Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Experiment II: Ein ein halbes Jahr alter Hund erhält eine Quantität Milch, und dann 
injicire ich ihm 0,01 Apomorphin. Er bricht wiederholt, wird dann auf dem Brett befestigt. Eine 
neue Quantität Milch wird ihm in das Maul gegossen, die aber alsbald wieder erbrochen wird. 
Jetzt lege ich die Trachea am Halse blos und durchneide sie nahe unter dem Kehlkopf in der 
Quere bis auf ihre hintere Wand, sodass sie quer auseinanderklafft. Mit einem Haken ziehe ich 
das obere Ende der Trachea mit dem Kehlkopf etwas in die Höhe und kann nun bequem die 
Stimmbänder beschauen. Das linke bewegt sich kaum, das rechte dagegen führt rhythmische 
Bewegungen aus, wodurch die Glottis abwechselnd verengt und wieder erweitert wird. Ich con- 
statire, dass der Schluss mit der Exspiration, die Oeffnung bei der Inspiration geschieht. Nun 
fülle ich dem Thiere wieder Milch in das Maul, wobei allerdings etwas in die Trachea geräth und 
zum Theil aus der Oeffnung ausfiiesst. Eine Injection von Apomorphin wird gemacht und nach 
einiger Zeit noch zweimal wiederholt, ohne dass es gelingt Brechbewegungen hervorzurufen. Es 
wird deshalb erst am folgenden Tage der Versuch fortgesetzt. - Bewegungen der Glottis sind 
anfangs nicht vorhanden, das Thier athmet vielmehr ruhig mit offenstehender Stimmritze. Nach 
einiger Zeit aber stellen sie sich mit stärker werdenden Athembewegungen ein wie am Tage vor 
her* 3 Das linke Stimmband ist ganz schlaff. Eine Injection von Apomorphin wird gemacht und 
bewirkt nach 5 Minuten einen Brechanfall mit Entleerung von nur wenig Flüssigkeit nach aussen. 
Dabei wurde der Kehlkopf mit der Trachea ziemlich heftig nach oben gezogen, die Glottis konnte 
ich momentan nicht sehen. Nach einigen Minuten erneuerter Anfall mit starken Würgbewegungen, 
die aber fast ohne allen Erfolg bleiben. Diesmal glaube ich die Glottis deutlich fest geschlossen 
im Anfall gesehen zu haben. Nun gelang es mir selbst nach erneuerter Apomorphininjection 
nicht mehr einen ferneren Anfall hervorzurufen. Das Thier stiess aber häufig Luft auf, wobei dei 
Kehlkopf stets stark in die Höhe ging und die Glottis sich deutlich schloss. 
Experiment III: Derselbe Hund wird wieder benutzt. Ich spalte von der queren 
Oeffnung aus die Trachea in der Medianlinie nach oben bis nahe an die Glottis, sodass ich nun, 
während ich diesen Schnitt durch eine eingeschobene Pincette klaffen lasse, die Glottisbewegungen, 
die wieder in der beim vorigen Versuch beschriebenen Weise stattfinden, genau beobachten kann. 
Eine Apomorphineinspritzung bewirkt nach einigen Minuten heftige Brechanstrengungen. Dabei 
wird der Kehlkopf in rasch wiederholten Zuckungen, die mit den Anstrengungen der Bauchmuskeln 
zusammenfallen, stark nach oben gezogen. Zugleich wird die Glottis krampfhaft geschlossen. 
Der Mageninhalt gelangt nicht bis nach aussen trotz starker Anstrengungen des Thieres. Es 
gelingt nicht mehr einen neuen Anfall hervorzurufen. Dagegen führt das Thier in kurzen 
Zwischenräumen eigenthümliche Bewegungen aus, die ich theils für Schluckbewegungen the.ls iur 
Luftaufstossen halten muss. Der Kehlkopf bewegte sich dann stets in raschem Ruck nach oben, 
und es entstand ein eigenthümliches Geräusch. Jedesmal trat die Erscheinung am Ende einer 
Exspiration ein. Die dann verengte Glottis blieb, statt sich wie sonst mit der Inspiration zu 
erweitern, noch eine kurze Weile in diesem Zustand oder schloss sich noch mehr. Das Geräusch 
musste zum grossen Theil in der Speiseröhre entstehen, zum Theil aber entstand es jedenfalls auch im 
Kehlkopf, denn zwischen den mit etwas Schleim nnd Wundsecret bedeckten Stimmbändern quollen 
gleichzeitig Blasen von obenher auf. Ich habe diesen Vorgang so häufig beobachtet, dass mir 
über das Detail kein Zweifel blieb. Noch muss ich bemerken, dass verstärkte Anstrengungen dcr 
Bauch- und Brustmuskulatur nicht mit dem Vorgang coincidirten. Als ich den Hund losbinden 
wollte, traten noch einmal Brechanstrengungen ein; ich sperrte alsbald wieder die 1 rachealoffnung 
auseinander und sah wieder die Glottis sich schliessen wie bei der ersten Beobachtung. 
Da augenscheinlich bei diesem Thiere der Nervus recerrens der linken Seite bei der 
Tracheotomie verletzt sein musste, obgleich ich ihn nicht in der Wunde gesehen habe, so führte 
ich, um diesen störenden Einfluss zu vermeiden, bei einem anderen Thiere das Experiment in 
etwas anderer Weise aus.
	        

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