Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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flüssigkeiten zu Wege bringen wird, die an dem anderen Ende, des bezüglichen 
Durchmessers zuerst den Augenhintergrund erreicht und hier denselben am stärksten 
afficirt. Es lässt sich dafür geltend machen, dass die Fortbewegung der- Mole 
cule in der Stossrichtung die stärkste sein wird; zwar werden die umliegenden 
Flüssigkeitspartieen mit in die Bewegung hineingezogen, aber mit abnehmender 
Intensität. Beispiele davon Hessen sich leicht in grosser Zahl sammeln, es wird für 
meinen Zweck genügen an einige derselben, wie das Durchlöchern von Metall 
blechen, von Brettern, von Glasscheiben mittelst Büchsenkugeln zu erinnern. Das 
Zerbrechen dieser Gegenstände setzt voraus, dass eine Durchbiegung erfolgt, welche 
die Elasticitätsgrenze überschreitet; ist die getroffene Stelle klein und die Ge 
schwindigkeit, welche von dem Projectil auf dasselbe übertragen wird, eine grosse, 
so erfolgt binnen kürzester Zeit eine scharfe Durchbiegung, im entgegengesetzten 
Fall fällt dieselbe flacher aus und dem entsprechend dehnt sich der Bruch über 
einen grösseren Rayon aus. 
Allein es ist ausser der Grösse der getroffenen Stelle und der Anfangs 
geschwindigkeit der Bewegung noch ein Moment für die Form der Ausweichung 
massgebend, das ist der Widerstand der fortzuschiebenden Masse. Eine Bleiplatte, 
die ein zum Durchbohren derselben nicht ausreichender Schuss trifft, erhält von 
demselben eine viel tiefere und schärfere Ausbuchtung, als ein Messing- oder 
Eisenblech, und es lässt sich wohl annehmen, dass dies bei Flüssigkeiten in noch 
höherem Masse der Fall sein werde. Ohne Zweifel wird die Durchbiegung be 
sonders scharf ausgeprägt sein in den oberflächlichen Schichten, welche der ge 
troffenen Stelle am nächsten liegen, und sich in der Tiefe ausbreiten und abflachen, 
wahrscheinlich um so eher, je geringer die Elasticität und die Verschiebbarkeit der 
getroffenen Substanz ist. Nun kommt es aber in unserem Fall vor allen Dingen 
darauf an, dass die bewegte Flüssigkeitspartie, wenn sie einen bestimmten Abschnitt 
des Augenhintergrundes vorwiegend afficiren soll, eine stark gekrümmte Oberfläche 
habe, dieselbe muss, wie leicht einzusehen, unter allen Umständen stärkere Krümmung 
besitzen, als der Augenhintergrund selbst. Es lässt sich nach diesen Erörterungen 
mit Wahrscheinlichkeit Vorhersagen, dass die Erscheinungen des sogenannten Contre- 
coüps — Verletzungen, die in der Richtung des Stosses der getroffenen Stelle 
gegenüber auftreten — sich am Auge nur dann recht deutlich zeigen werden, 
wenn der Stoss mit grosser Geschwindigkeit eine kleine Partie der Cornea trifft. 
Die soeben besprochene Annahme, dass die Augenflüssigkeiten unter dem 
Einflüsse eines die Cornea einbuchtenden Stosses eine Verschiebung erleiden werden, 
die der Richtung des Stosses folgt, scheint mir die einfachste und wahrscheinlichste; 
sie führt zu der Folgerung, dass die Wirkung des Stosses auf die Hinterfläche des 
Auges sich vorzüglich an der Stelle derselben äussern werde, die in der Richtung 
des Stosses der getroffenen Stelle der Cornea gegenüber liegt, nicht allemal am 
andern Ende des durch die getroffene Stelle gehenden Durchmessers. Wäre diese, 
ziemlich verbreitete Vorstellung, der auch Knapp zu huldigen scheint, zutreffend, so 
müsste man, um eine theoretische Begründung für dieselbe zu gewinnen, eine Fort-
	        

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