Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

V 
Die Erkrankungen der Pleura sind besonders in neuerer Zeit ein Lieblingsthema 
einiger der grössten Meister unserer Kunst gewesen, Männer wie Wintrich und 
Trousseau und in neuester Zeit Roser, Bartels und Kussmaul haben sich um die 
Diagnostik und Therapie derselben grosse Verdienste erworben. Da jedoch trotz 
dem die operative Behandlung noch immer nicht zum Allgemeingut geworden ist, 
so dürften einige Beobachtungen, meist über den Erfolg von operativen Eingriffen, 
aus der Kieler Klinik und aus der Privatpraxis des Herrn Professor Bartels wohl 
eine Veröffentlichung verdienen, zumal da fast jeder Fall sein besonderes Interesse 
in Anspruch nimmt , & alle operirten Fälle aber der an sich so einfachen operativen 
Behandlung das Wort reden. Meinem verehrten Lehrer, Herrn Professor Bartels, 
erlaube ich mir hier für seine grosse Güte und speciell für die Bereitwilligkeit, mit 
der er mir das Material zur Verfügung stellte, meinen herzlichsten Dank auszusprechen. 
i Empyem R., durch einen Bronchus entleert. Pyopneumothorax ohne 
Jauchung. Genesung. 
Stud A 2 r > J. alt, erkrankte Anfang December mit Abends exacerbirendem 
Fieber Seitenstechen und Kurzathmigkeit, ohne Schüttelfrost. Er bekam bald das 
Gefühl’ eines eigentümlichen Reibens H U R. Erst am 16. XII. constatirte man 
neben weitverbreiteten trocknen Reibegeräuschen R V alle Symptome eines bis zur 
4 C. (Rippe) reichenden Pleuraexsudats, welches die Leber um wenige Cm. nach 
abwärts drängte. Vier Eisbeutel wurden an die R. Thoraxhälfte applicirt und jeden 
zweiten Abend meist 2 grmm. Chinin gereicht, später gab man kurze Zeit Digitalis, 
da die Kurzathmigkeit und Pulsfrequenz bedeutend stieg. In der ßten Woche sank 
das Exsudat, die Allgemeinerschelnüngen Hessen nach. Während der 4ten und 5ten 
Woche war die Temperatur normal, doch steigerte sich der Husten und Ende der 5ten 
Woche wurden mehrere Tage lang blutige Sputa ausgeworfen, zu einer stärkeren 
Hämoptoe kam es jedoch nicht. Als Pat. am 26. Januar aufgestanden war, zwang 
ihn der plötzlich heftiger einsetzende Husten und leichtes Fieber das Bett wieder 
aufzusuchen. Jetzt warf er grosse Mengen grünlichen Sputums aus, welches aus 
frischen und zerfallenden Eiterzellen und Fibringerinnseln bestand. Man bemerkte 
die succussio Hippocratis und hörte beim Auscultiren während der Inspiration ein
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.