Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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vasate. Nach drei ‘Tagen hat sich die Cornea geklärt; man sieht die Höfe der 
kleinen Extravasate zu einem grossen Blutflecke zusammen geflossen, auf dem sich 
die Kerne derselben als dunkle Punkte markiren. Daneben' macht sich eine Röthung 
an der Papille, nach vorn und unten zu, bemerklich, die sich bei der Section als 
zugehörig zu einem Riss in der Chorioidea herausstellt. Dieser Riss verläuft ganz 
so, wie in Versuch 3, die Retina ist ein wenig in denselben hineingedrückt, übrigens 
intact geblieben. 
Die Resultate dieser ersten Versuchsreihe lassen zur Genüge die Richtigkeit 
der oben gemachten Voraussetzungen erkennen; es zeigen sich in ihnen die Wir 
kungen des Contrecoups und der unsymmetrischen Anheftung der Chorioidea; 
erstere besonders auffällig in denVersuchen 1, 8, 9 und 10, wo jedesmal die Spur 
eines die Cornea treffenden Streifschusses in Form eines der Kugelspurauf der Cornea 
parallel sich über die Chorioidea hinziehenden rothen Bandes sich reproducirt. Da-' 
neben macht "sich bei den Schüssen 9 und 10 die mit fest eingeschlagener Kugel, 
also mit besonders grosser Kraft sehr flach gegen die Cornea gezielt wurden, eine 
Theilung des Stosses bemerklich; eine Componente desselben kommt in der kürzesten 
Entfernung; die andere in den Richtung des Schusses zur Wirkung, während die 
Mitte des Auges verhältnissmässig wenig afficirt wird. 
Die Wirkungen des Contrecoups sind offenbar schwächer als die Wirkungen 
der ungleichartigen Befestigung und der dadurch bedingten ungleichmässigen 
Spannung der Chorioidea. Es scheint sich keine der beobachteten Gefässzer- 
reissungen, geschweige denn eine Zerreissung der Chorioidea selbst mit Sicherheit 
auf den Contrecoup zurückführen zu lassen; sie scheinen nach ihrer Lage zu schliessen, 
alle durch die Vertheilung der Spannung zwischen Papille und dem entferntesten Rand 
punkte der Chorioidea bedingt zu sein, und zwar so, dass die schwächste (die am 
häufigsten beobachtete) Wirkung, die Zerreissung von Gefässen, am Ciliarkörper, 
die Zerreissung der Chorioidea selbst an der Papille auftrat. 
Da hiernach die Bildung von Rissen in der Chorioidea einen beträchtlichen 
Kraftaufwand zu erheischen und weniger das Product eines localen Stosses als einer 
allgemeinen Spannung zu seih schien, so wurde beschlossen, stärkere Ladungen in 
Anwendung zu bringen und das Auge gegen die zerstörende Wirkung derselben 
durch einen Metallknopf zu schützen. Eine solche Versuchsreihe schien auch aus 
dem Grunde geboten,, weil die soeben besprochenen Versuche mit directem Schüsse 
vorwiegend theoretisches Interesse haben, weil dem Augenärzte viel seltener Ver 
letzungen von der Art wie sie- ein kleines, mit grosser Geschwindigkeit anpraflendes 
Schrotkorn macht, Vorkommen werden, als solche, die durch Stösse und Schläge 
mit grösseren und schwereren Körpern zu Stande gekommen sind. 
Nach kurzem Probiren stellte sich folgende Art zu manipuliren, als zweck 
mässig heraus. 
Ein aus starkem Messingblech (1,5 mm ) getriebenes Schälchen von Uhrglas 
form und etwas grösserem Durchmesser als der Augapfel wird mit geschmolzenem 
Pech gefüllt, auf dieses ein leinenes Band von ca. 1 cm - Breite gelegt- und nach
	        

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