Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

obiger Constante a schliessen wir mithin einen homogenen starren oder flüssigen Leiter in ein 
passendes Kalorimeter ein, untersuchen diesen auf seinen Widerstand und messen nun mit genauer 
Beobachtung der Zeit bei Anwendung einer angemessenen, ebenfalls genau angegebenen Strom 
stärke, die Wärmezunahme der Kalorimeterflüssigkeit. 
.Da, wie schon erwähnt, Joule’s Versuche nur oberflächlich waren, so können diese weniger 
zur Berechnung jener Constante herangezogen werden als die später von Lenz gelieferten. E. Becquerel 
lieferte um dieselbe Zeit eine grössere Arbeit über diesen Gegenstand und zwar stellte er zuerst 
das Gesetz für flüssige Leiter fest; allein seine Angaben über die Maasseinheiten sind nicht zu 
vergleichen mit den Lenz’schen, da er nur das Gesetz an sich zu verificiren suchte.- Obschon 
nun später noch von Quintus Jcilius sehr genaue Versuche über den numerischen Werth der Con 
stante veröffentlich sind, die, fast ganz genau mit dem von Clausius theoretisch berechneten Werth 
übereinstimmen, so entschloss ich mich dennoch diesen interessanten Theil des Galvanismus zu 
untersuchen, besonders da die Lenz’schen Versuche einen sehr abweichenden Werth ergeben. 
Die Schwierigkeit, Experimente dieser Art mit sehr bescheidenen Mitteln ohne weitere 
Hülfe anzustellen möge bei Beurtheilung dieser als Inauguraldissertation gelieferten Arbeit in Be 
tracht gezogen werden, obschon mir mit der grössten Humanität die zu diesem Zwecke vorhan 
denen Apparate des physikalischen Instituts vom Director desselben überlassen wurden, wofür ich 
hiermit meinen innigsten Dank ausspreche. 
Eine Hauptschwierigkeit bietet die Berücksichtigung der während des Versuchs vom 
Kalorimeter durch Strahlung und Leitung entweichenden Wärme. E. Becquerel schloss die als 
Leiter dienende, auf ihren Widerstand geprüfte Versuchspirale in eine mit Alkohol gefüllte kleine 1 
Flasche und liess den Strom einer Volta’schen Kette, dessen Stromstärke durch ein eingeschaltetes 
Voltameter gemessen wurde, so lange hindurchfliessen bis die Abkühlung des Gefässes an die 
Umgebung ebenso gross war, als die durch den Strom zugeführte Wärme, also bis die Tempe 
ratur constant geworden war. Hierauf öffnete er die Kette und beobachtete nun in kurzen auf 
einanderfolgenden Zeitmomenten die Erkaltungstemperaturen, denn diese sind nahe gleich den 
Wärmezuschüssen derselben Zeitintervalle vor der Constans des Kalorimeters. Durch diese Beobach 
tungsmethode findet er die vom Strom gelieferte Wärmemenge folgendermassen. Sei M. die Masse 
des Kalorimeters (für Glas und Spirale ist ein entsprechender Wasser- oder Alkoholwerth zu 
setzen), a die stationäre Temperatur, t die Zeit bis zu welcher der Apparat auf die Temperatur 
b abgekühlt ist, c die Temperatur der Umgebung, so ist mit Berücksichtigung der Newton’schen 
Abkühlungsformel, welche für geringe Temperaturunterschiede als genügend genau betrachtet 
werden kann b ~ C wo a—c und /i Constanten des Apparates sind. Wird b—c gleich x 
n — r ti, 1 
Ann. dechim. 
et de phy. 
1843. 
TIX. p. 21. 
gesetzt, so ist x = (a — c) y 
und differenziirt -—- 
x 
t 
(a—c) fj, 1 f.« gleich der 
Abkühlungsgeschwindigkeit, in welcher t gleich Null gesetzt werden muss, also — b * — (a—c) 
1 ^ 1 ^ ist aber nach der ersten Gleichung ~ 1 mithin - -p^- == V = (a — c) * 
1 ^ C gleich der Wärmeabgabe in der Zeit t für die Masse 1. Folglich für die Masse M, 
,, MV = M (a — c) |l (a — c) —, 1 (b — c)j mod. 
Diese Art der Wärmebestimmung leidet offenbar an der Schwierigkeit, die constante 
Temperatur des Kalorimeters zu beobachten, dann aber auch an der Unbequemlichkeit, ja bei 
grösserer Stromstärke an .der Unmöglichkeit, den Versuch so lange andauern zu lassen, dass 
überhaupt die Constans des Apparates erreicht wird und drittens an dem leicht eintretenden 
Mangel, die Abkühlungszeiten nicht genau beobachten zu können. Lenz benutzte desshalb, um die 
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