Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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hier kaum jemals radial verlaufende Risse sich bilden, während dies bei a, wo die 
Spannung sich auf eine grössere Strecke des Randes der Chorioidea vertheilt, viel 
eher möglich sein wird, 
Es boten sich zwei Wege dar, das bis hierher hypothetisch Vorgetragene 
auf dem Wege des Experiments zu prüfen — Versuche am lebenden Auge und 
Versuche an künstlich hergestellten weichen Massen. Die ersteren bieten unmittel 
bares pathologisches Interesse, die letzteren gestatten es, auf Durchschnitten die Ver- 
theilung des Stosses zu verfolgen. 
Die erste Schwierigkeit, welche bei den Versuchen zu überwinden war, lag 
•in dem Aufsuchen einer Vorrichtung, die geeignet war, hinreichend starke, beliebig 
gerichtete, vergleichbare Stösse auf das Versuchsobject zu appliciren. 
Schläge mit aus freier Hand geführten Instrumenten waren ihrer nicht zu 
regulirenden Intensität halber von vorn herein ausgeschlossen; Stösse, die durch 
den Fall von Gewichten hervorgebracht waren, Hessen eine genaue Bestimmung 
der ihnen innewohnenden lebendigen Kraft zu, hatten aber den Nachtheil, dass zu 
der Wirkung des Stosses eine nicht verlangte Druckwirkung sich addirte; gegen 
die Anwendung einer gespannten Feder lies sich derselbe Einwand erheben, auch 
war hier zu fürchten, dass geringe Veränderungen in der Distanz des Auges und 
des an der Feder angebrachten Knopfes grosse Differenzen für die Intensität der 
Schläge nach sich ziehen würden. Nach längerer Erwägung und einer Reihe vor 
läufiger Versuche blieb ich im Einverständniss mit Herrn Prof. Völckers bei der 
Anwendung eines Salonpistols kleinsten Kalibers stehen, welches sich auch fernerhin 
als für derartige Versuche sehr geeignet bewährte. Dasselbe wird mit einem Korn 
schweren Hasenschrots von 3,8 mm - Durchmesser und o, 3 e rm - Gewicht geladen, für 
welches die in den Lauf einströmenden Verbrennungsgase des Zündhütchens in den 
meisten bällen genügende Triebkraft geben. Ein so hergerichteter Schuss zerstört 
ein Kaninchenauge allemal. Weil aber ■ nach den vorausgeschickten Erörterungen 
viel daran gelegen war, die Einwirkung grosser Anfangsgeschwindigkeiten auf kleine 
Partien des Auges zu studiren, musste dennoch darauf Bedacht denommen werden, 
ob es nicht möglich sei, die Kraft des Schusses soweit herab zu setzen, dass man 
ohne gar zu arge Misshandlung der Cornea das Schrotkorn mit Umgehung von 
schützenden Zwischenlagen auf dieselbe wirken lassen könne. Ein einfacher, durch 
aus zweckentsprechender Ausweg wurde in der Verwendung kleinerer Schrotkörner 
(Durchmesser: 3™*-, Gewicht; o,, 7 g rm -) gefunden. Der getroffene Fleck der Cornea 
war jetzt so klein als möglich gemacht, und die Kraft des Schusses durch die 
.Verkleinerung der bewegten Masse, sowie durch das Entweichen eines reichlichen 
Antheils der explodirenden Gase so weit vermindert, dass ein Durchschlagen-der 
Cornea niemals mehr vorkam. Die kleinen Schrotkörner Hessen sich ohne Papier 
hülle in dem halbkugelig ausgetieften Bodenstück des Laufs feststossen, sie wurden 
ohne Pulver, nur durch die Gase des Zündhuts fortgetrieben und bewirkten im 
schlimmsten Palle partielle Trübungen der Cornea, die gutartig verliefen; in meh 
reren Pällen war die unbedeutende Excoriation der getroffenen Stelle nach 24 Stun-
	        

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