Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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führen zu können und wollte dann durch Anschrauben der oberen Hälfte das Instrument so weit 
verlängern, dass ein vorn offener Katheter zuerst bis an die Sfrictur und nach Spaltung des 
Narbengewebes sicher bis in die Blase geschoben werden konnte. Diese Absicht misslang anfangs 
dadurch, dass es nicht möglich war, die steife silberne Sonde durch die 3. enge Strictur hindurch 
zu schieben. Er nahm deshalb wieder ein feines elastisches Bougie Nr. 1, und als es nun gelang, 
dasselbe in die Blase zu schieben, verlängerte er dasselbe durch Anschrauben des oberen Endes 
der Silbersonde und konnte dann einen Busch’schen Katheter auf derselben bis an die Strictur 
fuhren. Nun wurde die Scrotalfistel gegen den Knopf des Katheters zu erweitert und die Urethra 
soweit (15 mm.) gegen die Blase hin gespalten, dass neben dem feinen Bougie eine gekrümmte 
Hohlsonde eingeführt werden konnte. Auf dieser nun den Katheter weiter zu führen, gelang nicht, 
weil derselbe durch den Silberknopf am vorderen Ende zu steif wurde. Nachdem daher beide 
zurückgezogen, die Hohlsonde aber liegen geblieben war/wurde die ursprüngliche gekrümmte 
Furchensonde durch die Urethra und auf der Hohlsonde bis in die Blase geführt, und auf dieser, 
mit Leichtigkeit ein Katheter eingebracht, bei dessen Einführung wenig Urin abfloss. Nun wurde 
die Furchensonde entfernt und der Katheter befestigt. 
Nach der Operation trat etwas Erbrechen ein, sonst keine Reaction. Als der Katheter 
nach 48 Stunden entfernt wurde, floss der Urin fast gänzlich aus dem Orificium urethrae; der 
massige Strahl, welcher durch die Wunde abging, wurde von Tag zu Tage kleiner, bis nach 3 
Wochen die Wunde geschlossen war. Dieselbe brach noch einmal wieder auf, schloss sich aber 
nach einigen Tagen wieder definitiv. Im Verlauf der Heilung stellte sich die Enuresis wieder ein, 
Pat. wurde deshalb Nachts geweckt, um den Urin zu entleeren. Nach vollständiger Heilung der 
Wunde, welcher Process reichlich 4 Wochen dauerte, verschwand auch die Enuresis, der Harn 
strahl war dick und kräftig, und ist es geblieben, obgleich kein Katheter wieder 
eingeführt ist. 
II. Fall. 
Alte traumatische Strictur in der Pars membran. Urethrotomia externa. Heilung inner 
halb 4 Wochen. 
Thies E., 36 Jahr alt, Arbeiter aus Kuden, fiel vor 8 Jahren von einem Wagen und zwar 
dergestalt, dass er mit dem Damm auf ein Rad aufschlug. Er empfand sofort heftige Schmerzen, 
aus der Urethra traten einige Tropfen Blut hervor. Wegen Urinretention wurde bald nachher 
ein Katheter eingeführt und durch denselben ‘der Urin entleert. Nachdem dies einigemale wieder 
holt war, konnte Pat. wieder ohne Kunsthülfe willkürlich pissen. Ausser einer etwas verminderten 
Stärke des Harnstrahls will Pat. keine Folgen nach dem Fall bemerkt haben, bis Anfang Sept, 
v. J. eine schmerzhafte Schwellung des rechten Hodens sich einstellte. Später entleerte sich 
durch spontan nach äussen erfolgten Durchbruch eine ziemlich beträchtliche Menge Eiter. Nach 
dem diese Hodenschwellung ca. 3 Wochen bestanden hatte, trat plötzlich am Abend des 20. Sept. 
Retentio urinae auf, weswegen am folgenden Tage nach einem erfolglosen Versuch zu katheteri- 
siren, von einem Arzt der äussere Stricturschnitt versucht, aber nicht zu Ende geführt wurde, weil 
die nöthigen Instrumente nicht zur Hand waren; es wurde daher der Blasenstich gemacht. Zwei 
Tage nach der Punction wurde durch den Katheter eine Entleerung der Blase erzielt, wonach 
Pat. wieder ohne Kunsthülfe pissen konnte. Behufs gänzlicher Heilung liess er sich auf Rath 
seines Arztes in die hiesige chirurgische Klinik aufnehmen. Status praesens. Beim Sondiren 
wird Bougie Nr, 4 (D/F") in die Blase geführt, stössf aber in der Gegend der Pars membranacea 
auf ein Himjerniss und wird hier ziemlich fest engagirt, auch zeigt es sich beim Herausziehen an 
seiner Spitze mit blutig gefärbtem Schleim überzogen. Dem mit mässiger Kraft entleerten Harn 
strahl geht das Abtröpfeln einer geringen Harnmenge unmittelbar vorher, gegen Ende der Ent-
	        

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