Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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grosses Verdienst um die Operation geschmälert, vielmehr nur darauf hingewiesen werden, dass 
dies Verdienst nicht in einer neuen Methode, sondern in einer neuen Indication besteht. Syme 
ist nämlich der erste, welcher bei permeablen Stricturen, welche der Dilatation grossen Wider 
stand entgegensetzen, welche zwar zu dilatiren sind, aber grosse Neigung zur Wiederverengerung 
zeigen, welche nach einer langsamen Dilatation heftige Reaction im Gefolge haben, die Bonton 
niere anwandte, ihre vorzüglichen Erfolge sah und veröffentlichte. 
In einer 1869 in New-York erschienenen Brochüre erklärt Gouley 7 ) die sog. Syme’sche 
Methode für ebenso unsicher, wie das von letzterem verworfene Verfahren. Er wirft der Syme - 
schen Methode vor, dass der Operateur nicht mit Sicherheit vermeiden könne, mit der steifen, 
dünnen Sonde sich einen falschen Weg zu bahnen; sogar auf diesem Felde sehr erfahrenen Chi 
rurgen soll dies Unglück passirt sein, wie Gouley auf dem Sectionstisch zu beobachten Gelegen 
heit hatte. Er schlägt deshalb folgendes verbesserte Operationsverfahren vor: 
In der Chloroformnarkose untersucht der Operateur mit einem dicken Katheter den Sitz 
der Strictur. Nachdem dann die Urethra mit Oel gefüllt ist, wird eine sehr dünne, spitze Fisch 
beinsonde eingeführt, welche, sobald ihre Spitze sich in einer Lacune fängt, ein wenig zurückge 
zogen, gedreht und dann wieder vorgeschoben wird. Dringt sie in einen falschen Weg ein, so 
wird die Sonde mit der linken Hand fixirt, während mit der rechten eine zweite an ihr vorbei 
und weiter vorgeschoben wird; verfehlt auch diese ihren Weg, so greift man zur dritten Sonde 
u. s. f., bis es endlich gelingt eine Sonde in die Blase zu bringen. Bisweilen dringen 5 bis 6 
Sonden in den falschen Weg ein, bevor eine die natürliche Strasse inne hält. Sobald die Blase 
erreicht ist, werden die übrigen Sonden zurückgezogen, über die ia die Blase gedrungene aber 
eine starke gefurchte metallene Sonde, an deren Schnabel die Furche ein Viertel Finger breit 
überbrückt und in einen Kanal verwandelt ist, eingeführt, und hierauf die Operation in bekannter 
Weise zu Ende geführt. Gouley versichert, dass es auf diese Weise stets gelinge, einen Katheter 
auf dem natürlichen Wege in die Blase zu bringen. Nach Eröffnung der Urethra führt er dicht 
vor der Strictur durch die beiden Schnittflächen der Urethra Seidenfäden, mit denen er die 
Harnröhre auseinander ziehen lässt, um genau die Mitte .inne halten zu können. 
Wäs nun die Nachbehandlung betrifft, so war man früher der Ansicht, man müsse die 
. Wunde über dem Katheter heilen lassen, um den Urin von der Wunde abzuhalten. Die letztere 
Absicht wird aber, wie die Erfahrung gezeigt hat, nicht erreicht, wenn auch der Katheter an 
fangs allen Urin abführte. Nach kurzer Zeit lockert sich nämlich die Schleimhaut der Urethra, 
der Katheter wird lose und gestattet dem Urin, auch neben ihm vorbei durch die Wunde abzu- , 
laufen. Hierbei sah man nun, dass ebensowenig wie bei der Lithotomie, wo doch der Urin gleich 
von Anfang an die Wundflächen bespült, die gefürchteten üblen Zufälle, d. h. Harninfiltration ' 
eintraten, dass im Gegentheil der lange Zeit liegen gebliebene Katheter zu Cystitis, Urethritis 
etc., ja sogar zu Druckgangrän und Perforation der Blase Anlass gab. Prof, van Buren sagt in 
einem im Jahre 1866 in New-York gehaltenen Vortrag: »Wenn es nicht zu weit führte, so 
könnte ich Ihnen zahlreiche Unglücksfälle, welche Anderen und auch mir in Folge zu langen 
Liegenlassens des Katheters in der Blase, elastischer sowohl als metallener, begegnet sind, an 
führen. Ausser Schüttelfrost, Urinfieber, Druckgangrän der Urethra, habe ich Fälle von Cystitis, 
Steinbildung, Ulceration der Blase und tödtlicher Peritonitis bei dieser Behandlungsweise Vorkom 
men gesehen. Ausserdem habe ich durch eigne Beobachtungen und aus Krankengeschichten 
Anderer die Ueberzeugung gewonnen, dass der Verweilkatheter nach dieser Operation die Hei 
lung der Wunde verzögert und so die Gefahr einer bleibenden Fistel vergrössert. Die Convexität 
eines Katheters von gewöhnlicher Krümmung kann, wenn nicht die Spitze des Instruments weiter 
in die Blase geführt, als ohne Gefahr für dieselbe zulässig ist, mehr oder weniger direct über der 
Incisionsstelle einen nachtheiligen Druck ausüben; dies ist besonders der Fall bei traumatischen 
") Gouley, On External Perineal Urethrotomy. New-York 1869.
	        

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