Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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hinter der Glans eine tiefe Einschnürung, das Präputium hängt als ein hühnereigrosser Sack 
über die Glans herunter. Das Scrotum fühlt sich fest und derb an, ebenso der Damm. Wenn 
Pat. zu Bett liegt, ist er im Stande, den Urin mehrere Stunden anzuhalten, dann stellen sich 
stechende Schmerzen ein. Richtet sich Pat. jetzt auf, so beginnt sofort Harnträufeln aus der 
Fistel und aus der Urethra, nachdem zuvor aus jeder dieser Oeffnungen ein- Paar Tropfen Eiter 
hervorgequollen sind. Beginnt er dann zu pressen, so entleert sich der Urin in feinem Strahl 
aus allen 3 Oeffnungen, aber so, dass der Strahl aus dem Orificium urethrae zuletzt zum Vor 
schein kommt. . Die Harnröhre ist in Folge der bedeutenden Paraphimose dicht hinter der Glans 
fast rechtwinklich geknickt. 
Am 3. VI wurde die Urethrotomia externa gemacht: Nach Einführung der Syme’schen 
Sonde bis zur Stricturstelle, die etwa 1 ctm. hinter dem bulbus urethrae lag, wurde genau in der 
Raphe des sehr verdickten Perineums eine Incision von U/2 Zoll Länge gemacht und durch 
seichte Schnitte immer genau in der Mittellinie die in speekig-callöses Nervengewebe verwandelte 
Substanz des Perineum so lange getrennt, bis die Spitze der Syme’schen Sonde zu Tage trat. 
Sofort spritzte ein ziemlich kräftiger Urinstrahl aus dem unteren Wundwinkel hervor. Obgleich 
es nicht gelang, das centrale Urethralende zu Gesicht zu bekommen, konnte doch ohne grosse 
Mühe eine entsprechend gekrümmte Hohlsonde in die Blase geführt werden Auf dieser wurde 
dann eine feine metallene Leitungssonde eingebracht, unter deren Zuhülfnahme ein Busch'scher 
Katheter mittleren Kalibers durch die ganze Länge der Urethra mit Leichtigkeit geschoben 
werden konnte. 
Als 72 Stunden nach der Operation, der keine Reaction folgte, der Katheter, welcher 
allen Urin abgeführt hatte, extrahirt wurde, blieb das silberne Ansatzstück desselben in der Blase 
zurück. Obgleich vor der Extraction des Katheters die Leitungssonde eingeführt war, das Ansatz 
stück also wahrscheinlich noch auf derselben sass, waren doch alle Versuche, dasselbe zu finden, 
vergeblich: zuerst von der Urethra, dann audi vom Perineum aus, nachdem die grossentheils 
schon verklebte Wunde mit Finger und Messer erweitert worden war. Nach diesen erfolglosen 
Bemühungen wurde die Pars prostatica mittelst Stromeyer’schen Lithotome cache (Feststellung 
auf 9 Linien) gespalten und dann mittelst Steinlöffel, Steinsonde etc. der fremde Körper zu finden 
und zu fassen versucht; alles vergeblich. Als die ziemlich heftige Reaction nach diesen Eingriffen 
vorüber war, wurden neue Versuche zur Auffindung des Fremdkörpers gemacht, allein wiederum 
erfolglos. Der Pat. konnte den Urin eine Zeit lang halten und dann willkürlich entleeren, zü i / 3 
auf natürlichem Wege, zu ~/ 3 durch die Wunde, durch welche in der Zwischenzeit ein geringes 
Abträufeln stattfand. Die Wunde verkleinerte sich rasch wieder, sodass schon 5 Wochen nach 
den letzten Extractionsversuchen zinnerne Sonden in anwachsender Stärke durch die Urethra ein 
geführt wurden, und Pat. schon 8 Wochen nach dem Stricturschnitt, trotz der intercurrenten 
Operationen, geheilt entlassen werden konnte. Die zinnerne Sonde Nr. 11 drang ohne Schwierig 
keit in die Blase und Pat. wurde angewiesen, dieselbe noch lange Zeit zu gebrauchen. 
VI. F a 1 1. 
Schussverletzung des Penis, Urethra, Os sacrum. Knickung und narbige Verengerung der 
Urethra. Urethrotomia und plastische Operation. Heftige Blutung; Tod durch Pyaemie nach 
14 Tagen. 
Georg S., 28 J. alt, Zimmermeister aus Oldenburg, erhielt als Musketier beim 85. Reg. 
in der Schlacht bei Gravelotte einen Schuss durch Penis, Urethra, Os sacrum. Die Kugel drang 
an der linken Seite des Penis ein, dicht hinter der Glans, zerriss die bedeckende Haut des Penis 
und kam an der linken Seite des oberen Endes der Crena ani wieder zum Vorschein. Das 
linke Bein war gleich gelähmt; Pat. lag 22 Stunden auf dem Schlachtfelde, wurde dann nach 
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