Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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schlossen. Nachdem 2400 Ccm. Eiter von 1023 spec. G. und guter Beschaffenheit 
entleert waren, fühlte sich Pat. sehr erleichtert. Doch schon nach 6 Tagen erreichte 
die Dämpfung wieder den R. Sternalrand (beim Liegen); Fieber und Kurzathmigkeit 
zwangen zu einer Wiederholung der Function. Wieder wurden 2400 Ccm. entleert, 
merkwürdigerweise von gar 1025 spec. Gew. Die Punction war gemacht, nachdem 
man die Haut nach oben verschoben und einen kleinen Hautschnitt gemacht hatte, 
das Ventil hatte wieder gut geschlossen, die Wunde wurde sofort mit Heftpflaster 
verklebt und trotzdem waren am folgenden Tage die deutlichen Zeichen eines 
Pyopneumothorax da, succussict Hippocratis, das Anschlägen der Welle gegen die 
tastende Hand bei Bewegungen des Pat., der Wechsel der Dämpfungsgrenze beim 
Sitzen und Liegen u. s. w. Da jeder Lufteintritt bei der Punction vermieden wurde, 
so wird wahrscheinlich bei Hustenstössen durch eine Lungenfistel Luft in die Pleura 
höhle eingetrieben sein. Bewiesen wurde das Bestehen einer solchen Fistel erst, 
als nach 14 Tagen etwa plötzlich eine grosse Menge geballten eitrigen Sputums 
durch Hustenstösse besonders beim Aufrechtsitzen entleert wurde. Nie zeigte das 
Sputum eine Spur üblen Geruchs. Anfangs fieberte Pat. dabei freilich bis 40 °, 
jetzt aber, 7 Wochen nachher, nimmt das Fieber mehr und mehr ab, der Kräfte 
zustand hebt sich entschieden, das Exsudat nimmt, freilich sehr langsam, an Masse 
ab. Hätte in diesem Falle das Empyem nicht schon seit 6 Wochen bestanden, so 
würde Professor Bartels durch das Alter des Patienten sich wohl nicht haben ab 
halten lassen, eine dauernde Fistel anzulegen und den Thorax durch Spülungen 
rein zu halten. Freilich ist bei der arbeitenden Klasse in der Regel um das 5oste 
Jahr schon eine hohe Rigidität der Thoraxwand anzunehmen. Nun aber vollends 
war nach so langem Bestehen eines Empyems auf eine gute Einziehung der Thorax 
wand nicht wohl zu rechnen und anzunehmen, dass die Lunge von einer dicken 
Pleuraschwarte an der Entfaltung gehindert wird. Doch wird selbstverständlich so 
fort eine geräumige Fistel angelegt, wenn übler Geruch des Sputums eine Zersetzung 
des Empyems anzeigen sollte. Bis dahin wird die Widerstandsfähigkeit des Pat. 
durch kräftige Ernährung und Darreichung von Wein erhalten. 
III. Empyem mit Durchbruch durch einen Bronchus. Punction, dann Fistel 
angelegt. Ein Stück Nelaton bleibt längere Zeit in der Höhle liegen. Morphio- 
phagie. Zum zweiten Mal geräth ein Stück hinein. Heilung noch nicht vollendet. 
Frl. G., 25 J. alt, sah seit Mai kränklich und blass aus, seit Ende Juni An 
fälle von Athemnoth. Der stärkste der Art, als in der Nacht vom 7. VII. 71 eine 
grosse Menge Eiters mit unerträglichem Hustenreiz ausgeworfen wurde. Tags drauf 
sah Prof. Bartels die Kranke: Hochgradige Cyanose und Kurzathmigkeit, welche 
durch jede Bewegung zu einem Anfall von Asphyxie gesteigert wurde. Puls kaum 
fühlbar. Pulsation der A. pulmonal, im 3ten R. Intercost., 3 Cm. vom R. Sternal 
rand. Spitzenstoss in der Magengrube. L. von%em 3ten Rippenknorpel bis zum
	        

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