Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Aus dem schon im Jahre 1841 von dem englischen Physiker und Privatmann Joule bekannt 
gemachten Gesetz über die Wärmeentwickelung des galvanischen Stroms geht hervor, dass die 
relativen Wärmemengen abhängig sind von der Stromstärke i, dem Widerstand r und der 
Stromzeit t und zwar heisst die Formel 
W = a i 2 r t, 
wo a ein constanter Faktor ist, der nach den für die übrigen Faktoren gewählten Einheiten va- 
rürt. Obschon gegen Joule’s Messmethoden mancherlei einzuwenden war, so besonders die An 
wendung inconstanter Ketten, die Voraussetzung der Richtigkeit der Tangentenbussole bis in die 
höchsten Grade und die vernachlässigte Berücksichtigung der Wärmeausstrahlung während der 
Versuche, so ist dennoch die Richtigkeit des obigen Gesetzes von mehreren Physikern bestätigt 
worden. Schon Joule machte den Schluss und wol mit Recht, dass, wenn das Gesetz für einen 
Theil der Kette bewiesen ist, dasselbe auch für die ganze Kette Gültigkeit habe, dies durch den 
Versuch zu beweisen, möchte auch beinahe unmöglich sein. Nach dem Ohm’schen Gesetz ist 
bekanntlich die Stromintensität der elektromotorischen Kraft e direkt, dem Widerstand aber um- 
c 
gekehrt proportional oder i = —. Combinirt man obige Joule’sche Formel mit dieser, so er- 
e- 
giebt sich, dass W = — ist, 
wo unter r der Widerstand der ganzen Kette verstanden wird. 
Dieser Ausdruck hat offenbar für die entwickelte Wärmemenge kein Maximum, da -4- — e : 
dr r 2 
ist, es wächst die Wärme also in das Unendliche mit der Abnahme von r; untersucht man je 
doch einen bestimmten Theil der Kette, etwa x, so wäre die entwickelte Wärmequantitäl 
W —— — e 2 —und nach x differenziirt 
— r+x ' r+x (r+x)- dx 
r 2 —x 2 
(r+x) 4 
r—x 
(r+x) 
:n 
welches Re 
sultat für den Fall, dass r = x ist, zu einem Maximum gelangt und zwar ist dann Wmax —-- e 2 
4 r 
Q 
oder auf die Stromstärke bezogen i= —• Nach der herrschenden Vorstellung über den galvanischen 
Strom war dieses Resultat vorauszusehen, es liefert uns aber auch den Beweis, dass das Joule'sche 
Gesetz für den Umfang der ganzen Kette gültig ist, denn für ein bestimmtes Stück der Kette 
lässt ein Maximum sich experimentell nachweisen. 
Bei der Combination der Kette treten jedoch einige Erscheinungen auf, die den Schluss 
der quantitativen Wärmeentwicklung eines Theils der Kette auf den ganzen Umfang derselben 
zu widersprechen scheinen, so besonders das Peltier’sche Phänomen. Es treten darnach bekannt 
lich an den Verbindungsstellen heterogener Leiter besondere Wärmeerscheinungen und neue elek 
tromotorische Kräfte auf, und zwar beobachten wir eine Wärmesummation, wenn der Hauptstrom 
Philosoph. 
Magazine 
1841.Vol.XIX 
p. 260.
	        

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