Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

kürzeren Hebelarm, das Hinterhaupt wirken, dasselbe wird also unter dem Schambogen weiter 
hervortreten, indem der Kopf eine Rotation um seinen queren Durchmesser macht. Die unter 
stützende Hand bildet hierbei die feste Axe, um welche die Drehung^ geschieht. Eine weitere 
Folge ist dass das Hinterhaupt durch die von unten her wirkende Kraft an den Schambogen 
angepresst wird und sich mit seiner Wölbung fest an den Scheitel des arcus pubis anschmiegt. 
In wie fern dieser Mechanismus für die Erhaltung des Dammes ein möglichst günstiger ist, be 
darf kaum einer weiteren Erklärung. Der Kopf tritt nun mit seinem kleinsten sagittalen d. h. 
dem suboccipito-frontalen Durchmesser in die Schamspalte, der obere Theil der Schamspalte 
wird gehörig ausgenutzt und dadurch der Druck auf den unteren Theil derselben und auf den 
Damm verringert. _ . 
Wird der Druck zum Schutze des Dammes mit Sorgfalt in der eben angegebenen Weise 
ausgeübt und dabei namentlich die Richtung gegen die Mitte des Kreuzbeins inne gehalten, so 
wird sich die von einigen Seiten her ausgesprochene Besorgniss, als könne durch diesen Druck 
das Hinterhaupt am Hervortreten unter dem Schossbogen verhindert werden, als unbegründet 
erweisen. Diese Methode hat sich bei uns entschieden als die beste bewährt, die Unterstützung 
des Dammes geschieht natürlich stets unter Aufsicht eines Assistenten oder der Oberhebamme — 
freilich lässt sich nicht jeder Missgriff in der Ausführung dadurch vermeiden. 
Im Allgemeinen kann man den Damm als gesichert ansehen, wenn die grosse Fontanelle 
über den vorderen Rand desselben getreten ist, namentlich, wenn die Retraction sich alsdann 
mit dem Nachlass der Wehe oder in der Wehenpause vollzieht, was wir zum Theil wenigstens 
durch die Verstärkung des Druckes während der Wehe in unserer Gewalt haben. Eine Aus 
nahme hiervon macht, wenn unbemerkt hinter dem Kopfe die Scheidenschleimhäut eingerissen 
ist und der Riss sich nun im Moment des Austritts in den Damm fortsetzt. 
Im Anschluss hieran ergreife ich noch die Gelegenheit, ein paar Worte über den Mecha 
nismus der Zerreissung zu sagen. 
Abgesehen von den sehr seltenen Centralrupturen, pflegt der Einriss entweder am vorderen 
Rande des Dammes oder von der Scheide her zu entstehen. Die letztere Entstehungsweise ent 
zieht sich unter der Geburt meist unserer Beobachtung, sie kann aber auch zuweilen direct 
beobachtet werden, indem eine über den Rand des Dammes vorgeschobene Schleimhautfalte 
unter unseren Augen platzt. Wir müssen diese Art der Entstehung vermuthen, wenn der Riss 
' in der Scheide erheblich länger ist, als der Riss in der Haut des Dammes. Bisweilen finden 
wir ohne Einriss der Scheide oder der hinteren Commissur nur die Haut des Dammes in der 
Nähe der letzteren geplatzt — ein Zeichen ihrer geringeren Elasticität im Verhältniss zu den 
übrigen Dammgebilden. * _ , 
Von practischer Wichtigkeit ist vor Allem die Grösse der Dammrisse. Sehen wir von 
den 63 kleineren Verletzungen, wobei der eigentliche Damm' vollkommen intact blieb, ab, so 
haben wir es also mit 276 Dammrissen zu thun. Ich habe der Uebersicht wegen die Dammrisse 
in vier Kategorien eingetheilt: 
1. Dammrisse, welche bis in den After reichen, 
2. Dammrisse, welche bis an oder nahe an den After reichen, 
3. Dammrisse, welche ungefähr bis zur Mitte des Dammes reichen und endlich 
4. Dammrisse von noch geringerer Ausdehnung. 
Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet verhalten sich die Dammrisse untei einander, 
was ihre Häufigkeit anlangt, folgendermassen: Es finden sich unter den 276 Dammrissen 
Dammrisse ersten Grades 4— Bis pCt 
„ zweiten „ 45 ^ 1 V : 'o v 
„ dritten „ 80 — 28,9s » 
,, vierten „ I 47~ 53i'i« n
	        

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