Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Schwarte ausgekleidet, in den tieferen Schichten derselben Tuberkel. Die Höhle 
enthält Gas und über 1500 Ccm. einer dicklichen stinkenden linsensuppenartigen 
Flüssigkeit. Herz u. s. w. gesund, Nieren und Milz leichte Stauungshyperaemie. 
Als Pat. im Jahre 69 aufgenommen wurde, war jedenfalls durch das seit 2 
Jahren bestehende Exsudat eine vollkommene Rigidität des Thoraxsceletts herbei 
geführt, sodass auf eine genügende Einziehung nicht mehr zu rechnen war. So 
konnte denn, als Eingriffe nöthig wurden, von der Anlegung einer Fistel nicht mehr 
die Rede sein. Die Beschaffenheit des Exsudats machten ausserdem eine Tuber- 
culose der Pleuren wahrscheinlich. Grade diese setzt ja vornehmlich hämorrhagische 
Exsudate. Gegen eine Fistel-Anlegung musste ferner die Ueberzeugung einnehmen, 
dass die Lunge L. vollkommen comprimirt war und durch die dicken Pleuraschwarten 
ihre Ausdehnbarkeit verloren haben musste. So musste denn von vorn herein auf 
eine vollkommene Wiederherstellung des Pat. verzichtet und nur darauf das Augen 
merk gerichtet werden, sein Leben möglichst zu verlängern und ihm den Rest 
desselben möglichst erträglich zu machen. Wie lange Zeit hindurch diese Aufgabe 
gelöst wurde, das geht wohl aus dem mitgetheilten zur Genüge hervor. Narcotica 
erleichterten ihm die letzten Tage. 
VI. Passend schliessen wir hier den Seetionsbefund eines jungen Mannes an, 
bei dem die Fistel wegen Uneinigkeit der behandelnden Aerzte in der Diagnose, 
zu spät angelegt wurde. Freilich erfolgte der Tod erst 5 Monate nach Anlegung 
der Fistel. 
Sections-Befund bei rechtsseitigem grossem Empyem: 
Im höchsten Grade abgemagerte Leiche, Bauchdecken tief eingesunken. 
Muskulatur und Unterhautzellgewebe überaus trocken, vollkommen fettarm. 
Im 5 ten Intercost, in der lin. axill. R. eine runde 18 Millim. im Durchmesser 
haltende Phoraxfistel. Bei der Eröffnung des Thorax collabirt die L. nur an der 
Spitze leicht verwachsene Lunge gut und lässt den Herzbeutel in grossem Umfange 
unbedeckt. Die R. Pleurahöhle zeigt sich in weitem Umfange von Lunge frei und 
mit einer 5—6 Mm. dicken Schwiele ausgekleidet, welche den Rest derR. Lunge all 
seitig so weit umgiebt, dass dieselbe nur hart am Herzbeutel mit einer 10 Cm. 
langen von O. nach U. sich verjüngenden, oben 2 Cm. in der Höhe der 4ten C., 
wo sie endet U. 6 Mm. breiten Parthie vorragt. Der Lungenrest ist nach H. hin 
nicht mit der Wirbelsäule verwachsen, vielmehr einerseits durch eine 5 Cm. breite 
Adhäsion mit dem 2ten R. Intercost. befestigt, andererseits mit dem Herzbeutel 
fest verwachsen. Die den Hohlraum R. auskleidende Pseudomembran eranulirt stark 
o 
und ist mit nicht stinkendem Eiter bedeckt. 
Auf dem R. Ventrikel eine diffuse Trübung seines Ueberzugs und einen 
Sechser grosser Sehnenfleck. Im Herzbeutel eine geringe Menge völlig klaren 
Serums. Herz klein, atrophisch, Herzmuskulatur schlaff, brüchig. Im R. Ventrikel 
grosses entfärbtes Fibringerinnsel. Klappen normal. Linke Lunge überall lufthaltig,
	        

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