Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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ferner Wachskugeln sowohl vom Halse her als vom Magen her in den Oesophagus. In den Halstheil, 
sowie in den unteren Brusttheil geführt, wurden sie durch peristaltische Bewegungen hinabbeför 
dert, in den oberen Brusttheil gebracht Hessen sie auch diese Reflexwirkung vermissen, nach oben 
Wurden sie aber niemals bewegt. 
Ich kann dieses nach meinen eigenen Versuchen zum Theil bestätigen. Ich öffnete einem 
Hunde die Brusthöhle und leitete künstliche Respiration ein. Dann schnitt ich ein Loch in die 
Speiseröhre, wenige Zoll über der Cardia und führte Wachskugeln ein. In den oberen Theil eine 
kleine Strecke weit hinaufg'eschoben, wurden sie alsbald peristaltisch nach unten befördert, ebenso 
wenn sie in den untern Theil eingeführt wurden. Als ich' die Kugel aber in den oberen Brust 
theil schob, blieb sie an dieser Stelle liegen; nie aber sah ich eine Bewegung des muskulösen 
Rohrs sie nach dem Schlund zu führen. Ausserdem wurde mein von der Oeffnung aus nach oben 
in den Oesophagus eingeschobener Finger mit einer gewissen Gewalt durch die sich contrahiren- 
den Muskeln nach unten gedrängt, nach dem Magen zu eingeführt wurde er dagegen nur fest 
umschlossen. 
Ich habe dann eine Reihe von Versuchen angestellt, in denen ich mich bemühte, den 
Brusttheil der Speiseröhre während des Brechactes bei Hunden, an denen künstliche Respiration 
eingeleitet war, direct zu sehen. Es ist mir das aber niemals wirklich gelungen, da die Thiere 
niemals nach eröffneter Brusthöhle noch erbrachen. Ich stellte das Experiment so an, dass ich 
den Hund tracheotomirte, dann in die Trachea ein Rohr einband, das durch einen Kautschuck- 
schlauch mit der Mündung eines Blasebalgs in Verbindung stand. In dem Schlauch brachte ich 
eine kleine Oeffnung in der Nähe seines Ansatzes an das in der Luftröhre befestigte Rohr an. 
Dann eröffnete ich die Brusthöhle durch einen Längsschnitt in der linken Axillarlinie und resecirte 
einen Theil der Rippen. Das Mediastinum wurde getrennt, und nachdem beide Lungen collabirt 
waren, der Blasebalg in Thätigkeit gesetzt. Die Lungen wurden rhythmisch mit frischer Luft 
gefüllt und entleerten in den Pausen, während ein Hahn die Mündung des Blasebalgs schloss, die 
verdorbene Luft durch das oben erwähnte Loch in dem • Gummirohr. Es ist mir bei dieser ein 
fachen Methode der künstlichen Respiration stets gelungen, die Thiere bis über eine halbe Stunde am 
Leben zu erhalten. Indem ich die Ränder der in den Thorax gemachten Oeffnung auscinanderbog 
und die linke Lunge emporhob, konnte ich den Abschnitt der Speiseröhre von dem Arcus aortae 
bis zum Hiatus des Zwerchfells völlig übersehen. Ich hatte die Thiere schon vor der Brusteröft- 
nung mittelst Apomorphin brechen lassen und erneuerte nun meine Injectionen. Das Zwerchfell 
führte noch Bewegungen aus, und es zeigte sich bei einem Versuch die wunderbare Erscheinung, 
dass seine Contraction mit der Entleerung der Luft aus den Lungen, seine Erschlaffung mit der 
künstlichen Füllung der Lungen zusammenfiel. Bisweilen cgntrahirte sich das Zwerchfell stärker, 
und ich konnte dabei an der Speiseröhre warnehmen, dass Flüssigkeit aus dem Magen in ihr 
aufstieg und sie auftrieb. Wahrscheinlich waren dies Brechversuche, zur wirklichen Entleerung 
von Stoffen per os kam es nicht. Ich sah ferner mit jenen Contractionen gleichzeitig die Speise 
röhre eine Aufwärtsbewegung ausführen. Jedenfalls war dieselbe zum Theil wenigstens durch den 
Kehlkopf und Schlundkopf mitgetheilt, ich glaube aber auch eine Verkürzung des vorliegenden 
Speiseröhrenstückes gesehen zu haben, die jedenfalls auf die eigene Muskulatur zu schieben wäre. 
Eine" eigentlich antiperistaltische Bewegung habe ich aber niemals beobachtet, wenn auch die 
Gegenwart von Mageninhalt in der Speiseröhre bei dem unter der Wirkung der Brechmittel 
stehenden Thiere eine solche Bewegung, wenn sie überhaupt möglich wäre, reflectorisch hätte 
hervorrufen können. Wohl aber sah ich deutlich und in öfteren Wiederholungen, dass, wenn 
Flüssigkeit aus dem Magen in grösserer Menge nach oben getrieben war, eine peristaltische 
Contraction der Speiseröhre dieselbe wieder nach dem Magen zu trieb. Es verlief eine deutliche 
Verengerung in der Richtung von oben nach unten. 
Ich schob das Ausbleiben von wirklichem Erbrechen auf eine Unwirksamkeit des 
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