Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Experiment IV: Bei einem noch ziemlich jungen Hunde machte ich einen Längsschnitt 
in die Trachea, den ich aufwärts bis an den Ringknorpel führte. Dann legte ich in die Ränder 
der Trachealwunde jederseits einen Haken, an dem mittels eines Fadens ein Gewicht zog. Da 
durch wurde die Oeffnung zum Klaffen gebracht, das Kopfende des Brettes, auf dem der Hund 
befestigt war, wurde etwas erhöht, und das helle Sonnenlicht beleuchtete jetzt von untenher den 
Larynx dessen Stimmbänder wieder das aus den früheren Versuchen bekannte Spiel ausfuhrten, 
diesmal aber sehr schön gleichmässig auf beiden Seiten. Auch konnte man deutlich sehen, dass 
nur in ihrem vorderen Theile die Stimmritze während der Exspiration sich schloss, während die 
hintere Hälfte geöffnet blieb und eine dreieckige oder rundliche Oeffnung bildete, die sogenannte 
Glottis respiratoria. Eine Apomorphineinspritzung hatte nach wenig Minuten Erfolg. Es traten 
nach vorangegangenem forcirterem Athmen heftige Brechanstrengungen ein. Dabei wurde die 
Stimmritze in ihrer ganzen Ausdehnung krampfhaft geschlossen, sodass auch nicht die geringste 
Menge Luft sie hätte durchdringen können. Der Schluss dauerte mehrere Secunden lang während 
der ganzen Dauer einer Brechanstrengung. Dann öffnete sich die Stimmritze wieder, um mit 
einer neuen Anstrengung sich wieder zu schliessen. Gleichzeitig wurde der Kehlkopf in die Hohe 
gezogen Das Thier machte sehr heftige Brechanstrengungen, Kollern entstand im Bauche, aber 
es «Hang ihm nur wenig Flüssigkeit aus dem Maul auszuwerfen. Der Brechanfall wiederholte 
sich nach einigen Minuten mit denselben Erscheinungen. Mehrere anwesende Collegen überzeugten 
sich von den sämmtlichen Einzelheiten der Beobachtung. Der Hund wurde losgebunden und die 
Trachealöffnun« nun wieder durch sich darüberschiebende Muskeln verlegt. Es traten noch drei 
mal Brechbewegungen ein, und es gelang dem Thiere nun wesentlich leichter Flüssigkeit wirklich 
auszubrechen. . , , ,. 
Es geht aus diesen Versuchen zur Evidenz hervor, dass die Behauptung I raube s, die 
Glottis stehe beim Brechact weit offen, mit den Thatsachen im Widerspruch steht.*) Wir haben 
gesehen dass sie sich krampfhaft verschliesst. Da zugleich der Kehlkopf in die Höhe rückt, so 
dürfte ein gleicher Vorgang stattfinden, wie ihn Czermak mittelst des Kehlkopfspiegels beim 
Acte des Schluckens beobachtete.**) Die Stimmritze schliesst sich, die Epiglottis wird durch die 
Musculi ary-epiglottici auf den Larynxeingang herabgezogen. Der zugleich vor- und aufwärts 
bewegte Kehlkopf zieht sich unter die Zungenwurzel und unter die Epiglottis zurück, sodass der 
Wulst der Epiglottis auf den Stimmbändern ruht und ihr hinterer Rand noch über den Rand des 
Larynx hinausragt. Man müsste einen solchen Schluss des Larynx schon supponiren, um zu 
erklären! weshalb beim Brechen nicht fortwährend massenhaft Speisetheile in denselben lallen, 
was ganz unvermeidlich wäre, wenn, wie Traube annimmt, die Glottis weit offenstände und die 
Luft 'frei durch den Larynx striche. Die forcirte Exspiration, die nach Traube stattfinden soll, 
würde dies kaum vollständig verhindern können, und wenn sie es thäte, jedenfalls dem Uebertritt 
der Speisen aus dem Schlund in den Mund ebenso im Wege sein. Denkt man sich aber eine 
Stellun« der Theile, so wie oben von uns angegeben, so werden die erbrochenen Massen unter 
vollständiger Sicherheit der Luftwege über die obere ausgehöhlte Fläche der Epiglottis, wie über 
eine Brücke, über den Eingang der Luftwege hinüber spedirt. 
Wir führen hier noch an, dass nach den Beobachtungen Longct’s der KehlkopfveiSchluss 
selbst dann noch zu Stande kommt, wenn der Nervus recerrens sowie der zum M. crico-thyreoideus 
tretende Zwei«- des Laryngeus superior beiderseitig durchschnitten sind; in diesem Falle sollen die 
Mm. laryngo - pharyngei durch ihre Contraction die beiden Flügel der Cartilago thyreoidea 
zusammenbiegen und dadurch die Stimmritze schliessen. Besonders aber schreibt Longet den 
Mm. ary-epiglotticis die Wirkung zu durch Herabziehen der Epiglottis und durch gegenseitige 
•) Vergl. Traube: Symptome der Krankheit des Respirations- und Circulationsappnrates. pag. 135 u. 137. 
••) Vergl. dessen Werk: *Der Kehlkopfspiegel«. Leipzig, i860, pag. 51 und 52.
	        

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