Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

9 
2 
Am i. XII. 72 gewahrte Pat., deren Thoraxabscesshöhle noch etwa 100 Ccm. 
Wasser fasste, nach dem Spülen das verschwundene Katheterstück in der P'istel- 
öffnung und holte es nach dreistündigem Bemühen mit einer Nadel heraus. — Leider 
hatte sich Pat. im Verlauf ihrer Krankheit sehr an den Gebrauch von Morphium 
gewöhnt. Wahrscheinlich in einer solchen Narkose gerieth bei einer späteren Spü 
lung wieder ein Stück Katheter in den Abscess hinein, der eine völlige Heilung 
bisher hintanhielt. 
IV. Empyem L., seit 4 Jahren. In 9 Wochen 3 Punctionen. Lungencapa- 
cität von 1500 auf 2750 Ccm. Durchaus fieberlos, vollkommenes Wohlbefinden. 
Gastwirth R. aus Helgoland, 45 J. alt, kräftig gebaut. 
Nachdem im Laufe des Jahres 68 Husten und Seitenstechen voraufgegangen 
waren, constatirte man im Spätherbst ein Empyem, welches schon damals das Pul- 
siren des Herzens R. vom Sternum wahrnehmen Hess. Im März 69 konnte Pat. 
das Haus verlassen, er klagte nur noch über Kurzathmigkeit. Im October unter 
Fieber Seitenstechen und Vermehrung der Kurzathmigkeit. Im Frühjahr 70 ging 
Pat. wieder ins Freie. Von Mai bis September. 70 von neuem Schmerzen. Bis zum 
April 71 Wohlbefinden. Damals neue Erkrankung, die im August nach 24 warmen 
Seebädern schwand. Seitdem befindet sich Pat. relativ wohl, hat keine Schmerzen, 
wenig Husten, nur verursacht ihm die geringste Anstrengung Dyspnoe. 
Am 3. XI. 71 wurde constatirt: extremste Verdrängung der Herzens nach 
R.: systolische Einziehung im 5- und 6ten Intercost., 6 Cm. vom R. Sternalrand; 
A. pulmonal pulsirt im 3^cn Intercost., 6 Cm. weit vom R. Steinahand. Ausserdem 
Bewegung des Herzens sicht-und fühlbar im 4ten, 5ten und 6ten Intercost. in einem 
Raum von 9 Cm. Länge. Trachea deutlich nach R. verzerrt. L. Thoraxhälfte steht 
fast still, ist auf Mamillar-Höhe 3 Cm. weiter als R. Die absolute Dämpfung über 
schreitet den R. Sternalrand am 3ten Rippenknorpel um 6 Cm.; weiter abwärts 
wird durch die Herzdämpfung der volle Schall der R. Lunge an der 4ten Rippe 
um 12, an der 5ten um 13, an der 6ten und 7ten gar um 17 Cm. vom R. Sternal 
rand entfernt o-ehalten. Das Zwerchfell stark beutelförmig in die Bauchhöhle her 
abgedrängt. Der tastende P'inger fühlt an demselben deutlich den Stoss jeder Herz 
systole. Vitalcapacität schwankt zwischen 1500 und 1550 Ccm. Hauchendes 
Athmen hört man nur L. H. an der Lungenwurzel. R. Lunge beim Sitzen gutes 
Vesiculärathmen, beim Liegen starkes Schnurren und Pfeifen bei der Exspiration. 
— Temperatur normal. Puls kräftig. 
6. XI. Punction im 6. Intercost. L. mit einem durch Schafdarmventil ver 
schlossenen Probetrokar. Bis zum 9- XI. Nachmittags, 72 Stunden lang, tröpfelt 
guter Eiter ab bei vollkommenem Wohlbefinden des Patienten. Im Ganzen wurden 
4100 Ccm. von 1030 spec. G. entleert. Das Serum enthält 6, 84 % Albumen. 
Am 10.' XI. hielt die Grenze des leeren Schalls bis zum 2ten Intercost. den 
R. Sternalrand inne, von da ab wich sie immer mehr nach R. ab, bis sie auf der 
6ten C. last 6 Cm. vom R. Sternalrand ^entfernt war. Hier setzte fast 2 Cm. nach
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.