Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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Auf 885 Geburten in erster und zweiter Schädellage ...... 264 Dammrisse = 29,8 pCt. 
„ 56 „ „ primärer oder secundärer Beckenendlage 8 „ — 14,2 „ 
Die grosse Seltenheit von Dammrissen bei primären sowohl als secundären Beckenend 
geburten gegenüber den Schädelgeburten ist nicht, wie man auf den ersten Blick wohl meinen 
könnte, auf einen für die Erhaltung des Dammes vortheilhafteren Mechanismus zu beziehen^ 
sondern hängt von der grösseren Häufigkeit der Beckenendgeburten bei Mehrgebärenden, im 
Vergleich mit den Erstgebärenden ab 
Von 33 Beckenendlagen kamen auf Primiparae 15 — 45,4 pCt. 
Multiparae 18 — 54,5 „ 
„ 23 Schieflagen ... ., „ Primiparae 5—21,7 „ 
Multiparae 18 — 78,2 „ 
Welche entscheidende Bedeutung dieser Factor hat, zeigt die folgende Zusammenstellung. 
Es entstanden 
unter 20 primären resp. secundären Beckenendgeburten bei Primiparis 7 Dammrisse == 35,0 pCt. 
„ 36 „ „ „ » « Multiparis I „ = 2„ „ 
Was nun die Abweichungen von dem normalen Mechanismus bei Schädelgeburten .betrifft, 
so wurde der entschieden ungünstige quere Austritt des Kopfes unter den genannten tausend Ge 
burten nicht beobachtet. Als ein ungünstiger Mechanismus muss ferner der Austritt des Hinter 
hauptes über den Damm angesehen werden, da hier in der Regel der sagittale Schädeldurch 
messer in seiner ganzen Länge die Schamspalte passiren muss. Wir haben diese Art des Aus 
tritts iomal unter 1000 Geburten beobachtet, dabei erfolgte 4tnal ein Dammriss = 40 pCt. In 
den 6 Fällen, wo der Damm unverletzt blieb, war einmal die Episiotomie gemacht. 
Nicht minder ungünstig ist es, wenn bei Schädelgeburten ein Arm oder beide Arme 
am Kopfe in die Höhe geschlagen sind. 
Unter 12 Schädelgeburten, wo dies der Fall war, ereignete sich 6 mal ein Dammriss 
=■ S° 5 o P Ct - 
Auch bei Beckenendgeburten wirkt diese Complication unvortheilhaft, indem bei 4 der 
artigen Geburten 1 Dammriss = 25,0 pCt. vorkam. 
Dass Dammrisse durch das Austreten der Schultern entstehen, ist zwar nicht unmöglich, 
aber niemals mit Sicherheit zu constatiren. Meist wird es sich hier um solche Fälle handeln, 
wo bereits hinter dem Kopfe die Scheidenschleimhaut eingerissen war und der Riss sich erst im 
Momente des Austritts des Kopfes oder vielleicht auch der Schultern in den Damm fortsetzte, 
jedenfalls nicht vorher bemerkt worden war. 
Schon oben, als ich von der Dehnungsfähigkeit des Dammes unter der Geburt sprach, 
erwähnte ich, dass dieselbe auch abhängig sei von der Dauer der Dehnung. Damit gelangen 
wir an ein sehr wichtiges Capitel in Bezug auf die Aetiologie der Dammrisse. 
Je langsamer die Ausdehnung der Schamspalte erfolgt, je mehr nach SchultzeV) Aus 
druck die Elasticität der umgebenden Weichtheile dabei zur Geltung kommt, um so weiter kann 
die Dehnung getrieben werden ohne die Gefahr der Zerreissung und um so mehr Raum wird 
für den durchtretenden Kopf gewonnen. Es handelt sich hier nicht um die Dauer der ganzen 
Austreibungsperiode, sondern vornehmlich um die Dauer des letzten Stadiums derselben, von dem 
Augenblicke an, wo der Kopf die Schamspalte zu dehnen und den Damm hervorzuwölben be 
ginnt, oder, wie man sagt, zum Einschneiden kommt. Die vorhergehende Zeit ist nur insofern 
von Bedeutung, als die vorbereitende Auflockerung der Theile immerhin eine gewisse Dauer er 
fordert. Bei 132 Geburten mit Dammriss ist die Dauer der Geburt vom Beginn des Einschnei 
dens bis zum vollendeten Austritt des Kopfes genauer angegeben, nämlich: 
*) Schultze, Ueber Erhaltung und Zerreissung des Dammes bei der Geburt. Monatsschrift für Geburlskunde 
und Frauenkrankheiten, Bd. XII, Heft 4, 1858. 
Primiparae 20 = 35,7 pCt. 
Multiparae 36 — 64,2 „
	        

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