Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1873 (Band XX.)

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zu machen und mittelst einer durch die Canüle des Fleurant’schen Troicarts eingeführten Sonde 
durch den Blasenhals in die Urethra einzudringen und sich den Durchgang zu bahnen, v. Bruns 3 ) 
ist auf diesem Wege die Einführung der Sonde in zwei Fällen gelungen. 
3) Vidal empfiehlt, wenn man das Lumen des centralen Urethralendes nicht finden kann, 
Mastdarm und Harnröhre zu trennen und die mit dem Finger leicht zu entdeckende Pars membr. 
von hinten zu eröffnen und mit der Sonde event, gewaltsam zu durchdringen. 
4) Von Anderen wird der Punction der Blase von der Wunde aus das Wort geredet. 
Die Preunde dieser Methode behaupten, dass man hierbei jenseits der Strictur das Lumen der 
Urethra, deren Lage man ja genau kenne, leicht wiederfinden und ohne bedeutende Abweichung 
in die Blase gelangen könne. Allein dies Raisonnement darf wohl nicht allzugrossen Anspruch 
auf Glaubwürdigkeit machen, da der scharfe Dolch des Troicarts nur zu leicht die Schleimhaut 
der Urethra, wenn er auch einmal in dieselbe eingedrungen sein sollte, wieder verlässt und sich 
einen falschen Weg bahnt; auch die Samengefässe sind hier in der grössten Gefahr verletzt 
zu werden. - 
Sedillot erklärt sich entschieden gegen dies Verfahren. 
5) Gelingt es auf keine Weise eine Sonde in das hintere Urethralende zu bringen, wenn 
ausserdem die anatomischen Verhältnisse durch Callusmasse 4 ) und Fistelgänge unkenntlich ge 
macht sind, so giebt es nach Dittel 5 ) keine andere Möglichkeit, um den Patienten vor Harn 
infiltration oder Pyaemie möglichst zu bewahren, als geleitet durch topographische Kenntnisse mit 
einem Skalpell durch die Gewebe hindurch in den prostatischen Theil der Plarnröhre zu stossen. 
Wenn dies Verfahren auch sehr unsicher ist, entschliesst Dittel sich doch dazu, weil es die einzig 
mögliche Rettung für den Kranken ist. Legt man hierbei das kleine nicht permeable Rudiment 
der Urethra frei, so ist dies natürlich ein sicheres Zeichen, dass man den richtigen Weg gefun 
den; für die Heilung wird es aber von keinem Einfluss sein, ob dieser geringe Rest in den zu 
bildenden Canal mit hineingezogen wird. 
Syme ,; ) erklärt alle diese Methoden für tollkühn und gefährlich. Er will unter allen Um 
ständen die Urethra nur auf der vor der Operation eingeführten Sonde eröffnen. Ist die Strictur 
sehr eng, so bedient Syme sich einer von ihm angegebenen Sonde, die hinten stark, vorn jedoch 
mit einem dünnen Ansatz versehen ist, welch letzterer die Strictur passiren soll, während das 
dicke Ende bis an dieselbe hinangeht. Diesem Instrument zu Liebe oder weil er frühere Publi- 
cationen, z. B. Krimers oben erwähnte, 16 Jahre vorher erschienene Schrift nicht gekannt hat, 
glaubt Syme eine Methode seine Erfindung taufen zu dürfen, die vor ihm längst bekannt war. 
Auch Krimer führt eine Sonde durch die Strictur, wenn es möglich ist, mindestens aber bis an 
dieselbe. Nun behauptet Syme freilich, es gäbe überhaupt keine impermeablen Stricturen, und 
• doch empfiehlt er an einer anderen Stelle, »wenn man es auf keine Weise bewerkstelligen kann, 
ein Instrument hindurch zu bringen« — die »verwerflichste« von allen Methoden zur Heilung einer . 
Strictur, nämlich die Urethrotomia externa mit nur bis an die Strictur geführtem Katheter. Was 
bleibt also von Syme’s verbesserter Methode Selbständiges nach? Nichts als die in ihrer Nütz 
lichkeit noch bezweifelte Sonde. Wenn eine Strictur überhaupt zu passiren ist, wozu soll denn 
das hintere Ende der Sonde dicker sein? Die Syme’sche Sonde hat höchstens den Vortheil einer 
etwas grösseren h estigkeit, ob aber wegen dieses Instruments die Symesche Methode ihren Namen 
mit Recht verdient, lasse ich dahingestellt. Hiermit soll nun keineswegs Syme’s anerkanntes 
3 ) Haussmann, Zur Casuistik der Boutonniere. Tübingen 1868, pag. 14 u. 41, 
4 ) Krimer empfiehlt, bei vorhandenem starken Callus, denselben, soweit als möglich, zu exstirpiren, da die rigide 
Callusmasse der Elasticität der Urethra grossen Widerstand entgegensetzt. Dittel beobachtete sogar, dass schon nach 
Entfernung der callösen Massen der Harnstrahl freier wurde. 
5 ) Pitha u. Billroth, Handbuch der allgem. u. spec. Chirurgie, Bd. Ill, Abth. II, Lieferung 6, pag. 154. 
®) Syme, Ueber Harnrqhrenverengerung und Dammfistel. Deutsch von Schroeder. Leipzig 1851.
	        

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