösserung des in der Flasche enthal 
tenen Alkohols in der Röhre abgelesen wurde, die je nach dem Grade der Empfindlichkeit, mit 
der man messen will, enger oder weiter genommen werden kann. Da nun bei solcher Einrichtung 
zum Zweck der Wärmebestimmung es einerlei ist, ob die P'lasche gleichmässig erwärmt wird oder 
nicht, so schien mir, wenn die Versuchsspirale möglichst die Mitte des Apparates ausfüllt, eine 
Correktion wegen der Abkühlung nach aussen hip gar nicht noting zu sein, sobald nur die ersten 
Zeitmomente, nachdem der Strom geschlossen war, genau beobachtet würden, da ja die Mitthei 
lung der Wärme bis an die den Apparat umgebende Luft nicht innerhalb sehr kurzer Zeit geschieht. 
Hierauf gründet sich nun meine Beobachtungsmethode, indem, sobald der Strom das Kalorimeter, 
welches dem von Poggendorff construirten ähnlich ist, durchfloss, nach einer genauen Uhr, oder 
dem Secundenpendel, die ersten Zeitmomente [nebst der Volumvermehrung des Alkohols im 
thermometerartigen Rohr gemessen wurden. An einem Kalorimeter, wie Poggendorff es angiebt. 
beobachtete ich, trotzdem der Kork mit heissem Leinöl getränkt war, dass im Verlaufe einiger 
Probeversuche der Alkohol sowohl durch den Kork als auch durch das gut eingeriebene Thermome 
terrohr verdunstete. Nach vielen vergeblichen Versuchen der Abänderung gestaltete sich folgender 
Apparat: An einem bimförmigen ungefähr 19 cc - haltenden Glasballon blies ich zwei kurze dick 
wandige Ansatzröhrchen, diametral gegen einander, welche dazu dienten, die Enden der Versuchs 
spirale, die im Innern des Gefässes frei schwebte, aufzunehmen; um nun einen möglichst dichten 
Verschluss zu erhalten, schmolz ich die durch die Ansatzröhrchen reichenden Drahtenden in einem 
kurzen Stück Thermometerrohr fest, welche denselben Querschnitt wie die Röhrchen hatten und 
mit diesen plan geschliffen waren. Zur Befestigung beider Flächen diente ein kurzes aber dick 
wandiges Kautschukrohr, welches ’durch feinen Kupferdraht festgeschnürt wurde. Eine dritte 
Oeffnung des Gefässes wurde mit einem ein Meter langen Thermometerrohr zusammengeschmolzen 
und in horizontaler Lage auf einem in Millimeter getheilten und auf einem Fussgestell befestigten 
Massstab gelegt, so dass das Ganze dem Riess'schen Lufthermometer nicht unähnlich war. Die 
Versuchsspiralen waren aus dünnem Platindraht und als Kalorimeterflüssigkeit benutzte ich Alkohol 
und zwar für alle Versuche von demselben specifischen Gewicht (ungefähr 0,79) das Quamtum
	        

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