Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

pflanzung der Bewegung in Form von Compressions- und Strömungswellen annehmen, 
sowie eine Reflexion derselben, in Folge deren sich ein Durchschnittspunkt aller 
Wellenstrahlen (Brennpunkt) am entgegengesetzten Pol des Auges bildete. 
Es dürfte schwierig sein, nachzuweisen, dass bei der hier stattfindenden 
Interferenz gleiche Schwingungsphasen zusammen treffen, ganz abgesehen davon, 
dass die Reflexion von Wellen an grösseren Stücken einer Hohlkugel zur Bildung 
von Brennflächen statt Brennpunkten führt, und der Brennpunkt der centralen Strahlen 
einer Welle, die am einen Endpunkt eines Durchmessers erregt wurde, um jvom 
anderen Ende dieses Durchmessers entfernt ist. Zudem werden die weiter 
unten zu beschreibenden Versuche am Kaninchenauge zeigen, dass in der That der 
Contrecoup so erfolgt, wie er sich nach der oben ausgeführten einfacheren Hypo 
these vorausbestimmen lässt, und dass die Annahme einer Beziehung desselben zum 
Augenmittelpunkt durch die centrale Lage der papilla n. opt. im menschlichen 
Auge bedingt werde. 
In 13 Fällen machte Knapp die Beobachtung, dass die Risse in der Chorioidea 
nicht allein in der Nähe der Papille entstanden'waren, dass sie- vielmehr zugleich 
der Contour derselben folgend in Halbmondform sich zeigten, und präcisirte den 
sich hiernach aufdrängenden Zusammenhang zwischen dem Dasein der Papille und 
der Form und Lage der Risse dahin, dass für das Zustandekommen der letzteren 
die Befestigung; der Chorioidea,am Ciliarkörper und an der Papille nothwendig sei, 
dass die durch den Stoss gesetzte Spannung an den Befestigungsstellen zur Wirkung 
kommen werde. 
Am menschlichen Auge verhindert uns die Lage der Papille den Einfluss der 
Anheftung der Chorioidea auf die Entstehung der Risse von dem Einflüsse des 
Contrecoups zu trennen, zumal wir in den meisten Pällen nichts Zuverlässiges über 
Ausdehnung und Richtung des Stosses, von dem die Zerreissungen herrühren, in Er 
fahrung bringen können; viel geeigneter sind zu diesem Zweck Versuche an Kanin 
chenaugen, dei denen die sehr excentrische Lage der Papille, hinten und oben, den 
Augenhintergrund in zwei um den durch, die Papille gelegten grössten Kreisbogen 
symmetrische Hälften theilt. In dieser Symmetrielinie ist die stärkste Ausbuchtung 
der Chorioidea möglich, an ihren Endpunkten wird ein central gegen das Auge 
gerichteter Stoss die stärkste Spannung hervorrufen, es müssen demnach am 
Kaninchenauge, wenn anders die Befestigungsweise der Chorioidea auf die Ent 
stehung der Risse wesentlichen Einfluss hat, die Zerreissungen vorwiegend längst 
dieser Linie, und zwar nahe am Ciliarkörper oder an der Papille zu Stande kom 
men. Dabei ist noch zu bemerken, dass, wenn die Stösse einigermassen central 
erfolgen, das Maximum der Spannung an der kleinsten Anheftungsstelle zu suchen 
sein wird, also an der Papille. Kurz, am Kaninchenauge wird die excentrische Lage 
der Papille bewirken, dass die Mehrzahl der Zerreissungen nahe an der Linie ab, 
Fig. i, erfolgt, und zwar mehr am Endpunkte a als in der Nähe von b. Endlich 
ist leicht zu ersehen, dass die bei c. entstehenden Risse die Tendenz haben werden 
in halbmondförmigem Verlauf die Chorioidea von der Papille abzutrennen, es können
	        

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