Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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erstreckte, H. zwischen 6ten und 9ten proc. spin, bestand. Diffuse Herzbewegung 
am proc. xiph; R. vom Sternum ist dieselbe verschwunden. 
Bei der Entlassung am 27. II. 72 stand das Exsudat in der lin. mam. zwischen 
der 3ten und 5ten C., überragte die Dämpfung den R. Sternalrand um wenige Cm. 
Vitalcapacität: 2750 Ccm. 
Nach seiner Entlassung besorgte Pat. seine Wirthschaft bei vollkommenem 
Wohlbefinden und ging im Herbst in Helgoland auf die Entenjagd. 
Der Fall illustrirt sich selbst. So langes Bestehen eines colossalen Empyems 
bei vollkommenem Wohlbefinden und ohne jede Temperatursteigerung, ja bei fast 
vollständig erhaltener Leistungsfähigkeit ist gewiss selten beobachtet. Der Verlauf 
legt einem zugleich die Ueberzeugung nahe, dass hier jedenfalls die Punction trotz 
der eitrigen Beschaffenheit des Exsudats das einzig mögliche war, da eine starke 
Schwiele die Lunge an der Ausdehnung verhinderte und vollständige Rigidität des 
Rippenkorbes eine breite Eröffnung unmöglich machte, weil derselben wahrscheinlich 
Verjauchung des Exsudats alsbald gefolgt wäre. Die Verschiebung der Nachbarorgane 
allein genügt wohl kaum zur Ausfüllung eines so mächtigen Cavum. Dem Widersacher 
der Punction kann wohl nicht leicht ein glänzenderer Beweis von der Ungefährlich 
keit dieser so leichten Operationsmethode geliefert werden. Ist sie doch auch für 
den Patienten selbst nur wenig schmerzhaft, schon wegen der schnellen Ausführbar 
keit der Operation. Das wesentliche bei der Behandlung der Pleuritiden ist die 
Diagnose und auch diese dürfte doch bei der so eingehenden Ausarbeitung, welche 
die Symptomatologie im Laufe der jüngsten Zeit erfahren hat, nicht so schwer zu 
stellen sein. 
V. Phthisische Anlage. Grosses hamorrhaghisches Exsudat. Vier Punctionen. 
Mehrmals günstig verlaufender Pneumothorax; schliesslich führt ein solcher den Exitus 
letalis herbei. Section: Tuberculose. 
W. B., 34 J. Mehrere Familien - Mitglieder an Phthisis gestorben. Bisher 
gesund litt Pat. Winter 67 an allmählich sich verschlimmerndem Husten. Im Mai 
67 erkrankte er schwer fieberhaft, 7 Tage lang ohne Besinnung. Nach 3 Wochen 
Gefühl von Schwere und Beengung in der linken Brusthälfte, durch Schütteln konnte 
er Plätschern in der Brust erzeugen. Im Sommer Besserung nach einer Molkencur, 
im Winter vermehrter Husten mit reichlichem nicht eitrigem Auswurf. In der letzten 
Zeit Diarrhoen; seit 4 Wochen bemerkte er Zunahme des Exsudats, Abnahme der 
Harnmenge. 16. VII. 69. Bei seiner ersten Aufnahme ins Spital bedeutendes 
linksseitiges Exsudat. Spitzenstoss in der epigastrischen Grube, Klappenschluss der 
Pulmonalis im 3ten Interc. R. fühlbar. Zwerchfell links tief ins Abdomen vorgebaucht. 
Thorax L. um c. 2 Cm. weiter als R. Dämpfungsgrenze nach R. vom R. Sterno. 
Claviculargelenk gegen die Mamilla streichend. Pectoralfremitus vollkommen auf 
gehoben. L. unbestimmtes Athmen oberhalb der Clavicula, R. gutes Athmen. 
Trachea nach R. verzogen. Vitall-Capacität 1300 Ccm Husten mit reichlichem 
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