Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

Bei Stricturen, welche, wenn auch nur die feinsten Bougies passiren lassen, ist es im Interesse des 
Patienten stets geboten, zuerst die Dilatation auf unblutigem Wege zu versuchen. Von dieser 
Behandlung muss aber abgestanden und zur Boutonniere geschritten werden, wenn 
c) die permeablen Stricturen zwar den Durchgang von Bougies gestatten, Wenn aber bei 
dieser Behandlung heftige Reactionserscheinungen auftreten, welche die consequente 
Durchführung dieser Methode gefährlich erscheinen lassen; 
d) die Strictur durch allmähliche Dilatation zwar erweitert wird, aber stets rasche Nei 
gung zu Recidiven zeigt. 
e) die indurirten und callösen Massen der langsamen Dilatation -zu grossen Widerstand 
entgegensetzen oder dieselbe gänzlich unmöglich machen. 
* 
Unter diesen Umständen unternommen, hat die Operation die schönsten Erfolge aufzu 
weisen; wenn aber hierüber die Ansichten der Autoren noch nicht einig sind, so hat dies seinen 
Grund wohl mit in der Verschiedenheit der veröffentlichten Statistiken. Dieselben weisen aller 
dings nicht gleiche Resultate auf; machen wir uns aber klar, was man eigentlich unter Urethro- 
tomia externa versteht, so leuchtet es leicht ein, dass die mit diesem Namen bezeichnete Ope 
ration keineswegs eine typische ist, dass vielmehr unter einer grossen Anzahl von Fällen kaum 
zwei als übereinstimmend getroffen werden, dass in Folge dessen der Erfolg auch nicht derselbe 
sein kann. Man versteht unter Urethrotomia externa die Eröffnung der Harnröhre durch Schnitt 
von aussen naclf innen, ganz ohne den Ort der Operation damit genau zu begrenzen, oder Com- 
plicationen auszuschliessen, durch welche gerade der weniger gute Erfolg dieser Operation bedingt 
wird. Ist die veranlassende Ursache der Operation eine Strictur ohne Complicationen in der 
Pars pendula, so ist der Eingriff gering, und ich habe in der Literatur keinen Fall mit üblem 
Ausgang verzeichnet gefunden. Grösser wird schon die Operation, wenn in der Gegend des 
Scrotum operirt wird;'dass aber die Statistik der Urethrotomia in der pars pendula und derje 
nigen. wo das ganze Perineum und die Urethra event, bis zum Blasenhals gespalten werden muss, 
nicht übereinstimmen kann, ist selbstverständlich. Von wesentlichem Einfluss auf den Erfolg ist 
auch der Zeitpunkt, in welchem operirt wird. Möge es mir gestattet sein, hier eine Parallele zu 
ziehen zwischen anderen Operationen, z. B. Amputationen und der Urethrotomia externa. Be 
kanntlich geben erstere, wenn sie primär oder tertiär unternommen werden, ein weit günstigeres - 
Resultat als die secundären, wo in dem zu operirenden Körpertheil noch eine acute oder .subacute 
Entzündung besteht Dasselbe Verhältniss ist mir in der Literatur aufgefallen und ich werde es 
an einer Anzahl von Fällen beweisen. Der Kürze halber erlaube ich mir den Ausdruck Primär 
operirt für solche Fälle zu gebrauchen, wo unmittelbar nach einer Verletzung operirt wurde, Se- 
cundär operirt für solche, bei denen acute oder subacute Entzündungen, z. B. Abscesse, be 
standen, Tertiär operirte — alle Fälle, bei denen chronische oder gar keine Entzündung mehr bestand. 
Sedillot, Contributions ä la Chirurgie, Bd. II. 
8 Tert. Op., davon 2 Todte. 
Syme, Ueber Harnröhrenverengerung und Dammfistel, deutsch v. Schroeder. 
Tert. Op., davon o Iodte, 
Doutrelepont in Langenbecks Archiv für Klin. Chir. Bd. VII. 
9 Fälle, davon 5 gestorben; 3 freilich nicht in Folge der Operation: 1 an Carcinoma 
ventriculi, 1 an Tuberculose, 1 an Beckenfractur. Die übrigen 6 waren 1 Prim. Op., 
3 Sec. Op., 2 Tert. Op., davon 2 Sec. Op., todt an Pyacmio. 
Billroth in Langenbecks Archiv für Klin. Chir. Bd. X. % 
i Prim. Op., 4 Sec. Op., davon 3 Sec. Op. todt. 
Haussmann, Zur Casuistik der Boutonniere. Tübingen 1868. 
i Sec. Op., 10 Tert. Op., davon 1 Sec. Op. todt.
	        

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