Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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dem Erkalten durch aufgedrücktes Pech vollends festgeklebt. -Es lässt sich die so 
vorgerichtete Schutzplatte dem in den Czermakschen Kaninchenhalter eingespannten 
Thier bequem und sicher aufs Auge binden und man kann nach dem Schuss, aus 
der vom Pech bewahrten Kugelspur mit Sicherheit auf die Stelle des Auges 
schliessen, welche von der stärksten Einwirkung betroffen ist. 
Bei Einschaltung so schwerer Platten (es wurden zwei abwechselnd benutzt,' 
wovon die eine i. 7i die andere grössere und dickere 3 grms. wog), reicht man 
nicht mit der Kraft' des Zündhütchens aus, auch dann nicht, wenn mit Passkugeln 
von 0.3 grams geschossen wird. Es muss die Kraft des Schusses durch eine 
Pulverladung verstärkt werden. Eine Ladung von o. 09 grms Pulver mit aufge 
schlagener Passkugel war ausreichend, um in den meisten F'ällen Zerreissungen der 
Chorioidea zu Stande zu bringen*), eine Vermehrung der Ladung auf o. I4 grams 
führte allemal eine totale Zerstörung herbei; die Cornea wurde an mehreren Stellen 
von der Sklera abgetrennt und der Augengrund durch dicht gedrängte Extravasate 
der Chorioidea aufgptrieben und in eine blutige Masse verwandelt, in der keinerlei 
Detail mehr zu unterscheiden war. Die Erschütterung des Kopfes durch einen 
Schuss mit 9 Centigr. Pulver (es treibt eine solche Ladung, beiläufig bemerkt, die 
Kugel i Centimeter tief in ein tannenes Brett) ist so gross, dass der im Halter 
eingespannte Kopf merklich auf die Seite geworfen wird und das Thier noch einige 
Minuten nach dem Schüsse betäubt ist, dauernde Störungen der Nervencentra 
wurden indess 'in keinem Falle bemerkt, eben so wenig jene Trübungen der Cornea, 
deren in der ersten Versuchsreihe so oft Erwähnung geschah. 
Abgesehen von den Versuchen mit starken Ladungen, bei denen Zerreissung 
der Cornea eintrat und von den 4 Versuchen, die gar keine Verletzung des Auges 
zur Folge hatten, wurden 10 Versuche ausgeführt, deren Resultate so sehr unter 
einander übereinstimmen, dass ich mir eine Beschreibung aller einzelnen Versuche 
ersparen zu dürfen glaube und nur einige derselben speciell besprechen werde. 
Versuch 14. Gerader Schuss, ein wenig nach oben und hinten von der 
Papille auftreffend. 
Die Section ergiebt, dass sich zwei Risse in der Chorioidea gebildet haben, 
von denen der eine nach oben und hinten, der andere nach vorn und unten der 
Papille anliegt, so dass dieselbe fast ganz von der Chorioidea abgetrennt ist. Eig. 5. 
Die Fasern der Retina sind über den Rissen eingebuchtet, in dieselben hjneinge- 
presst. Der in der kleineren Hälfte des Auges liegende Riss hat eine radiale 
Trennung der Retinafasern zur Folge gehabt, wodurch der Rand der Papille auf 
eine kleine Strecke eingerissen ist. Sonst sind keinerlei Verletzungen des Augen- 
hintercmmdes zu bemerken. 
o 
Versuch 15. »Centraler Schuss. 
*) Auffallender Weise wurden die wenigen Ausnahmen sämmtlich an dunklen Kaninchen 
augen gefunden, so dass es den Anschein hat, als ob mit dem Fehlen des Pigments ein schwächerer 
Bau des Auges verbunden sei.
	        

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