Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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vorher gemachter Probepunction im 4 L. Intercost., 2 1 /2 Ctm. nach innen von 
der Mamilla die Fistel angelegt und im ßten Intercost. 1V2 Ctm. nach einen von der 
Mamilla eine Gegenöffnung gemacht und ein Drain hindurch gezogen. In einer 
halben Stunde entleerten sich 600 Ccm. dünnflüssigen Eiters mit Coagulis und 1030 
spec. G. Nun wurde 3 Mal täglich in verschiedenen Stellungen der Thorax aus 
gespült. Trotzdem stieg das Fieber, ja es traten Schüttelfröste auf, das Exsudat 
nahm einen üblen Geruch an und am 20. I. trat oberhalb der Wunde Hautemphy 
sem auf; schon am folgenden Tage war eine grosse Luftblase L. V. O. unter den 
Weichtheilen, die sich bis ans Sternum und die Clavikel, andrerseits bis gegen die 
Fistelöffnungen vorschieben liess; dabei hohes Fieber. Bei der Perkussion gab die 
Blasse Metallklang. Endlich am 25, I. wurde eine Communication jener Blasse mit 
der äusseren Fistelöffnung constatirt. Beim Spülen blähte sich die Blasse hoch auf 
und dann floss das Spülwasser mit Luft vermengt durch die Fistel im 4. Intercostal, 
ab. Die obere Fistel hatte sich bis zum 30. I. geschlossen. Am 31. I. schwerer 
Collabs beim Spülen, von dem sich Pat. jedoch vollkommen erholte. Die Verengung 
der Fistel verhinderte das genügende Abfliessen, sodass der Druck im Thorax zu 
hoch wurde. Am 2. II. klagte Pat. über Kribbeln im L. Arm, zugleich unvoll 
kommene motorische Lähmung; die Blase zwischen Rippen und Weichtheilen lässt 
sich bis in den Gipfel der Axilla verschieben. Nach wenig Tagen war die Läh 
mung bis auf die Daumen . Muskeln eine vollkommene. Beim Spülen durch eine 
Angelegte Oeffnung der Blase blähte sich dieselbe auf und dann trat ein heftiger 
Schmerz im Arm auf. Daher wurde eine Gegenöffnung in der Axilla gemacht, ein 
Drain durchgezogen und die Höhle regelmässig mit ausgespült. Die Bewegungs 
fähigkeit stellte sich rasch bis zu einem gewissen Grade wieder her; vollkommen 
ist sie noch jetzt nicht, besonders ist die Bewegung im Schultergelenk erschwert. 
Am 14- III. konnte der Drain aus dem oberflächlichen Abscess entfernt 
werden. Jetzt waren schon die Rippen so nahe an aneinander gerückt, dass man 
den Quincke’schen Katheter ä double courant anwenden musste, mit diesem, drang 
man am 20. III noch 12 Ctm. weit in der Richtung nach O. H. J. vor. Inzwischen 
hob sich das Allgemeinbefinden sehr; das Fieber mässig, wechselnd; Appetit gut. 
Am 15. VI. drang der Katheter noch 7 Ctm. tief vor, am 28. VI. wurde 
endlich das Drainrohr ganz fortgelassen und rasch erfolgte die Obliteration, sodass 
jetz schon seit Monaten nur noch leichte Krusten von dem secernirten Serum auf 
der unteren Fistelöffnung gebildet werden. Status am 1. IX. 73. Die linke Schulter 
steht tiefer, das Sternum weicht unten stark nach R. ab, die Wirbelsäule im 
Brusttheil sehr wenig nach R. convex. Thoraxumfang auf der Höhe der Mamilla 
71 Cm., wovon 33,5 L., 37,5 R. Sagittaldurchmesser der engsten Stelle, von 
der Fistel im 2. Intercost., (9 Cm. von der Mitte des Sternum) bis zum proc. spin, 
des sten Brustwirbels L. i2'/i Cm., Entfernung der entsprechenden Punkte R. 15 
Cm. Jederseits von der Mamilla 2 stark eingezogene Fistelnarben, nur noch leicht 
nässend, eine desgleichen 6 Cm. über der Mamilla, und 2 in der Axilla. Das
	        

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