Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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eigenthümliches Geräusch, welches offenbar durch das Aufsteigen von Gasblasen 
durch das Exsudat und das Platzen derselben an der Oberfläche der Flüssigkeit 
entstand. Als man zur Erzeugung des Plätschergeräusches die Hände an Brust und 
Rücken legte, fühlte man die Eiterwelle kräftig gegen die Brustwand anschlagen. 
Später, als schon die Succussio nicht mehr hörbar zu machen war, fühlte man doch 
noch den Wellenschlag.- Da das Sputum von der 6ten bis ioten Woche zunahm, 
nie aber einen üblen Geruch hatte, da endlich das Fieber nie über 39 0 stieg', so 
stand man von der Thoracocentese ab. Von der 11 ten Woche an nahm das Fieber 
stetig ab, Morgens unter nächtlichen Schweissen Remissionen bis 36,8. Der Luft 
eintritt in die Pleurahöhle wurde noch immer beobachtet, doch nahm das Exsudat 
und das Sputum gleichmässig ab. Zugleich bemerkte man deutliches Retrecissement 
R. In der I3ten und I4ten Woche hörte das Fieber gänzlich auf, ebenso der 
Husten, und Sputa wurden nur dann entleert, wenn der Oberkörper nach L. und 
V. vorübergeneigt wurde. Auch dann betrug die Masse des entleerten nur 1—2 
Esslöffel voll. In der i5ten Woche verliess Pat. das Bett. Während des April 
und Mai sistirte die Expectoration gänzlich, Mitte Juni hörten auch die Nachtschweisse 
auf. Im August ist noch eine geringe Abflachung des Thorax R. vorhanden, doch 
bewegt sich derselbe bei der Athmung, der Percussionsschall ist R. noch etwas 
matt, das Athmen schwächer als L., Lungenverschiebung fehlt. Vitalcapacität 
2400 Ccm. 
Interessant ist an diesem Falle ausser jenem eigenthümlichen Auscultations- 
Phänomen, entstanden durch das Aufsteigen der Luftblasen im Empyem nach Per 
foration in einen Bronchus, die grosse Neigung zu Blutungen aus Lungen, die ziem 
lich schnell von einem sie comprimirenden Druck befreit worden; freilich kam es 
nicht zu einer grösseren Hämoptoe, doch wurden mehrmals einige Gramm Blut auf 
einmal entleert. Gemeinsam ist diesem Fall mit einem anderen, den wir hier an 
reihen wollen: die grosse Widerstandskraft der beiden Empyeme gegen die Päul- 
niss, die doch sonst bei der Berührung mit der athmosphärischen Luft so leicht 
eintritt. 
Empyem R., seit 6 Wochen bestehend bei einem 48jährigen Arbeiter. Im 
Verlauf von acht Tagen 2 Punctionen unter Luftabschluss, bald nach der zweiten 
Pyopneumothorax. Nach ferneren 14 Tagen Durchbruch durch einen Bronchus: das 
Exsudat nimmt bei fortwährender Entleerung durch die Lunge allmählich ab. 
H. W., Werftarbeiter, 48 J. alt, erkrankte ohne bekannte Veranlassung am 
ii. Mai er. mit Fieber, Seitenstechen, etwas Husten mit massigem schleimigem 
Auswurf. Allmählich bemerkte er eine Ausdehnung der R. Thoraxhälfte. Bei sei 
ner Aufnahme ist das Gesicht gedunsen, cyanotisch. Das grosse Empyem R. drängt 
die Leber weit nach U., der Herzstoss ist im 5 Intercost., 6 Cm. nach aussen 
von der Mamilla, die Dämpfung reicht bis zur Clavicula und überschreitet den L. 
Sternalrand noch um mehr als 1 Cm. Am folgenden läge machte Herr Prof. Bar 
tels die Punction mit einem Trokar von 4 Millim. Rohrstärke, durch Schafdarm ver-
	        

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