Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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grösseren Arterien verlaufen; die Verletzung des gewöhnlich degenerirten Bulbus Urethrae ver 
ursacht selten erhebliche Blutung. Sie lässt sich event, leicht durch Ligatur, Umstechung, Kälte,' 
Compression stillen. » 
2) Urininfiltration. 
Diese wird bei gehöriger Vorsicht nicht durch die Operation hervorgerufen, sondern 
eher, wenn sie schon vorhanden ist, gehoben. 
3) Abscesse in der Nähe der Wunde. 
Sie können nur zu Stande kommen, wenn die Hautwunde zu klein angelegt oder zu früh 
verklebt ist, wodurch der Liter frei abzufliessen verhindert wird. 
4) Blasenkatarrh und Nierenerkrankungen 
werden in der Regel nach der Operation besser; bisweilen exacerbiren sie aber wegen des Ver 
weilkatheters, welcher dann sofort zu erfernen ist. 
5) Sy me s ) führt eine Gefahr an, welche nämlich in Störung des Allgemeinbefindens mit 
entsprechender Reizbarkeit des Patienten beruht und veranlasst wird durch die Reizung des 
Urins der durch die frisch verklebten Wundränder wieder hervorbricht. Die gewöhnlichen Symp- 
tome 1 dieses Ereignisses sind Schüttelfrost, Erbrechen, erhöhte Pulsfrequenz; in seinen höheren 
Stadien Delirien, Harnverhaltung und Coma. Um diesen Zustand zu verhüten, schlägt Syme 
vor, die Urethra in weiter Ausdehnung zu spalten, um ihrer zu raschen Verklebung vorzubeugen, 
einen Katheter längere Zeit in der Blase liegen zu lassen, ab und zu den Finger in die Damm 
wunde einzubringen und schliesslich einen Katheter durch die Perinealwunde einzuführen. 
6) Pyaemie. , , , 
Dieselbe ist selten Folge der Operation, sondern rührt gewöhnlich von periurethralen 
Abscessen her wovon weiter unten noch die Rede sein wird. Die Entstehung dieser Abscesse 
wird meistens’der Urininfiltration zugeschrieben; Busch 1 ’) hat aber an Präparaten nachgewiesen, 
dass »die Urethralwand nicht von dem Urin von innen nach aussen durchbrochen wird, sondern 
dass sich in Folge eines periurethralen Abscesses Necrotisirung der Harnröhre von aussen nach 
innen bildet.« , _ , , . 
Fragen wir uns nun: auf welche Weise wird durch den äussern Harnrohrenschnitt die 
verengte Stelle dauernd erweitert? , , . . , 
Die durch die Urethrotomia externa hergestellte Schnittfläche bedeckt sich, wie jede 
Wundfläche welche Tendenz zur Heilung zeigt, mit Granulationen. Würde man eine lineare Narbe 
erzielen so’wäre nach erfolgter Heilung der Zustand derselbe, wie vor der Operation; erreicht 
man dagegen eine flächenhafte Narbe, so wird das Lumen der Urethra um die Ausdehnung der 
Narbe vergrössert. Die prima intentio und die event, dadurch erzielte Narbe wird schon ohne 
spätere Kunsthülfe durch das Klaffen der Wundränder verhindert; die zuerst entstandenen und 
der Schnittfläche zunächst gelegenen Granulationen beider Seiten berühren sich anfangs nicht, 
können sich in Folge dessen auch nicht vereinigen; sie orgamsiren sich also hoher und treiben 
auf ihrer Oberfläche neue Granulationen, welcher Process sich solange wiederholt bis die m 
Contact geratenen Granulationen beider Wundflächen sich berühren und ihnen so die Möglich 
keit einer Verschmelzung geboten wird. Wahrend dieser Zeit ruckt nun die: Epithellage vom 
Wundrande aus über die neu entstandene Narbenstubstanz vor, wodurch eine mit Epithel bedeckte 
ganz neue Oberfläche gewonnen wird, welche je nach dem ursprünglichen Klaffen der Wunde 
verschieden sein muss. ' Bliebe nun die junge Narbe sich selbst überlassen, so wurde sie sich im 
I auf der Zeit vielleicht mehr und mehr contrahiren und das anfangs günstige Resultat der Opera 
tion wieder verschlechtern, resp. ganz in Frage stellen. Die Nachbehandlung hat also ihre Sorge 
dahin zu wenden, dass die zur Contraction tendirende Narbensubstanz an diesem Vorgang verhin- 
6) Observations in Clinical Surgery. Edinburgh 1862, pag. 211. 
!>) Sitzungsbericht der Niederrheinischen Gesellschaft. Bonn, 9. Juli 1S62.
	        

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